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29.4.2005 | Von:
Christoph Kleßmann

Konturen einer integrierten Nachkriegsgeschichte

Die Erinnerung an 1945, den gemeinsamen Ausgangspunkt, dient als Anlass, um einen Zugang zu einer deutschen Nachkriegsgeschichte zu formulieren, der eine Integration der Teilgeschichten anstrebt.

Einleitung

Jenseits der Kapitulation" lautete das übergreifende Thema des "Journals für Geschichte" vom Mai 1985. Diese mittlerweile eingestellte ambitionierte historische Zeitschrift, die einen Brückenschlag zwischen der Fachwissenschaft und einer breiteren historisch interessierten Öffentlichkeit versuchte, veröffentlichte damals Beiträge von Zeithistorikern aus der Bundesrepublik und der DDR aus dem erstendeutsch-deutschen Kolloquium zur Zeitgeschichte nach 1945, das im Dezember 1984 an der Fernuniversität Hagen stattgefunden hatte.[1] Angesichts der politischen Brisanz der jüngsten deutschen Geschichte und der hochgradigen ideologischen Kontaminierung von Zeitgeschichte in der DDR war das eine kleine Sensation, von der allerdings wenig nach außen dringen sollte, weil sonst die Basis eines solchen Versuchs als Werkstattgespräch wieder brüchig geworden wäre.

Das Kolloquium fand drei Fortsetzungen - abwechselnd in der DDR und in der Bundesrepublik -, verschwand dann aber im Dezember 1988 rasch in der Versenkung.[2] Die Debatte um das Verbot der sowjetischen Zeitschrift "Sputnik" durch die SED irritierte auch die ostdeutschen Fachvertreter, ohne dass sie dazu offen Stellung nehmen konnten oder wollten, und markierte einmal mehr die engen Grenzen für eine kritische Diskussion der jüngsten Geschichte. Ein auf beiden Seiten von vorsichtigem Optimismus getragenes Experiment versandete in der Sackgasse orthodoxer Berührungsängste. Vierzig Jahre nach Kriegsende gab es noch immer wenige Gemeinsamkeiten in der Interpretation der jüngsten deutschen Geschichte. Die Geschichtsbilder waren gespalten. Das entsprach der Teilung des Landes, an deren Überwindung damals kaum jemand glaubte.

Die Erinnerung an das Jahr 1945, den Ausgangspunkt einer doppelten deutschen Geschichte, wirft heute die Frage auf, was damals schon programmiert war und ob und inwieweit diese geteilte Vergangenheit noch eine gemeinsame Geschichte war und ist oder wieder werden kann. Das Jahr 1985 hat in der deutschen Erinnerungskultur zum Kriegsende fraglos einen besonders hohen Stellenwert. Über diese Erinnerungskultur zum symbolischen Datum des 8. Mai 1945 ist bereits viel geschrieben worden.[3] Der Büchermarkt der achtziger und neunziger Jahre bietet ein breites Spektrum von Dokumentationen, Darstellungen und Retrospektiven, die verdeutlichen, dass alle relevanten Aspekte des Kriegsendes in der öffentlichen Diskussion präsent waren.[4]

Daran zu erinnern ist durchaus angebracht angesichts der Unterstellungen in jüngster Zeit, die traumatischen Erfahrungen der Deutschen seien nicht genügend behandelt oder gar verdrängt worden. Sechzig Jahre danach erlebt die Erinnerung an 1945 einen neuen Boom. Es gibt jedoch neue und schrille Töne in dieser Debatte. Sie erinnern an längst vergangene Zeiten, und von einem Basiskonsens in der Interpretation scheint die Öffentlichkeit in Deutschland weit entfernt. Inwieweit es gar eine Verschiebung vom Täter- auf einen Opferdiskurs gibt und worin die Ursachen dafür liegen, soll hier nicht erörtert werden.[5] Ich möchte vielmehr die Erinnerung an den gemeinsamen Ausgangspunkt zum Anlass nehmen, einen anderen Zugang zur doppelten deutschen Nachkriegsgeschichte zu formulieren. Dazu wird ein Konzept vorgestellt, das eine Integration der Teilgeschichten anstrebt, ohne die Spannungen und Widersprüche in einer neuen (und alten) Nationalgeschichte aufzulösen.

Nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit haben sich viele Autoren um einen Neuansatz bemüht. Nur zwei besonders wichtige Arbeiten seien genannt. Peter Graf Kielmansegg hat in seiner großen Gesamtdarstellung der deutschen Nachkriegsgeschichte seine Leitfrage pointiert so formuliert: Wir haben es mit zwei verschiedenen Geschichten zu tun, "einer mit Zukunft und einer ohne Zukunft. An der zweiten interessiert vor allem, warum sie keine Zukunft hatte"[6]. Die Katastrophe von 1945 bildete in Deutschland wie wohl für kein anderes Land in Europa den zunächst gemeinsamen Ausgangspunkt für eine neue Geschichte als Chance, ohne dass ein Gelingen absehbar war. Diese relative Offenheit, aber auch die extrem ungleiche Verteilung der Folgelasten des NS-Erbes und der Teilung immer wieder zu betonen zählt zu den großen Stärken des Buches.

Zu einer Geschichte des geteilten Deutschlands gehören aber nicht nur die Gründe für Erfolg und Scheitern, sondern auch das Eigengewicht und die Besonderheiten, die das wechselseitige Verhältnis dieser beiden Teile ausmachten. Darauf richtet Peter Bender seinen Blick. Er verfolgt konsequent den schon früher entwickelten Ansatz der "deutschen Parallelen". Auch bei ihm bilden Katastrophe und Schuld die gemeinsamen Bezugspunkte für die Darstellung der beiden deutschen Nachfolgestaaten des Hitlerreiches. Als Objekte der Besatzungsmächte und Partner misstrauischer Verbündeter, aber auch als besonders tüchtige Streiter im Kalten Krieg zeigen sie viele Ähnlichkeiten.[7] Diese Parallelisierung hat - zumal im knappen, plakativen Stil Benders - eine hohe suggestive Überzeugungskraft. Sie führt auch nicht zur Verwischung der Gegensätze. Es war und blieb ein riesiger Unterschied, mit Moskau oder aber mit Washington verbündet zu sein. Dennoch wirft diese Form der Parallelisierung einige Probleme auf. Die innere Geschichte von Gesellschaft und Kultur, von Verbänden und Parteien, von Lebenswelt, Familie, Lebensstil und Alltagserfahrung lässt sich in einem stark politikhistorischen, parallelisierenden Konzept nur schwer in ihrer Bedeutung unterbringen. Das jeweilige Eigengewicht, aber auch die verqueren Formen von Verflechtung und wechselseitigen Einflüssen bleiben relativ blass. Die Nation und ihr Zusammenhalt bilden letztlich den Fluchtpunkt der Darstellung.

Die folgenden konzeptionellen Überlegungen lehnen sich an beide Autoren an, versuchen aber darüber hinaus, explizit sechs verschiedene Bezugsfelder und zeitliche Stufen, in denen die deutsche Nachkriegsgeschichte steht, miteinander zu verbinden, um so einen möglichen Gesamtrahmen zu skizzieren, ohne daraus eine gemeinsame Periodisierung abzuleiten, die es nur in engen Grenzen geben kann. Die reine Dichotomie von Erfolgs- und Misserfolgsgeschichte wird vermieden, die prinzipiellen Unterschiede im Verlauf und auch in der Wertung werden aber nicht verwischt. Ein solcher Versuch muss stark schematisch und konstruktivistisch ausfallen. In der Umsetzung sind Verschiebungen und Differenzierungen unvermeidlich und sinnvoll, aber als Leitlinien für ein schwieriges Thema haben sich diese Überlegungen für eine Reihe thematischer Fallstudien als tragfähig erwiesen.[8]

1945 als Endpunkt und Chance

Das erste, dichteste Feld umfasst den gemeinsamen Ausgangspunkt der doppelten Nachkriegsgeschichte: 1945 als Endpunkt der deutschen Katastrophe und Chance zum Neubeginn. Längerfristige Rückgriffe auf spezifische Prägungen der Gesellschaft seit dem Kaiserreich im "deutschen Sonderweg" mit dem Höhepunkt des Nationalsozialismus, aber auch tief greifende Wandlungs- und Modernisierungstrends als ungewollte Folgen des Krieges lassen sich in diesem Jahr punktuell synthetisieren. Dazu gehören insbesondere die demographischen und territorialen Veränderungen, die mit der Kriegswende seit 1943 an Brisanz gewinnen und in die ersten Nachkriegsjahre hineinreichen (Umsiedlungsaktionen, Flucht, Vertreibungen, Gebietsabtretungen). Sie sind programmatisch in dem Buchtitel "Von Stalingrad zur Währungsreform" gebündelt und in vielen Einzeluntersuchungen analysiert worden.[9]

