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17.7.2005 | Von:
Hans-Georg Golz

Editorial

Die Ausbreitung des Internets hat ungeahnte individuelle Freiheiten eröffnet. Zugleich haben sich die Sicherheitsprobleme verschärft. Das Spannungsfeld von Copyright und seinen Schranken muss neu vermessen werden.

Die rasche Ausbreitung des Internets über geographische und administrative Grenzen hinweg hat ungeahnte individuelle Freiheiten eröffnet. Doch zugleich haben sich die Sicherheitsprobleme verschärft. Die Freiheit des weltweiten Datennetzes braucht Regeln. Einheitliche Identifikationen von Internetdiensten, eine kontrollierte, zertifizierte Vergabe von Domainadressen sowie digitale E-Mail-Signaturen können helfen, Missbrauch und kriminellen Machenschaften zu begegnen. Doch viele Nutzer bewegen sich sorglos im Netz - ohne individuelle Sicherheitsvorkehrungen. Die Vision eines zuverlässigen Netzes setzt dagegen auf verantwortliche und verlässliche Nutzer.

In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts muss das Spannungsfeld von Copyright und seinen Schranken, von Verwertungsinteressen und Bürgerrechten neu vermessen werden. Ende Juni hat der Supreme Court der USA verfügt, dass amerikanische Hersteller von Tauschbörsenprogrammen zu Schadenersatz verurteilt werden können, weil sich mit der Software auch Raubkopien verbreiten lassen. Dieses Urteil legt das Urheberrecht ganz im Sinne der Musik- und Filmindustrie aus, die längst "Digitales Rechtemanagement" einsetzen, um die unerwünschte Weitergabe von Werken zu erschweren.

Staatliche Eingriffe erscheinen indes weder zweckmäßig noch wünschenswert. Autoritär regierte Staaten haben sogar zu drakonischen Zensurmaßnahmen gegriffen: Das Internet provoziert neue Möglichkeiten zentralistischer Kontrolle. Dass das Netz künftig auch zur Kriegführung dienen kann, belegen die Sicherheitsdebatten über den internationalen Terrorismus.