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6.10.2005 | Von:
Rainer Watermann

Politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen

Anhand einer am MPI für Bildungsforschung, Berlin, durchgeführten Längsschnittstudie wird gezeigt, inwieweit Jugendliche in der Nachwendezeit eine politische Unterstützung, das heißt eine dem politischen System emotional zugewandte Haltung, entwickeln.

Einleitung

Kindheit und Jugend gelten als eine Entwicklungsphase, in der Individuen auf dem Wege zu einer politischen Identität sind. Begünstigt durch die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten, Informationen in den Medien sowie Erfahrungen in der Schule, in der Gleichaltrigengruppe und beim Übergang in das Berufsleben setzt vor allem im Jugendalter eine verstärkte Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen und Sachverhalten ein, die ihren Ausdruck in eigenen Standpunkten zu gesellschaftlichen und politischen Fragen finden kann. In demokratischen Gesellschaften besteht ein wichtiges Ziel der politischen Sozialisation im Kindes- und Jugendalter darin, begründete Standpunkte bzw. Kritikfähigkeit auf der Basis einer grundlegenden Loyalität und Akzeptanz gegenüber der politischen Ordnung zu entwickeln.

In der Politikwissenschaft verwendet man hierfür den Begriff der politischen Unterstützung. Politische Systeme bedürfen einer basalen Unterstützung, wenn sie über Krisen hinweg handlungsfähig bleiben wollen. Der Entwicklungspsychologe und Bildungsforscher Helmut Fend betrachtet es als eine Entwicklungsaufgabe des Jugendalters, eine kritische Wachsamkeit gegenüber dem politischen Geschehen zu entwickeln und den in der Kindheit erworbenen Vorschuss an Vertrauen in die politische Ordnung und die politischen Autoritäten nicht aufzugeben, jedoch zu relativieren.[1]

Der vorliegende Beitrag ist diesem Verständnis von politischer Sozialisation im Kindes- und Jugendalter gewidmet.[2] Auf der Grundlage einer Befragung von Schülerinnen und Schülern soll diese Entwicklung nachgezeichnet werden. Bemerkenswert ist hierbei, dass die verwendeten Daten unmittelbar nach der Wiedervereinigung bei Jugendlichen aus den west- und ostdeutschen Ländern erhoben worden sind und deshalb auch eine Antwort auf die Frage gegeben werden kann, in welchem Maße es insbesondere den Jugendlichen aus den ostdeutschen Bundesländern in der Nachwendezeit gelingt, die Voraussetzungen für eine grundlegende Unterstützung der politischen Ordnung zu entwickeln.

Die in den frühen neunziger Jahren durchgeführten Jugendstudien, die sich im weitesten Sinne mit der politischen Unterstützung Jugendlicher beschäftigen, kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass Grundprinzipien einer demokratischen Ordnung (wie etwa Meinungsfreiheit, Oppositionsrolle, Kompromissbereitschaft) bei Jugendlichen aus west- und ostdeutschen Ländern in gleichem Maße befürwortet wurden. Im Unterschied dazu war die Haltung gegenüber den politischen Akteuren und dem politischen System bei ostdeutschen Jugendlichen deutlich skeptischer als bei westdeutschen.

In der Jugendforschung der frühen Nachwendezeit dominierten Querschnittsuntersuchungen, in denen Personen zu einem einzigen Zeitpunkt befragt werden. Wenn man eine Reihe von Querschnittsuntersuchungen mit Geschick kombiniert, eignen sie sich zwar sehr gut zur Untersuchung sozialen Wandels. Die Analyse individueller Entwicklungsprozesse setzt aber Längsschnittuntersuchungen voraus.[3] Die diesem Beitrag zugrunde liegenden Daten stammen aus der am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung durchgeführten Längsschnittuntersuchung "Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter" (BIJU).

Die Untersuchung wurde im Schuljahr 1991/1992 bei Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 7 begonnen und ermöglicht es, individuelle Entwicklungsverläufe der politischen Sozialisation zu untersuchen. Im vorliegenden Beitrag wird der Fokus auf die Entwicklung vom 13. bis zum 16. Lebensjahr gelegt. Die Entwicklung politischer Unterstützung wurde anhand von vier Einstellungsbereichen untersucht: das generalisierte Vertrauen in das politische System der Bundesrepublik Deutschland, das Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Institutionen, die Zustimmung zu Prinzipien der Demokratie sowie Überzeugungen zu den Möglichkeiten sozialen Aufstiegs in der Gesellschaft.

Der vorliegende Beitrag entstand am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, wo der Autor als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war.

