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18.5.2005 | Von:
Ludwig Watzal

Editorial

Die Bundeswehr genießt ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Nach dem Ende des Kalten Krieges steht sie vor enormen innergesellschaftlichen wie außenpolitischen Herausforderungen.

Der 50. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr ist Sinnbild gewachsener Demokratie in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Ohne die Verankerung einer demokratischen Gesinnung in der Truppe, politischer Neutralität und des Leitbildes vom "Staatsbürger in Uniform" hätte die Bundeswehr wohl niemals ein so positives Image in der Gesellschaft erlangen können; sie zählt laut Umfragen zu den Institutionen mit der höchsten Glaubwürdigkeit.

Gleichwohl steht die Bundeswehr vor enormen innergesellschaftlichen wie außenpolitischen Herausforderungen. Von Haushaltszwängen gebeutelt, muss sie sich aufgrund neuer Bedrohungsszenarien nach dem Ende des Kalten Krieges neu orientieren. Ihr Aufgabengebiet ist primär nicht mehr die traditionelle Landesverteidigung gegen den "Feind" aus dem Osten. Deutsche Interessen werden nach Verteidigungsminister Peter Struck auch "am Hindukusch" verteidigt. Ganz gleich ob diese Interessen in Zentralasien, Afrika oder auf dem Balkan liegen - jedes Mal ist eine intensive innergesellschaftliche Debatte und eine nachvollziehbare Begründung erforderlich.

Die Bundeswehr ist kein besseres Technisches Hilfswerk. Sie ist zunehmend zu einem Instrument deutscher Außenpolitik geworden. Um diese Rolle glaubwürdig ausfüllen zu können, bedarf es der Transformation der Streitkräfte, die noch nicht abgeschlossen ist. Ein wichtiger Aspekt in diesem Konzept ist die Beantwortung der Frage: Wehrpflicht- oder Berufsarmee? Sie muss dringend entschieden werden. Trotz dieser gesellschaftspolitischen Hängepartie erfüllt die Bundeswehr in zahlreichen Krisengebieten ihre Aufgaben bereits tadellos. Chapeau!