Auch die europäische Dimension des Weltkriegs lässt sich in dieser Fokussierung verdeutlichen. Viele deutsche Probleme sind europäische: "Europa in Ruinen", das Kriegsende als Inferno und Befreiung, Massenflucht und Vertreibung, displaced persons, Entnazifizierung, der Beginn neuer Gewalt und neuer Diktaturen. Diese europäische Erweiterung des Blickfeldes ist zudem wichtig, um einerseits die lang anhaltenden Wirkungen der NS-Herrschaft in Europa in Erinnerung zu behalten und um andererseits dem zeitgenössischen Trend zur Stilisierung vornehmlich der Deutschen als Opfer entgegenzuwirken, ohne die grauenhaften Erfahrungen insbesondere der deutschen Bevölkerung im Osten zu bagatellisieren. Zugleich bietet das Jahr der totalen deutschen Niederlage die Chance zu einem Neuanfang mit unterschiedlichen Entwicklungspotenzialen.

Die Deutschen in Ost und West sind zwar von Kriegsfolgen und Gewalt unterschiedlich betroffen, und politische Ereignisse überlagern strukturelle soziale Veränderungen in verschiedenartiger Intensität. Aber eine Schlüsselerfahrung aller Deutschen ist zunächst die Konfrontation mit dem totalen Zusammenbruch, der vermeintlichen "Stunde null" und der bedingungslosen Unterwerfung unter die Sieger. Alliierte dismemberment-Konzepte und die Aufteilung in vier Zonen lassen zunächst keineswegs die Umrisse einer künftigen Zweiteilung erkennen. Das Fehlen eines Staates, eine sozial durcheinander gewirbelte Zusammenbruchsgesellschaft und ein weitreichendes Aufsichgestelltsein des Einzelnen oder der Familie im Kampf ums Überleben machen die äußere Gleichförmigkeit eines Landes aus, in der Schicksalskategorien die tradierten sozialen Schichtungskriterien zu ersetzen scheinen.

Auch wer der Vergangenheit entfliehen will, wird ständig mit ihr bzw. mit ihren Folgen konfrontiert. Die Besatzungsmächte verbindet bei aller Unterschiedlichkeit das Insistieren auf der "Haftungsgemeinschaft" aller Deutschen. Die divergierenden Interpretationen dieser Vergangenheit und die gravierenden Unterschiede der Entnazifizierungskonzepte und -prozeduren[10] stellen jedoch bereits in den ersten beiden Nachkriegsjahren wichtige Weichen. Auch die politischen Vorstellungen über die Zukunft Deutschlands differieren erheblich zwischen den Alliierten und den deutschen Politikern.[11]

Deutsche in Ost und West beteiligen sich aktiv am politischen Wiederaufbau, überwiegend aber lassen sie die Dinge apathisch geschehen, weil sie verschreckt, belastet oder perspektivlos sind. Nation und Nationalismus haben scheinbar ausgedient und werden von anderen Prioritäten überlagert. Gleichwohl ist deutsche Geschichte in dieser Phase nicht nur Besatzungsgeschichte, sondern auch - sehr unterschiedlich ausgeformte - Interaktion zwischen Siegern und Besiegten. An vielen Beispielen lässt sich diese Konstellation verdeutlichen. So bildet eine funktionierende Verwaltung eine elementare Voraussetzung für jeden Wiederaufbau, und dazu ist man auf Fachkräfte angewiesen, auch wenn diese nicht immer den rigiden Entnazifizierungskriterien entsprechen.

Das Gleiche gilt für die Betriebe, in denen häufig deutsche Betriebsräte eine schärfere politische Säuberung fordern als die Besatzungsmächte. Die Kirchen profitieren von ihrem bestenfalls halbwahren Selbstbild als Träger des Widerstands gegen die Nationalsozialisten und verfügen in West und Ost über beträchtliche Handlungsspielräume. Trotz beträchtlicher politischer Differenzen überwiegen in den Besatzungszonen zunächst die gemeinsamen sozialen Problemlagen.

Innere Folgen der Blockbildung

Der offene Kalte Krieg, die beginnende Blockbildung und die inneren Folgen - die zweite Entwicklungsstufe - treiben bislang unklare Entwicklungsmöglichkeiten seit 1947 in entgegengesetzte Richtungen auseinander. Die Deutschen können wenig gegen die Entfaltung dieses globalen Konflikts und seine Rückwirkungen auf die politische und gesellschaftliche Lage im besetzten Deutschland tun.[12] Viele setzen sich dennoch gegen einen Trend zur Wehr, den sie partiell noch für umkehrbar oder steuerbar halten. Politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen um die fatalen Zwänge des Kalten Krieges werden verstärkt zum Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. "Außenpolitik" wird zum Katalysator innenpolitischer Optionen. Diese sind zwar im Kern von den Besatzungsmächten vorgegeben, werden aber auch - in sehr unterschiedlichem Maße - von deutschen Politikern und ihren Anhängern nachvollzogen.