Politische Sozialisation

Demokratien beruhen darauf, dass die grundlegenden Werte, Normen und Herrschaftsstrukturen der politischen Ordnung in der Bevölkerung Zustimmung finden. Diese kann sich auf das politische System als unspezifisches Ganzes oder konkret auf die einzelnen Leistungen politischer Akteure oder Institutionen beziehen. In Anlehnung an David Easton unterscheidet man daher zwischen der diffusen und spezifischen Unterstützung.[4] Die diffuse Unterstützung stellt eine grundlegend positive Einstellung gegenüber dem politischen System und den politischen Autoritäten dar. Sie ist deutlich affektiv getönt und relativ robust gegenüber Mängeln politischer Institutionen und Autoritäten. Diffuse Unterstützung basiert auf Vertrauen, welches das Individuum zum Teil aufgrund längerfristig erfahrener Leistungen des politischen Systems entwickelt hat, das zum Teil jedoch auch durch frühe Sozialisationsprozesse als eine Art Vertrauensvorschuss verstanden werden kann. Wenn diffuse Unterstützung in breitem Maße vorhanden ist, kann sich ein politisches System auch über Krisen hinweg als solches erhalten.

Demgegenüber ist die spezifische Unterstützung weniger verlässlich, und sie basiert auf sichtbaren Leistungen des politischen Systems, seiner Autoritäten und Institutionen. Wird die Leistungsfähigkeit eines Staates als mangelhaft wahrgenommen, z.B. aufgrund hoher Arbeitslosenquoten oder des Fehlens von Ausbildungsplätzen, so kann die spezifische Unterstützung - zumal unter Jugendlichen - schnell abbröckeln. Da sie sehr viel stärker vom aktuellen politischen Geschehen abhängt, bildet sie im Unterschied zur diffusen Unterstützung keinen zuverlässigen Indikator für die Stabilität einer demokratischen Ordnung. Erst wenn die spezifische Unterstützung etwa aufgrund lang anhaltender Krisen dauerhaft entzogen wird, erodiert auch die diffuse Unterstützung für die bestehende Ordnung.

Damit sich demokratische politische Systeme über Krisen hinweg erhalten können, ist es also notwendig, dass nachwachsende Generationen eine diffuse Unterstützung für Werte, Normen und Herrschaftsstrukturen der demokratischen Ordnung entwickeln. Aus der Perspektive demokratischer Systeme ist deshalb die Akzeptanz demokratischer Werte, Normen und Herrschaftsstrukturen im Sinne diffuser Unterstützung das zentrale Ziel politischer Sozialisation.

Wie eingangs erwähnt, wird dem Kindes- und Jugendalter im Prozess der politischen Sozialisation eine besondere Bedeutung beigemessen. Zum einen wird davon ausgegangen, dass die kognitiven und sozialen Voraussetzungen für das Verständnis gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge erst im Verlauf der frühen bis mittleren Adoleszenz ausgebildet werden, also etwa zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr. Zum anderen stellt dieses Alter eine Entwicklungsphase dar, in der Heranwachsende einen Zugang zu gesellschaftlichen und politischen Themen über die Auseinandersetzung mit ihrer beruflichen Zukunft und über Erfahrungen beim Übergang von der Schule in das Berufsleben finden, die darüber hinaus in hohem Maße durch die Medien kanalisiert werden. Nach Helmut Fend stehen Jugendliche in dieser Phase vor der Aufgabe, eine Balance zu finden zwischen einer basalen Akzeptanz demokratischer Werte, Normen und Herrschaftsstrukturen sowie der Entwicklung eines "gesunden Misstrauens" bzw. einer "ständigen Wachsamkeit gegenüber politischen Vorgängen".[5]

Er hat im Rahmen der Konstanzer Längsschnittuntersuchung die Bewältigung dieser Entwicklungsaufgabe empirisch untersucht. Für die Altersphase von 11 bis 17 Jahren stellt er einen Anstieg des politischen Interesses, die Zunahme des politischen Informationsverhaltens und eines Verständnisses für demokratische Prinzipien, eine Abnahme des Vertrauens in die politische Welt der Erwachsenen und des Glaubens an die Gerechtigkeit in der Gesellschaft sowie eine wachsende Beteiligung an politischen Entscheidungen und eine Wahrnehmung von Gestaltungsmöglichkeiten fest. Christel und Wulf Hopf interpretieren diese Ergebnisse im Sinne einer zunehmenden Fähigkeit der Verknüpfung politischen Urteilsvermögens mit einer "begründeten, an den Prinzipien der Demokratie orientierten Kritik der vorhandenen politischen Verhältnisse".[6] Heinz Reinders fasst die politische Sozialisation im Jugendalter als einen Prozess auf, der darauf abzielt, eine diffuse Unterstützung für die Werte, Normen und Herrschaftsstrukturen der demokratischen Ordnung zu entwickeln, um auf deren Basis das Handeln politischer Akteure bewerten zu können.[7]

