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Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland


13.10.2005
Die Ergebnisse einer Repräsentativerhebung aus dem Jahre 2004 legen die Vermutung nahe, dass Rechtsextremismus und Antisemitismus stabile Einstellungsmuster sind, die bei sozialen Krisen aus der Latenz treten.

Einleitung



Die "Fieberkurve des wissenschaftlichen Outputs" zum Rechtsextremismus und verwandter Konzepte zeigt seit einigen Jahren steil nach oben.[1] Seit knapp siebzig Jahren ist die Rechtsextremismusforschung, stellt man sie in die Tradition der Autoritarismusforschung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung,[2] ein prosperierendes Forschungsfeld.

Die wellenartig verlaufende Intensität zeigt die Aktualität des Rechtsextremismus in der jeweiligen politischen Landschaft an, aber sowohl in der Politologie, der Soziologie, der Psychologie als auch in der Pädagogik ist die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus konstant hoch.

Die Aufzählung der Fachdisziplinen, die sich mit dem Phänomen wissenschaftlich auseinander setzen, vermittelt einen ersten Eindruck von der Vielfältigkeit der Rechtsextremismusforschung. Diese kennzeichnet nicht nur, dass das Forschungsfeld in unterschiedlichen Fakultäten bearbeitet wird, sondern auch, dass die dabei verwendeten theoretischen Konzepte, Begriffe und Methoden sehr heterogen sind.

Neben der Tatsache, dass sich in der Rechtsextremismusforschung konkurrierende Ansätze gegenüberstehen, ist die unterschiedliche Verwendung einer Reihe ihrer Begriffe ein Problem der Forschung.

Diese Heterogenität ist vor allem der Heterogenität des Forschungsgegenstandes geschuldet. Handlungen wie etwa das Wahlverhalten oder aber Gewalttaten können als rechtsextremistisch bezeichnet werden, Gruppen und Parteien werden als rechtsextrem beschrieben, wie auch in der Einstellungsforschung die Zustimmung zu unterschiedlichen Aussagen als rechtsextrem gekennzeichnet werden, beispielsweise zum Antisemitismus oder zum Sozialdarwinismus. Dabei kann es politisch unstrittig sein, dass die Bezeichnung zu Recht erfolgt. Aus wissenschaftlicher Sicht bleibt aber festzustellen, dass der Rechtsextremismusbegriff sehr unterschiedlich verwendet wird und damit nicht nur der Vielgestaltigkeit des Gegenstands Rechnung getragen wird. Denn die Heterogenität rechtsextremer Erscheinungen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl zur inhaltlichen Definition des Rechtsextremismus als auch zu seiner Entstehung und seiner empirischen Fassung in der Forschung konkurrierende Erklärungsansätze nebeneinander stehen. Der folgende Überblick über einige Traditionslinien beschränkt sich auf signifikante Ansätze in Zusammenhang mit der anschließenden Untersuchung.[3]



Fußnoten

1.
Vgl. Bernd Six, Autoritarismusforschung. Zwischen Tradition und Emanzipation, in: Gruppendynamik, 28 (1997), S. 223 - 238.
2.
Vgl. Erich Fromm, Studien über Autorität und Familie. Sozialpsychologischer Teil (1936), in: ders., Gesamtausgabe, Bd. 1, Stuttgart 1980, S. 139 - 187; Theodor W. Adorno/Else Frenkel-Brunswik/Daniel J. Levinson/R. Nevitt Sanford, The Authoritarian Personality, New York 1950.
3.
Ferner sei auf die einschlägige Literatur verwiesen: z.B. Wilfried Schubarth/Richard Stöss (Hrsg.), Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Berlin 2000; Jürgen Winkler/Hans-Gerd Jaschke/Jürgen W. Falter, Stand und Perspektiven der Forschung, in: J. W. Falter/H.-G. Jaschke/J. R. Winkler (Hrsg.), Rechtsextremismus. Ergebnisse und Perspektiven der Forschung, Opladen 1996, S. 9 - 21.