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5.7.2005 | Von:
Ludwig Watzal

Editorial

Zerfallende Staaten bedrohen die Sicherheitsarchitektur in den internationalen Beziehungen. Der Solgan "Sicherheit zuerst" erscheint folglich oft als Allheilmittel. Eine zwangsläufige Folge dieses Denkens ist die Aufrüstung der Sicherheitskräfte, die häufig mit der Stärkung des Staates gleichgesetzt wird.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die internationale Staatengemeinschaft mit dem Phänomen der zerfallenden Staaten konfrontiert. Die Ursachen sind vielfältig: korrupte Eliten, schlechte Regierungsführung, verfehlte wirtschaftliche Entwicklungskonzepte, keinerlei Rechenschaftspflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, mangelnde Wohlfahrt und wenig Rechtssicherheit sowie ahistorische Nation-building-Konzepte. Der sich einstellende Staatsverfall wurde von der Anwendung entwicklungspolitischer Konzepte beschleunigt, die nicht zu einem dauerhaften ökonomischen Wachstum in den postkolonialen Nationalstaaten geführt haben. Entwicklung und Fortschritt im westlichen Sinne gab es nur in wenigen Ländern.

Dass diese prekäre Staatlichkeit auch zu einem Problem internationaler Sicherheit geworden ist, hat "9/11" auf grausame Weise vor Augen geführt. Der Slogan "Sicherheit zuerst" erscheint seitdem oft als Allheilmittel. Eine zwangsläufige Folge dieses Denkens ist die Stärkung der Sicherheitskräfte, die häufig mit der Machtzunahme des Staates gleichgesetzt wird. Dass eine solche Sicherheitsstrategie nicht die zahlreichen Strukturprobleme löst, tritt in den Hintergrund, sobald sich die nächste Krise am Horizont abzeichnet.

Mit dem Staatsverfall ist auch der Nimbus des Nationalstaates als des einzigen Garanten von Sicherheit angekratzt. Ein gegenläufiger Trend zum dominanten Globalisierungsdiskurs ist die Entdeckung der bislang unterschätzten Macht des Lokalen. Akteure auf dieser Ebene entwickeln zum Beispiel in Afrika zusehends neue Ordnungsstrukturen jenseits der bekannten klassischen Nationalstaaten.