Unser Wissen über die Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Unterstützung im Jugendalter bleibt notwendigerweise begrenzt, wenn nicht zusätzlich Informationen über die Lebensumstände und biografische Erfahrungen Jugendlicher in Rechnung gestellt werden. In welchem Ausmaß Jugendliche eine basale Unterstützung für das politische System entwickeln, hängt auch von den Erfahrungen in der Familie, in der Gleichaltrigengruppe, in der Schule sowie im Zuge des Übergangs von der Schule in die berufliche Erstausbildung ab. Im Zentrum dieses Beitrags stehen Erfahrungen des Aufwachsens sowohl in den west- als auch den ostdeutschen Ländern der Bundesrepublik Deutschland. Zudem wird ein besonderer Wert auf die Schule gelegt.

Fragestellungen

Wie ist die Entwicklung einer diffusen Unterstützung für das politische System bei west- und ostdeutschen Kindern und Jugendlichen in der Nachwendezeit verlaufen? Von folgenden drei Annahmen wird bei der Beantwortung dieser Frage ausgegangen:

Erstens: Es wird eine altersspezifische Entwicklung im Bereich der politischen Sozialisation unterstellt, die weitgehend unabhängig von den verschiedenen Lebensumständen und Erfahrungen Jugendlicher verläuft: Im Jugendalter sollte die Zustimmung zu demokratischen Prinzipien zu- und das Vertrauen in das politische System sowie in gesellschaftliche Institutionen abnehmen. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Jugendliche mit wachsendem Demokratieverständnis ein emotionales Distanzgefühl gegenüber dem politischen System entwickeln, das in der Relativierung des in der Kindheit erworbenen Vertrauens seinen Ausdruck findet. Ferner deuten empirische Befunde darauf hin, dass Jugendliche zunehmend von der Gültigkeit des Leistungsprinzips in der Gesellschaft überzeugt sind und damit soziale Ungleichheit grundsätzlich legitimieren, zudem aber auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass auch andere Faktoren als Leistung für sozialen Aufstieg von Bedeutung sind.[8]

Zweitens: Aufgrund von Ergebnissen aus Querschnittsuntersuchungen muss auch in der BIJU-Studie mit Unterschieden im Ausmaß der politischen Unterstützung zwischen Jugendlichen aus den west- und den ostdeutschen Ländern gerechnet werden. Allerdings ist wenig über den Verlauf der Entwicklung bekannt. Beginnen Jugendliche aus den ostdeutschen Ländern auf einem geringeren Niveau politischer Unterstützung und gleichen sie sich im Verlauf der Entwicklung den Gleichaltrigen in den westdeutschen Ländern an? Oder manifestieren sich die Unterschiede erst im Verlauf der individuellen Entwicklung?

Drittens: Das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland impliziert eine leistungsbezogene und soziale Schichtung, die in der Sekundarstufe I im Schulsystem der ehemaligen DDR weitgehend unbekannt war. Es stellt sich die Frage, ob die Schulformen in den ostdeutschen Ländern in ihrer Sozialisationswirksamkeit mit ihren westdeutschen Pendants vergleichbar sind.

Die BIJU-Studie

Datenbasis

Die Datenbasis der vorliegenden Untersuchung bildet ein Teildatensatz der Untersuchung "Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter",[9] die am Max-Planck-Institut (MPI) für Bildungsforschung, Berlin, unter der Leitung von Jürgen Baumert durchgeführt wird. Mittlerweile ist die BIJU-Studie ein Kooperationsprojekt zwischen dem MPI für Bildungsforschung und dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), Berlin, das von Olaf Köller geleitet wird. Die Studie untersucht Bildungskarrieren im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Eine Komponente der Studie ist den langfristigen Konsequenzen gewidmet, die das schulische Milieu für die politische Sozialisation besitzt. Die in diesem Beitrag untersuchte Kohorte (Jahrgangsgruppe) von Schülerinnen und Schülern aller Schulformen der Sekundarstufe I (mit Ausnahme von Sonderschulen und Berufsschulen) stammte aus den Ländern Nordrhein-Westfalen, Berlin (ehemals West- und ehemals Ost-Berlin), Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Als die Jugendlichen im Schuljahr 1991/92, also direkt nach der Umstellung des Schulsystems in Ostdeutschland, in der siebten Jahrgangsstufe zum ersten Mal befragt wurden, waren sie im Schnitt etwa 13 Jahre alt. Innerhalb dieses Schuljahres wurde zu drei Zeitpunkten (zu Beginn, in der Mitte und zum Ende des Schuljahres) in Ergänzung zu Schulleistungstests ein Schülerfragebogen eingesetzt. Allerdings wurden nur in der Mitte des Schuljahres Fragen zur politischen Sozialisation gestellt. Drei Jahre später - zum Ende des zehnten Schuljahres im Schuljahr 1994/95 -, als die Schülerinnen und Schüler im Schnitt 16 Jahre alt waren, erfolgte die letzte Befragung im Klassenverband mit identischen Fragen zur politischen Sozialisation. Die nachfolgenden Ergebnisse basieren auf den Antworten von N = 1 616 Schülerinnen und Schülern, die zu beiden Zeitpunkten - in der 7. und der 10. Jahrgangsstufe - befragt worden sind.

