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Partizipation in Familie und Schule - Übungsfeld der Demokratie

6.10.2005

Beteiligung in der Grundschule



Beteiligung in der Grundschule unterliegt nicht nur den persönlichen Erziehungsvorstellungen der jeweiligen Lehrkraft, der Ausprägung ihres Kinderbildes oder einer mehr oder weniger partnerschaftlichen Grundhaltung, obwohl diesen Aspekten sicherlich große Bedeutung zukommt. Sie wird in ihren Möglichkeiten auch durch schulische und gesetzliche Vorgaben bestimmt.

Partizipationsmöglichkeiten für SchülerInnen werden in den Landesschulgesetzen geregelt. Formale Verfahren der Mitwirkung sind allerdings in den meisten Bundesländern erst ab der Sekundarstufe verbindlich vorgesehen: Die Wahl von Klassen- und SchulsprecherInnen, die Bildung des Schüler(bei)rats und die Mitwirkung an schulübergreifenden Gremien wie die Schulkonferenz oder das Schulforum sind in allen Bundesländern ab der fünften Klasse detailliert geregelt.[10] Für die Grundschule dagegen sind - sicherlich mit der Vorstellung, dass eine solche Mitwirkung jüngere Kinder überfordern würde - diese Formen oft nicht vorgesehen, teilweise auch explizit ausgeschlossen.

Beteiligung in der Grundschule richtet sich demnach weniger auf formale Verfahren, sondern findet ihren Platz in der Gestaltung des Klassenlebens und des Unterrichts. Grundlegend dafür ist das umfassende Bildungsverständnis der Grundschule, das sich nicht nur auf die Vermittlung von Kulturtechniken, sondern auch auf die Entwicklung der Persönlichkeit richtet. In jüngerer Zeit wurde eine stärkere Individualisierung gefordert mit mehr Möglichkeiten zu selbsttätigem Lernen, andererseits aber auch eine Verstärkung des sozialen Lernens. Offener Unterricht, Freiarbeit, handelndes Lernen oder projektorientierter Unterricht gehören zu den pädagogisch-didaktischen Ansätzen für eine "innere Reform" der Grundschule, die auf eine stärkere Beteiligung der Kinder setzen und damit auch ihre Rolle als eigenständige Akteure stärker hervorheben. Inwieweit diese neuen Ansätze aufgenommen werden, ist abhängig von Vorgaben der Schulbehörden, von Klima und Konzepten der jeweiligen Schulen und vom Engagement einzelner Lehrkräfte.

Ausgehend von den Ergebnissen des DJI-Kinderpanels interessiert nun die Frage, in welchem Umfang Kinder heute familiale und schulische Partizipation erleben und inwieweit sich Zusammenhänge zwischen den beiden Erfahrungsbereichen zeigen. Geht man davon aus, dass das familiale Umfeld eine "Trainingseinheit" für eine mögliche schulische Partizipation darstellt, so sollte sich insbesondere in höheren sozialen Schichten und unter dem Einfluss moderner Erziehungsstile ein positiver Zusammenhang nachweisen lassen. Mit Bezug auf Ergebnisse aus dem DJI-Jugendsurvey soll der Bogen noch etwas weiter gespannt werden mit der Frage, ob sich im späteren Alter ein Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu schulischer und politischer Partizipation feststellen lässt.



Fußnoten

10.
Vgl. Hans-Peter Füssel, Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen in der Schule. DJI-Arbeitspapier Nr. 6 - 152, München 1999.