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"Onkel Hitler und Familie Speer" - die NS-Führung privat


25.10.2005
Neuere Filme über den Nationalsozialismus zeigen die NS-Führung verstärkt als Privatpersonen und verkürzen den historischen Hintergrund zu Gunsten einer oberflächlichen Unterhaltung.

Einleitung



Die jüngste Medienwelle, die uns einmal mehr mit Texten und Bildern zum Nationalsozialismus überschwemmt hat, ist vorüber. Es war nicht die erste, und es wird nicht die letzte gewesen sein. Unsere Geschichtskultur ist zeitgemäß stark visuell geprägt; die Bilder vom "Dritten Reich" spielen darin eine herausragende Rolle. In seinen fotografischen und filmischen Selbstdarstellungen ist es bis heute präsent. Dafür haben dessen Verschönerungsvirtuosen gesorgt, von Heinrich Hoffmann bis Leni Riefenstahl. Auch die zweite Geschichte des Nationalsozialismus ist vor allem eine der Bilder. Die großen filmdokumentarischen Arbeiten von Alain Resnais bis Claude Lanzmann sind aus ihr ebenso wenig wegzudenken wie die fiktionalen Filmerzählungen mit ihren populären Filmhelden, vom Teufelsgeneral bis zum Judenretter.

Die trivial-unterhaltsame Aufbereitung dieses Katastrophenstoffes wird weiterhin ein Massenpublikum in die Kinos locken. Vor allem dann, wenn Filme hoffnungsvolle Botschaften enthalten, wie in Schindlers Liste, Holocaust, oder Das Leben ist schön. Solange Publikum und Filmproduzenten ein Interesse daran haben, werden neben den trostspendenden Regimegegnern, heißen sie nun Claus Graf Stauffenberg, Sophie Scholl oder Johann Georg Elser, auch die Staatsverbrecher und die zwielichtigen Figuren über die Leinwand laufen. Der filmisch verwertbare Vorrat an biografischer und autobiografischer Literatur ist beachtlich.

Die Produzenten haben dieses Reservoir seit der frühen Nachkriegszeit zu nutzen verstanden. Für welche aktuellen politischen Ereignisse sie auch immer Vergangenheitsbilder anboten, sie mussten für die Gegenwart anschlussfähig sein.[1] Einige Beispiele: Das anfangs, zumal unter ehemaligen Wehrmachtssoldaten, hoch umstrittene Attentat vom 20. Juli 1944 wurde erst unter dem Eindruck des Ost-Berliner Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, also in antitotalitärer Sicht, bild- und erinnerungswürdig. Zwei Jahre danach kamen gleich zwei Verfilmungen des Stauffenberg-Stoffes in die Kinos: Falk Harnacks Der 20. Juli und Es geschah am 20. Juli von Georg Wilhelm Pabst.

Auch der ebenfalls nicht unumstrittene Aufbau einer "neuen Wehrmacht", wie man die Bundeswehr zunächst nannte, wurde publikumswirksam filmisch begleitet. Zahlreiche idealisierende Kriegsfilme haben den Mythos von der "sauberen Wehrmacht" bebildert und popularisiert. Man denke nur an den von Paul May verfilmten, dreiteiligen Kriegs- und Wehrmachtsroman 08/15 von Hans Hellmut Kirst - oder an die zahlreichen Stalingrad-Streifen.


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Fußnoten

1.
Eingehender dazu: Robert G. Moeller, War Stories. The Search for a Usable Past in the Federal Republic of Germany, Berkeley-Los Angeles-London 2001, und Peter Reichel, Erfundene Erinnerung. Weltkrieg und Judenmord in Film und Theater, München 2004; vgl. auch Michael Jeismann, Anschluß gesucht. Im Delta der großen Bilder: Wie der Film unser Gedächtnis prägt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 24.2. 2005.

 
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