Instrumente

Generalisiertes Vertrauen in das politische System: Das Vertrauen in das politische System wird als eine affektive Unterstützung aufgefasst, die in Abgrenzung zur Leistung einzelner politischer Autoritäten ausgedrückt wird. So lautete eines der zu beurteilenden Statements: "Einzelne Politiker und Parteien machen sicherlich manches falsch, aber im Großen und Ganzen ist die Demokratie in Ordnung". Mit einem anderen Statement - "Vieles, was man sich wünscht, ist nicht möglich, aber im Großen und Ganzen geht es bei uns in der Bundesrepublik doch gerecht zu" - wird ein reservoir of good will gemessen. Insgesamt wurden den Jugendlichen vier Aussagen vorgelegt, die aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) stammen bzw. Eigenentwicklungen des Projekts darstellen. Die im Fragebogen vorgegebenen Antwortalternativen variieren von 1 "stimme völlig zu" bis 4 "stimme überhaupt nicht" zu. Für die Auswertung wurden die einzelnen Antworten auf die vier Statements in Richtung Systemvertrauen umgepolt und gemittelt. Hohe Werte weisen auf ein hohes Systemvertrauen hin.

Vertrauen in Institutionen: Das Vertrauen in Institutionen gilt als ein Gradmesser für die affektive Unterstützung, die gesellschaftliche Institutionen der Bundesrepublik von Seiten der Bevölkerung besitzen. Anhand der Antwortkategorien 1 "sehr" bis 4 "gar nicht" wurde das Vertrauen in die Kirche, Schulen, Gewerkschaften, Polizei, Verwaltung und Behörden, Gerichte und politische Parteien erfasst. Wie beim Systemvertrauen wurden die Antworten in Richtung Vertrauen umgepolt und gemittelt, so dass hohe Werte ein hohes Vertrauen in Institutionen indizieren. Ergänzend zu dieser Indexbildung werden Ergebnisse zu den einzelnen Institutionen berichtet.

Zustimmung zu Prinzipien der Demokratie: Teilaspekte dessen, was Kinder und Jugendliche inhaltlich unter Demokratie verstehen, wurden über vier Statements erfasst, die der Demokratieskala von Wilhelm Bürklin[10] (zurückgehend auf Max Kaase[11]) entnommen wurden. Die Statements beziehen sich auf zwei Aspekte der Demokratie. Die Aussage "Jeder Bürger hat das Recht, notfalls für seine Überzeugung auf die Straße zu gehen" stellt einen Indikator für den Aspekt "offensive Partizipation" dar. Das Statement "Eine lebensfähige Demokratie ist ohne politische Opposition nicht denkbar" bildet einen Indikator für den Aspekt "Regelverständnis", der besonders auf die Rolle von Regierung und Opposition in Demokratien abhebt. Zur Beurteilung der vier Aussagen kam eine 6-stufige Skala von 1 "volle Zustimmung" bis 6 "volle Ablehnung" zum Einsatz. Auch in diesem Bereich wurden die Antworten auf die vier Statements in Richtung Zustimmung kodiert und anschließend gemittelt. Hohe Werte indizieren eine hohe Zustimmung zu demokratischen Prinzipien.

