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13.10.2005 | Von:
Oliver Decker
Elmar Brähler

Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland

Ergebnisse

Zur besseren Darstellbarkeit wurden die Antwortmöglichkeiten "stimme voll und ganz zu" und "stimme überwiegend zu" zusammengefasst. In den abgebildeten Diagrammen werden die Prozentangaben derjenigen angegeben, die den Aussagen jeweils "voll und ganz" oder "überwiegend" zugestimmt haben. Die fehlenden Prozentangaben verteilen sich auf die hier nicht dargestellten Antwortmöglichkeiten "teils/teils", "lehne überwiegend ab" und "lehne völlig ab". Die den Probanden vorgelegten Aussagen werden den Skalen zugeordnet abgebildet.

Diagramm 1 der PDF-Version sind die Aussagen und die Zustimmungswerte zur "Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur" zu entnehmen. Insgesamt stimmten beispielsweise 9,8 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass eine Diktatur unter Umständen "die bessere Staatsform" sei, jeweils zu fast gleichen Teilen aus Ost- und Westdeutschland. Die Ost/West-Unterschiede sind marginal. Die Zustimmungswerte zu Aussagen der Skala "Chauvinismus" sind Diagramm 2 zu entnehmen. 39,2 Prozent der Deutschen sind demnach der Ansicht, dass "wir endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben sollten". Hohe Zustimmung zu ausländerfeindlichen Aussagen sind ein klassisches Merkmal rechtsextremer Einstellungen. Die Ergebnisse zur Skala "Ausländerfeindlichkeit" sind Diagramm 3 der PDF-Version zu entnehmen. Der geringe Ost/West-Unterschied der bisher vorgestellten Skalen trifft hinsichtlich der Ausländerfeindlichkeit interessanterweise nicht zu. So sind mehr Ost- als Westdeutsche der Meinung, Ausländer kämen nur nach Deutschland, "um unseren Sozialstaat auszunutzen".

Ein weiteres Identifikationsmoment rechtsextremer Einstellungen ist der Antisemitismus. Die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen ist in Diagramm 4 der PDF-Version dargestellt, wobei deutlich wird, dass die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen in Westdeutschland durchgängig höher ist als in Ostdeutschland. Der Sozialdarwinismus, die Übertragung eines kausalen Darwinismus auf die Gesellschaft zur Rechtfertigung aggressiver und ausgrenzender Handlungen gegenüber Schwächeren, wurde in unserer Erhebung ebenfalls mit drei Fragen abgebildet. Die Ergebnisse sind in Diagramm 5 der PDF-Version dargestellt. Große Ost/West-Differenzen finden wir auch in der "Verharmlosung des Nationalsozialismus" (Diagramm 6 der PDF-Version). Hierbei zeigen sich ebenfalls generell im Westen höhere Zustimmungswerte zu den einzelnen Aussagen.

Fassen wir die Zustimmungswerte zu den einzelnen Fragen zusammen, sind insbesondere die zu mehr als einem Viertel hohen ausländerfeindlichen Einstellungen auffällig. Auch der Chauvinismus ist in der untersuchten repräsentativen Stichprobe sehr deutlich. Jeder zehnte Deutsche stimmt außerdem antisemitischen Aussagen ausdrücklich zu. In der Zusammenschau fällt ferner auf, dass die Werte zwischen Ost- und Westdeutschland nicht so deutlich zu unterscheiden sind. Westdeutschland zeigt sich antisemitischer und chauvinistischer, ist aber weniger sozialdarwinistisch eingestellt. Hier hat in den letzten Jahren eine Entwicklung stattgefunden, wie den Diagrammen 7, 8, 9 und 10 der PDF-Version zu entnehmen ist (die Werte sind, anders als in den Diagrammen 1 bis 6, zum Zweck des Vergleichs mit den von Jürgen W. Falter erhobenen Daten gerundet[18]).

Sowohl die Zustimmung zu einer Diktatur als auch zu chauvinistischen und ausländerfeindlichen Aussagen hat seit 1994 in Ostdeutschland kontinuierlich abgenommen. In Westdeutschland stagnierten die Zustimmungswerte im selben Zeitraum oder zeigten eine geringe Zunahme. Antisemitismus scheint in beiden Landesteilen ein Sonderfall zu sein: Die Schwankung in Westdeutschland ist bei der Aussage deutlich zu verzeichnen. Während in Ostdeutschland die Zustimmung von sieben Prozent 1994 bis auf zwölf Prozent heute zunahm, "explodierte" die Zustimmung im Westen förmlich auf 31 Prozent im Jahre 2002. Dabei war das Niveau von 1994 mit 17 Prozent bereits deutlich höher als im Osten. Mit 21 Prozent ist die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen im Westen immer noch deutlicher ausgeprägt.

Den Tabellen 2, 3 und 4 der PDF-Version sind die Zustimmungswerte in Abhängigkeit von Geschlecht, Erwerbsstatus und formalem Bildungsgrad zu entnehmen. In allen Skalen zeigen die Männer eine deutlich ausgeprägtere rechtsextreme Einstellung als die befragten Frauen. Dabei nähern sich die Frauen in der Ausländerfeindlichkeit den Männern an, erreichen aber auch hier nur annähernd die männlichen Zustimmungswerte. Interessant ist, dass die Zustimmung bei Arbeitslosen deutlich höher ist als bei den anderen Gruppen. Aber auch hier fallen die in allen Gruppen hohen Zustimmungswerte auf, während Befragte mit allgemeiner Hochschulreife deutlich niedrigere Zustimmungswerte zu verzeichnen haben als die Vergleichsgruppe ohne Abitur.


Fußnoten

18.
Die Daten von 1994 und 1998 stammen aus: Jürgen Falter, Rechtsextremismus in Deutschland. Die Entwicklung des Einstellungs- und Verhaltenspotenzials 1994 - 2000, in: Perspektive, Nr. 7 (2000) (Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz), S. 7 - 27. Die Daten von 2002 und 2004 stammen aus unserer Arbeitsgruppe; für die Daten aus 2002 vgl. O. Decker/O. Niedermayer/E. Brähler (Anm. 16).