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5.9.2005 | Von:
Petra Böhnke

Teilhabechancen und Ausgrenzungsrisiken in Deutschland

Langzeitarbeitslosigkeit, dauerhafte Armut und mehrfache Benachteiligungen gehen mit Marginalisierungserfahrungen einher. Sie stellen kein schichtübergreifendes Lebensrisiko dar.

Einleitung

Im Mittelpunkt aktueller Gesellschaftsdiagnosen zu sozialer Ungleichheit in Deutschland steht die Verbreitung von Risiken sozialer Ausgrenzung. Dabei beherrschen zwei widersprüchliche Thesen zum sozialstrukturellen Wandel die Debatte: Auf der einen Seite wird angesichts steigender Arbeitslosigkeit, erhöhter Armutsquoten und rückläufiger sozialstaatlicher Absicherung festgestellt, dass Randgruppen vom allgemeinen gesellschaftlichen Wohlstand abgekoppelt würden und die Polarisierung zwischen privilegierten und benachteiligten Bevölkerungsschichten zunehme. Auf der anderen Seite findet sich - mit zunehmend schlagkräftiger Wirkung - die Behauptung, Tendenzen der Ausgrenzung lösten sich von schichtspezifischen Charakteristika wie Bildung, Einkommen und Beruf, erfassten die gesellschaftliche Mitte und würden zu einem allgemeinen Lebensrisiko.






Trifft soziale Ausgrenzung also vermehrt die ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen und verschärft sich soziale Ungleichheit? Oder gibt es Anzeichen dafür, dass jeder ungeachtet seiner Qualifikation und Vorgeschichte von sozialen Risiken betroffen sein kann, die Abstieg und Deklassierung bedeuten? Diesen Fragen soll im Folgenden an Hand empirischer Befunde nachgegangen werden.