Überzeugungen zu den Möglichkeiten sozialen Aufstiegs: Eine entscheidende Voraussetzung sozialer Ungleichheit in modernen Gesellschaften ist die Vorstellung von Leistungsgerechtigkeit bei der Verteilung von Gütern und Belohnungen. Ungleichheiten sind demnach akzeptabel, soweit sie unterschiedliche Fähigkeiten und Leistungen der Individuen widerspiegeln. Die Chancen des Zugangs zu Vorteilen sollen offen sein, das heißt, nicht von Klassenzugehörigkeit oder Herkunft abhängen, sondern sich nach erworbenen Qualifikationen und persönlicher Leistung richten (meritokratisches Prinzip). Ein gesicherter empirischer Befund der Ungleichheitsforschung besteht darin, dass in der Bevölkerung westlicher Industrienationen meritokratisch bedingte Ungleichheit eine hohe Legitimation erfährt, während sozial und strukturell bedingte Ungleichheit wenig Zustimmung findet.[12] Inwieweit in der Wahrnehmung Jugendlicher das meritokratische Prinzip in der Bundesrepublik Anwendung findet, soll deshalb als ein Maß für die Akzeptanz der Ungleichheitsverhältnisse in der Bundesrepublik gelten.

Zur Erfassung von Überzeugungen zu den Möglichkeiten sozialen Aufstiegs wurde eine leicht abgeänderte Version eines von Johann-Ulrich Sandberger[13] entwickelten Fragebogens eingesetzt.[14] Im Anschluss an die Frage "Von welchen Faktoren hängt es tatsächlich ab, ob jemand in unserer Gesellschaft Erfolg hat und aufsteigt?" sollten zehn verschiedene Mittel und Wege für sozialen Aufstieg im Hinblick auf ihre Wirksamkeit auf einer Bewertungsskala von 1 "stimmt genau" bis 4 "stimmt nicht" beurteilt werden. In den bisherigen Arbeiten ließen sich die Einschätzungen der Befragten in zwei gut voneinander trennbare Aspekte einteilen. Der erste Aspekt bündelt Statements, die individuelle Fähigkeiten, Kenntnisse, Leistung, Anstrengung und Initiative als Bedingungen für sozialen Aufstieg ansprechen (Beispiel: "Man muss sich anstrengen und fleißig sein"; "man muss begabt und intelligent sein"; "man muss Fachkompetenz auf seinem Spezialgebiet haben"), der zweite wird durch Statements konstituiert, die sich auf ökonomisches und soziales Kapital als Bedingungen für sozialen Aufstieg sowie auf moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen beziehen (Beispiel: "Man muss Geld und Vermögen haben"; "man muss die richtigen Beziehungen haben"; "man muss andere ausnutzen").

Auch in der vorliegenden Kohorte von Schuljugendlichen bestätigte sich diese Beurteilungsstruktur. Dies bedeutet, dass Jugendliche zwischen meritokratischen sowie ergänzend hierzu nichtmeritokratischen Mitteln und Wegen unterscheiden. Letztere sollen im Weiteren als strukturelle Überzeugungen sozialen Aufstiegs bezeichnet werden. Wie zuvor, wurden auch diese Antworten umkodiert, so dass hohe Werte eine hohe Wirksamkeit dieser Mittel und Wege ausdrücken. Daten zu den sozialen Aufstiegsmöglichkeiten liegen nur für die 10. Jahrgangsstufe vor.

Ergebnisse

Es wurde davon ausgegangen, dass sowohl das Systemvertrauen als auch das Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Institutionen beim Übergang von der frühen bis zur mittleren Adoleszenz abnehmen, während die Akzeptanz grundlegender demokratischer Prinzipien zunimmt. Hierbei ist von Interesse, in welchem Maße dieser vermutete Entwicklungsverlauf durch die Bedingungen des Aufwachsens in den west- und ostdeutschen Bundesländern in der Nachwendezeit und durch die besuchte Schulform beeinflusst wird.

Zunächst soll der Blick auf die Entwicklung des Vertrauens in gesellschaftliche Institutionen gelenkt werden. In den Grafiken 1a und 1b sind die Mittelwerte für das Vertrauen in die einzelnen Institutionen getrennt für west- und ostdeutsche Kinder und Jugendliche abgebildet. In der siebten Jahrgangsstufe ist das Vertrauen in die Polizei noch am stärksten ausgeprägt, unmittelbar gefolgt von den Schulen. Die politischen Parteien genießen in diesem Alter das geringste Vertrauen. Betrachtet man die Entwicklung, ist erwartungsgemäß eine Abnahme festzustellen. Der Verlust des Vertrauens in die Polizei und in die Kirchen fällt hierbei am deutlichsten aus. Bemerkenswert ist, dass in den ostdeutschen Ländern das Vertrauen in die Kirchen deutlich abnimmt, obwohl diese im Zuge der "friedlichen Revolution" im Jahre 1989 eine zentrale Rolle gespielt haben. Der leichte Anstieg des Vertrauens in die Gewerkschaften deutet möglicherweise auf ein wachsendes konzeptionelles Verständnis der Funktion von Gewerkschaften in demokratischen Gesellschaften hin.

