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13.6.2005 | Von:
Irene Armbruster

Prophet des Friedens

Einstein verlangte eine überstaatliche Regierung, um Krieg zwischen Nationen zu verhindern. Als die Nationalsozialisten an die Macht gelangten, forderte der Pazifist die militärische Aufrüstung.

Einleitung

Albert Einstein war kein Diplomat oder Politiker. Er war überzeugter Pazifist mit großer Wortgewalt und klaren Überzeugungen: "Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen."[1] Vier Jahrzehnte seines Lebens kämpfte er intensiv für den Frieden, setzte seine Berühmtheit ein und zweigte Zeit, die sonst nur der Forschung diente, für dieses Engagement ab.


Der angesehene und bewunderte Physiker machte sich als Pazifist Feinde. Viele seiner friedenspolitischen Vorstellungen sind bis heute Visionen geblieben, sein persönliches Engagement aber erhebt ihn noch immer für viele zum Vorbild. Dabei war Einstein kein Heiliger, kein charismatischer Führer wie Gandhi, aber er legte sich mutig mit Mächtigen an und setzte sich für Pazifisten ein, egal, ob sie berühmt waren oder als einfache Kriegsdienstverweigerer in Bedrängnis gerieten. Einstein war eine Gestalt des blutigen 20. Jahrhunderts, und dessen Widersprüche spiegeln sich in seinem Leben wider. Sein Einsatz für den Frieden war nicht ohne Kehrtwendungen und Umdenkungsprozesse, aber dasWichtigste war ihm das Wohl der Menschheit.

Derart pathetische Formulierungen sind angemessen - die Menschen überall auf der Welt lagen Einstein am Herzen, wie er hunderte Male schrieb. In Briefen, Manifesten und Artikeln beschwor er den Weltfrieden, schloss sich Aktivisten an oder gründete selbst eine Initiative. Er wählte aus, was er unterstützte, aber er war nicht kleinmütig, sondern davon überzeugt, dass es auf die persönliche Entscheidung des Menschen für den Frieden ankomme.

Er nahm diese Verantwortung mehr als ernst, und immer wieder haben sich die Biografen gefragt, was Einstein bewegte, sich so vehement für den Frieden einzusetzen. Es sei seine ungeheure Achtung für das gesamte Universum gewesen, sagen die einen: Einer wie er, der sich mit den Grundlagen unseres Seins beschäftigt habe, könne die Zerstörung dieser reichen Schöpfung nicht ertragen. Er sei ein Internationalist gewesen, schreiben die anderen: In Grenzen und Nationalismen habe er keinen Sinn gesehen, denn sie behinderten nur die Freiheit des Individuums. Warum also Kriege dafür führen? Außerdem sei Einstein Weltbürger gewesen, Mitglied in der Gesellschaft internationaler Wissenschaftler, die nationale Eitelkeiten überwunden hätten.

Wahrscheinlich ist es von allem etwas, ebenso wie seine jüdische Identität eine Rolle spielte, die er immer als aufklärerische Kraft verstand. Einstein hat sein Engagement nie im Detail erklärt. In einem Interview mit der Zeitschrift "Christian Century" sagte er im Jahr 1929: "Mein Pazifismus ist instinktiver Natur - ein Gefühl, von dem ich besessen bin. Der Gedanke des Mordes an einem menschlichen Wesen erfüllt mich mit Abscheu. Meine Haltung ist nicht von intellektueller Theorie, sondern von einem tiefen Widerwillen gegenüber jeglicher Art von Grausamkeit und Hass motiviert."[2]


Fußnoten

1.
Albert Einstein, Wie ich die Welt sehe, in: Carl Seelig (Hrsg.), Albert Einstein: Mein Weltbild, Frankfurt/M. - Berlin 1986, S. 9.
2.
Zit. nach Otto Nathan/Heinz Norden (Hrsg.), Albert Einstein. Über den Frieden, Neu Isenburg 2004, S. 116.