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17.7.2005 | Von:
Matthias Spielkamp

Die Zukunft der Ideen

Information will frei sein - und teuer

Womit wir wieder bei Stewart Brand angelangt wären. "Information wants to be free", hatte er gesagt, und er hätte sich mit diesem Ausspruch den Vorwurf grenzenloser Naivität eingehandelt, wenn er nicht die Einschränkung dieser These gleich mitgeliefert hätte. Information will frei sein, weil es so billig geworden ist, sie zu verteilen, zu kopieren und neu zu arrangieren - zu billig, um die Kosten noch zu messen, schrieb Brand vor fast zwei Jahrzehnten. Aber Information wolle auch teuer sein, fuhr er fort, denn sie kann unermesslich wertvoll sein für den Empfänger (und damit auch für den Verkäufer). Diese Spannung werde nie verschwinden, sondern zu endlosen, verdrehten Debatten führen über Preise, Urheberrechte, "geistiges Eigentum", weil jede Runde in der Entwicklung neuer Geräte die Spannung schlimmer werden lasse.[13]

Diese Vorhersage hat sich bewahrheitet. Die Frage, welche Grenzen des Eigentums an nichtfassbaren Gütern das öffentliche Wohl gebietet, ist noch immer ungelöst. Auf der Suche nach einer Antwort vor allem die Interessen der Rechteinhaber im Blick zu haben widerspricht fundamental der Idee einer Gesellschaft, die sich als demokratisch verfasst betrachtet. Dennoch ist es genau das, was der Gesetzgeber derzeit tut. Man kann, so würde es Marx wohl ausdrücken, unmöglich auf elegantere und zugleich einfachere Weise das Recht der Menschen vor dem Recht einer DVD niederfallen lassen.


Fußnoten

13.
Vgl. Stewart Brand, The Media Lab. Inventing the Future at MIT, Chicago 1987, S. 202.