Wie Analysen an anderer Stelle zeigen,[15] fällt die Abnahme des Vertrauens in gesellschaftliche Institutionen nicht mit einem in der Gesamtbevölkerung zu beobachtenden Trend zusammen, sondern es handelt sich tatsächlich um einen alters- bzw. entwicklungsspezifischen Verlauf.

In der Tabelle auf Seite 22 der PDF-Version ist das über alle Institutionen hinweg gemittelte Vertrauen nach regionaler Herkunft, Schulform und Erhebungszeitpunkt abgebildet. Es ist gut zu erkennen, dass in allen Teilgruppen das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen in einem vergleichbaren Ausmaß sinkt. Der Tabelle können auch die Mittelwerte für das Systemvertrauen entnommen werden. Auch in diesem Bereich kann wie erwartet eine leichte Abnahme festgestellt werden. Im Unterschied hierzu wächst die Akzeptanz grundlegender demokratischer Prinzipien. In allen nach regionaler Herkunft und Schulform unterschiedenen Gruppen steigt die Zustimmung zu demokratischen Prinzipien in bedeutsamer Weise an. Während also der im frühen Jugendalter noch vorhandene Vertrauensvorschuss für politische und gesellschaftliche Institutionen im mittleren Jugendalter tatsächlich eine Relativierung erfährt, treffen demokratische Prinzipien im Verlauf der Entwicklung insgesamt auf eine breitere Zustimmung.

Wendet man sich den Unterschieden zwischen west- und ostdeutschen Kindern und Jugendlichen zu, ergibt sich folgendes Bild: Bereits im frühen Jugendalter besitzen Heranwachsende aus den westdeutschen Ländern im Vergleich zu jenen aus den ostdeutschen ein höheres Vertrauen in die gesellschaftlichen Institutionen wie auch ein höheres Systemvertrauen. Die Entwicklung des Vertrauens in Institutionen folgt bei Jugendlichen aus west- und ostdeutschen Ländern einem vergleichbaren Muster (vgl. auch die Grafiken 1a und 1b der PDF-Version). Dies führt dazu, dass die in Jahrgangsstufe 7 ermittelten Niveauunterschiede im Zeitverlauf in etwa gleich bleiben. Dagegen sinkt das Systemvertrauen in den ostdeutschen Ländern relativ deutlich, während es in den westdeutschen Ländern kaum eine Veränderung erfährt. Beim Demokratieverständnis ergibt sich ein anderes Bild: Kinder und Jugendliche aus west- und ostdeutschen Ländern unterscheiden sich in diesem Bereich nur marginal voneinander.

Die Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Ländern werden überlagert durch Unterschiede der Schulform. So ist das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen bei Gymnasiasten insgesamt etwas höher ausgeprägt als bei Schülerinnen und Schülern anderer Schulformen. Weiterhin besitzen jene, die das Gymnasium besuchen, eine höhere Akzeptanz der erfassten demokratischen Prinzipien als jene, die andere Schulformen absolvieren. Bei Gymnasiasten beträgt der Zuwachs über drei Jahre fast eine halbe Standardabweichung. In der Gruppe der Nichtgymnasiasten liegt der Zuwachs bei etwa einer Viertel Standardabweichung. Der Zuwachs ist in den west- und ostdeutschen Bundesländern von einer vergleichbaren Größenordnung.

Wie verhält es sich mit den Überzeugungen zu den Möglichkeiten sozialen Aufstiegs? Wie erwähnt, wurden diese in der BIJU-Studie erst in Jahrgangsstufe 10 gemessen. Der Grafik 2 der PDF-Version sind die mittleren Einschätzungen in den zehn Statements - getrennt für west- und ostdeutsche Jugendliche - zu entnehmen. Wie deutlich zu erkennen ist, werden meritokratische Wege des sozialen Aufstiegs am wirkungsvollsten eingestuft: Am wichtigsten - wenn man es im Leben zu etwas bringen will - sind in den Augen der Jugendlichen Initiative, Fachkenntnisse, Anstrengung und Begabung. Mit Ausnahme des Statements "Beziehungen zu den richtigen Leuten", das als soziales Kapital von Individuen ebenfalls als bedeutsam für sozialen Aufstieg bewertet wird, rangieren Merkmale der sozialen Herkunft (Vermögen, richtige Familie), politisches Wohlverhalten und moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen (Rücksichtslosigkeit und Ausnutzung anderer) in der hier genannten Reihenfolge auf den hinteren Plätzen. Die befragten Jugendlichen sind also davon überzeugt, dass es in der Gesellschaft leistungsgerecht zugeht. Darüber hinaus ist ihnen die ergänzende Bedeutung anderer Mittel und Wege zu sozialem Aufstieg durchaus bewusst. Bemerkenswert sind die sehr deutlichen Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen aus west- und ostdeutschen Ländern. Jene aus den ostdeutschen Ländern sind in signifikant höherem Maße davon überzeugt, dass nicht nur Leistung, Anstrengung und Fähigkeiten, sondern auch andere Mechanismen am Werke sind, die über sozialen Aufstieg mitentscheiden.