Der seit 1917 nie verschwundene Ost-West-Konflikt wird in seiner zugespitzten Form des Kalten Krieges von 1947/48 an zur bestimmenden Determinante der Teilung Deutschlands. Sie wird zunehmend individuell und kollektiv unmittelbar erfahrbar, besonders stark im Grenzgebiet und in Berlin, und macht Bemühungen um andere Optionen hinfällig. Die begriffliche Unterscheidung von Ost-West-Konflikt und Kaltem Krieg[13] ist insofern wichtig, als die Intensität dieses Konflikts, der erst 1989/91 beendet ist, im Laufe der Jahrzehnte mit spürbaren Folgen für Ost- und Westdeutsche variiert. Gerade in dieser Differenzierung ist er zum Verständnis der Politik, aber auch individueller und generationeller Erfahrungen von kaum zu überschätzender Bedeutung, und zwar gerade im Hinblick auf die trennenden und verbindenden Faktoren der doppelten deutschen Nachkriegsgeschichte.

Ost-West-Konflikt und Kalter Krieg sind die wichtigsten Strukturdeterminanten, die heute viel umfassender verstanden und erforscht werden und sich nicht primär auf die politische und militärische Konfrontation beschränken lassen, sondern verstärkt kultur- und mediengeschichtliche Dimensionen einbeziehen.[14] Dazu gehört auch das Bewusstsein und die sich verändernde Perzeption dieser Konstellation: Was anfangs als Fatum akzeptiert wird, unterliegt später kontroverser Auseinandersetzung und bewussten Versuchen zum Gegensteuern. Der nationalgeschichtliche Rahmen wird von den Vorgaben und dem entscheidenden Gewicht der Supermächte in Frage gestellt.

Eigendynamik der Teilung

Die Teilung in zwei Staaten und entgegengesetzte politische Systeme innerhalb der beiden Blöcke, die von niemandem so gewollt, aber auch kaum aktiv verhindert worden ist, entwickelt eine Eigendynamik, die partiell auch akzeptiert und gewollt wird. Nachkriegsgeschichte wird immer stärker Kontrastgeschichte. Zwar ist die bundesrepublikanische Demokratie mit anfangs wenigen wirklichen Demokraten zunächst ein Geschenk der Westalliierten, ebenso wie die volksdemokratische Diktatur der DDR ein sowjetrussischer Export ist. Die Erweiterung der Handlungsspielräume macht allerdings im Westen viel schnellere und grundsätzlichere Fortschritte als im Osten. Aber auch dort lassen sich in begrenztem Rahmen vor allem in den Formen der inneren Umgestaltung Charakteristika erkennen, die primär auf das Konto der deutschen Kommunisten gehen.[15] Ulbricht ist sowohl in der Frühphase wie in der Spätphase seiner Amtszeit ein gutes Beispiel dafür, auch wenn man Wilfried Loths Interpretation, die in Ulbricht den eigentlichen Motor der DDR-Gründung sieht,[16] für reichlich überzogen hält.

Einschneidende soziale und politisch-kulturelle Prägungen lassen sich daher, wenn auch mit prinzipiellen und erheblichen Unterschieden, in beiden Staaten und Gesellschaften als Folge deutscher Politikkonzepte und Aktivitäten und nicht nur als Ergebnis der alliierten Wünsche beobachten. Die wachsende und zunehmend akzeptierte "Öffnung nach Westen" in der Bundesrepublik, die in der Forschung, aber auch in der zeitgenössischen Öffentlichkeit als "Westernisierung", "Amerikanisierung" und "Fundamentalliberalisierung" diskutiert wird,[17] findet auf ostdeutscher Seite kein wirklich vergleichbares Pendant, weil die "Sowjetisierung" primär politisch konnotiert ist, oberflächlich bleibt und auf breite Ablehnung stößt.[18] Indikatoren sind eine anfangs noch ausgeprägte politische Opposition, die bis zum Mauerbau permanente Fluchtbewegung, der flächendeckende Aufstand vom 17. Juni 1953 und eine ostentative Pflege deutscher Klassik. Indirekte Amerikanisierungstendenzen gibt es zwar auch in der DDR, und die SED kann nicht verhindern, dass bei der DDR-Jugend Jeans als Ikone verehrt werden,[19] aber in vielen Erscheinungsformen bleibt die ostdeutsche Gesellschaft nicht nur aufgrund des ökonomischen und technischen Modernisierungsrückstandes deutlich altertümlicher und "deutscher" als die der Bundesrepublik.[20]

