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10.5.2005 | Von:
Hans-Georg Golz

Editorial

Zur "Einbürgerung des Islams" in Europa gehören ein landessprachlicher islamischer Religionsunterricht und die Universitätsausbildung von muslimischen Theologen. Die Bereitschaft der Muslime zur Integration darf vorausgesetzt werden.

Etwa 15 Millionen Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens leben in der Europäischen Union. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Gesellschaften. Die Problematik einer muslimischen Identität im säkularen bzw. christlich geprägten Umfeld wurde exemplarisch deutlich, als das Bundesverwaltungsgericht das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen bestätigte.

Dass zwischen der Religion und islamistischer Ideologie unterschieden werden muss, ist eine Binsenweisheit. Doch was ist gemeint, wenn von "dem" Islam gesprochen wird? Wen vertreten die Dachverbände der organisierten Muslime? In Frankreich beispielsweise besuchen nur fünf Prozent der Muslime wöchentlich die Moschee. Gibt es einen säkularen "Euro-Islam"?

Zur "Einbürgerung des Islams" in Europa gehören ein staatlicher, in der Landessprache abgehaltener islamischer Religionsunterricht und die Ausbildung von muslimischen Theologen an Universitäten, wie es viele europäische Muslime seit langem fordern. Andererseits muss staatlicherseits die Bereitschaft von Muslimen zur Integration vorausgesetzt werden können. Die Chancen auf Partizipation und Integration hängen nicht zuletzt vom rechtlichen Status der Einwanderer und ihrer hier geborenen Nachkommen ab. In Deutschland hat das Zuwanderungsgesetz ein Mindestangebot an Integrationsmaßnahmen festgelegt.

Den rund dreieinhalb Millionen Muslimen in Deutschland ist von der politischen Bildung bisher wenig Beachtung geschenkt worden. Im Juni 2004 ist daher unter Mitwirkung der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin die Muslimische Akademie gegründet worden, um die Partizipation von Muslimen zu fördern und ein unabhängiges Forum für den inter- und intrareligiösen Dialog anzubieten.