Ferner weisen Jugendliche, die das Gymnasium besuchen, eine höhere meritokratische Überzeugung auf als Jugendliche, die anderen Schulformen zuzuordnen sind. Die in Abhängigkeit von der Schulform auftretenden Unterschiede in den meritokratischen Überzeugungen sind zwar im statistischen Sinne signifikant, praktisch jedoch wenig bedeutsam. Hinsichtlich der strukturellen Überzeugungen sozialen Aufstiegs sind unterschiedliche Schulformen ohne Belang.

Ausblick

Die Ergebnisse der BIJU-Studie bestätigen die robusten Befunde der politischen Sozialisationsforschung, die auf eine Zunahme des Demokratieverständnisses und auf eine Abnahme des Systemvertrauens sowie des Vertrauens in gesellschaftliche Institutionen im Jugendalter hinweisen. Diese Entwicklung verlief in den west- und ostdeutschen Bundesländern sehr ähnlich, wobei ostdeutsche Jugendliche kurz nach der Wende mit Ausnahme des Demokratieverständnisses auf einem niedrigeren Niveau der politischen Unterstützung "eingestiegen" sind. Die deutlich stärkere Abnahme des Systemvertrauens in den ostdeutschen Ländern lässt sich hierbei nur bedingt durch negative Wendeerfahrungen wie z.B. Arbeitslosigkeit in der Familie erklären. Wie weiterführende Analysen zeigen, nahm das Systemvertrauen Jugendlicher aus den ostdeutschen Bundesländern weitgehend unabhängig von den individuellen Lebensumständen ab. Weitere charakteristische Unterschiede traten bei der Beurteilung sozialer Aufstiegschancen auf. Ostdeutsche Jugendliche waren in höherem Maße der Überzeugung, dass ergänzend zu meritokratischen Mitteln und Wegen etwa die soziale Herkunft oder das politische Wohlverhalten über den sozialen Aufstieg in der Bundesrepublik mit entscheiden. Die substanziellen Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Ländern bezüglich der Überzeugungen hinsichtlich der Mechanismen sozialen Aufstiegs spiegeln dabei möglicherweise reale Verhältnisse aus DDR-Zeiten wider, als über den Zugang beispielsweise zu höheren Bildungsabschlüssen nicht nur nach Leistungsprinzipien, sondern auch nach Maßgabe des politischen Wohlverhaltens entschieden wurde.

Eine weitere Fragestellung betraf die Bedeutung der Schulform für die Entwicklung politischer Unterstützung. Hier zeigte sich das erwartete Ergebnis: Die Akzeptanz demokratischer Regeln und Prinzipien war bei Schülerinnen und Schülern, die das Gymnasium besuchten, im Durchschnitt höher. Dieser Unterschied ließ sich bereits in Jahrgangsstufe 7, also relativ kurz nach dem Übergang in das differenzierte Schulsystem, nachweisen. Der "Entwicklungsvorsprung" der Gymnasiasten ist dabei nicht allein der Sozialisationswirksamkeit der Schulform geschuldet. Mit dem Besuch des Gymnasiums und der damit häufiger einhergehenden Zugehörigkeit zu einer höheren sozialen Schicht besitzen Jugendliche auch einen Sozialisationsvorteil, der sich unter anderem in einer stärker auf Selbständigkeit, kritischer Entscheidungsfindung und Toleranz ausgerichteten Erziehung niederschlägt. Mit dieser Befundlage haben sich die Schulformen in den ostdeutschen Ländern überraschend schnell als Milieus etabliert, die ihren westdeutschen Pendants um nichts nachstehen.

Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass Kinder und Jugendliche aus den ostdeutschen Ländern in einigen Aspekten eine deutlich niedrigere politische Unterstützung äußern als Gleichaltrige aus den westdeutschen Ländern, ohne dass sich dies negativ auf den Glauben an die Leistungsgerechtigkeit des Systems auswirkt. Das Gesellschaftsbild Jugendlicher aus den ostdeutschen Ländern scheint daher mehr Widersprüche aushalten zu müssen, als dies bei Jugendlichen aus den westdeutschen Ländern der Fall ist. Dies verdeutlicht, dass für den Prozess der politischen Sozialisation Jugendlicher - und dies gilt auch für die Situation in den westdeutschen Ländern - nicht die in sich geschlossene, also logisch konsistente Sichtweise auf die Gesellschaft und das politische System charakteristisch ist. Das Spannungsverhältnis zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Realitäten zu akzeptieren und zu balancieren gehört zum Kern der politischen Sozialisation.

Die vorliegenden Ergebnisse liegen zwar etwa zehn Jahre zurück, besitzen aber nach wie vor Gültigkeit. Bezieht man die Ergebnisse jüngerer Untersuchungen mit in die Betrachtung ein,[16] so ist eine bemerkenswerte Stabilität, was die Unterschiede zwischen westdeutschen und ostdeutschen Ländern betrifft, erkennbar. Auch zehn Jahre nach der Wiedervereinigung macht es einen Unterschied für die politische Sozialisation Jugendlicher, ob sie in den westdeutschen oder den ostdeutschen Ländern aufgewachsen sind. Längsschnittstudien, die einen größeren Untersuchungszeitraum einbeziehen können, werden dieses Bild in Zukunft erweitern bzw. komplettieren können. So wird auch die BIJU-Studie die Entwicklung bis in das junge Erwachsenenalter hinein verfolgen, um der Nachhaltigkeit der politischen Sozialisation im Jugendalter genauer nachgehen zu können.

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Fußnoten

1.
Vgl. Helmut Fend, Identitätsentwicklung in der Adoleszenz. Lebensentwürfe, Selbstfindung und Weltaneignung in beruflichen, familiären und politisch-weltanschaulichen Bereichen, Bern 1991.
2.
Auch wenn im Folgenden nicht immer von Kindern und Jugendlichen, sondern vielfach nur von Jugendlichen gesprochen wird, so sind immer die in die Untersuchung einbezogenen 13- bis 16-jährigen Kinder und Jugendlichen gemeint.
3.
Im Unterschied zu einer Querschnittsuntersuchung werden in einer Längsschnittuntersuchung die identischen Personen in regelmäßigen Abständen wieder befragt.
4.
Vgl. David Easton, A re-assessment of the concept of political support, in: British Journal of Political Science, 5 (1975), S. 435 - 457.
5.
H. Fend (Anm.1), S. 137.
6.
Christel Hopf/Wulf Hopf, Familie, Persönlichkeit, Politik, Weinheim 1997, S. 94.
7.
Heinz Reinders, Politische Sozialisation Jugendlicher in der Nachwendezeit. Forschungsstand, theoretische Perspektiven und empirische Evidenzen, Opladen 2001.
8.
Vgl. Constance A. Flanagan/Corinna J. Tucker, Adolescents' explanation for political issues: Concordance with their views of self and society, in: Developmental Psychology, 35 (1999), S. 1198 - 1209.
9.
Vgl. http://www.biju.mpg.de.
10.
Vgl. Wilhelm Bürklin, Links und/oder demokratisch? Dimensionen studentischen Demokratieverständnisses, in:. Politische Vierteljahresschrift, 21 (1980), S. 220 - 247.
11.
Vgl. Max Kaase, Demokratische Einstellungen in der Bundesrepublik Deutschland, in: Rudolf Wildenmann (Hrsg.), Sozialwissenschaftliches Jahrbuch für Politik, München 1971.
12.
Vgl. Stefan Hradil, Soziale Ungleichheit in Deutschland, Opladen 1999.
13.
Vgl. Johann-Ulrich Sandberger, Zwischen Legitimation und Kritik. Vorstellungen von Akademikern, Studenten und Bevölkerung zur sozialen Ungleichheit, in: Zeitschrift für Soziologie, 12 (1983), S. 181 - 202.
14.
Für Details vgl. Rainer Watermann, Gesellschaftsbilder im Jugendalter. Vorstellungen Jugendlicher über die Ursachen von sozialer Aufstiegsmobilität, Opladen 2003.
15.
Vgl. Rainer Watermann/Kai S. Cortina/Jürgen Baumert, Politische Sozialisation bei Jugendlichen in der Nachwendezeit: Befunde aus BIJU, in: Jürgen Abel/Renate Möller/Christian Palentien (Hrsg.), Jugend im Fokus empirischer Forschung, Münster 2004.
16.
Vgl. Arthur Fischer, Jugend und Politik, in: Deutsche Shell (Hrsg.), Jugend 2000 (Band 1), Opladen 2000.