Diese Eigendynamik und der vor allem von den Sowjets und der SED forcierte Kontrast unter den Bedingungen des Kalten Krieges vertiefen die Teilung und Entfremdung mangels erschwerter Kommunikation, sodass die scheinbar unvermeidbare und international hingenommene Zweistaatlichkeit zunehmend fatalistisch akzeptiert wird. Jüngere Generationen wachsen mit Zweistaatlichkeit, Grenze und Berliner Mauer als Fakten auf, die man verändern, aber nicht abschaffen kann. Diese politische Ausweglosigkeit fördert Arrangements in den vorgegebenen Grenzen und wachsendes Desinteresse am nationalen Ganzen. Der Alltag und das "kleine Glück" in der DDR werden wichtiger. Der Verweis auf die "deutsche Frage" in einer längeren historischen Perspektive der staatlichen Vielfalt legitimiert vor allem im Westen für viele Zeitgenossen den Verzicht auf das Ziel nationaler Einheit.[21] Nicht zuletzt macht der Hinweis auf die europäischen Nachbarn und deren Interesse an einem geteilten Deutschland den Status quo zu einer fixen Größe im geteilten Europa. Das doppelte Deutschland wird scheinbar zum Eckstein europäischer Stabilität.

Auf der Basis dieses Sicheinrichtens in der jeweiligen Doppelhaushälfte sind aber auch gegenläufige Trends der aktiven kritischen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen politischen System zu behandeln, die ihre Impulse nicht oder nur peripher aus der deutschen Frage bezogen. Während der Aufstand vom 17. Juni 1953 ebenso wie die parlamentarischen und außerparlamentarischen Aktionen der fünfziger Jahre in der Bundesrepublik noch eine signifikante gesamtdeutsche Komponente haben, beziehen die Konflikte um die Entstalinisierung in der Intelligenz 1956/57 und die neuen Formen von Dissidenz seit den späten siebziger Jahren in der DDR ihre Schubkraft primär aus blockinternen Herausforderungen. Auf andere Weise gilt das ebenso für die westdeutsche Ausformung der "Achtundsechziger-Bewegung", die sich ganz auf die Kritik der "restaurativen" Bundesrepublik konzentriert und sich nur in einem schmalen Segment für die DDR interessiert.

Formen asymmetrischer Verflechtung

So plausibel eine solche dichotomische Konstellation zeitgenössisch auch ist und ex post nicht unterschlagen oder harmonisiert werden darf, so unzureichend wird damit die spezifische deutsche Situation in den Veränderungen des Ost-West-Konflikts erfasst. Denn Minderheiten haben sich auf beiden Seiten stets mit unterschiedlicher Motivation dagegen gewehrt. In breiterem Umfang aber ist erst nach 1989 die Einsicht gewachsen, dass neben den charakteristischen Faktoren der Abgrenzung auch direkte und indirekte Formen der asymmetrischen Verflechtung die deutsche Nachkriegsgeschichte bestimmt und ihr ein besonderes Profil gegeben haben. Damit ist nicht eine gewissermaßen latente Nationalgeschichte gemeint, sondern eine Sondersituation im Nachkriegseuropa, deren Problematisierung und Reflexion einige der wichtigsten Elemente der Neukonzeption einer Nachkriegsgeschichte ausmachen.

Dass die Entwicklung der DDR nicht ohne die der Bundesrepublik zu verstehen ist, lässt sich aus den öffentlichen und vor allem aus den internen Quellen der SED-Diktatur ablesen. An zahllosen Beispielen ist dieser Zusammenhang zu illustrieren und zu analysieren. So ist das Grenzproblem für die SED ebenso wie für die Bevölkerung zu allen Zeiten von zentraler Bedeutung. Ökonomisch bleibt die enge Verflechtung mit dem "Klassenfeind" unauflösbar, da es keinen Ersatz für bestimmte westdeutsche Lieferungen gibt. In der Jugendpolitik kann die SED westliche Einflüsse nie völlig ausschalten und bemüht sich schließlich um Kompromissstrategien. Der plakative Antifaschismus als Legitimationsideologie bezieht seine Konturen wesentlich aus der Abgrenzung zur Vergangenheitspolitik der Bundesrepublik. Die Situation der Kirchen bleibt trotz institutioneller Trennung von der "besonderen Gemeinschaft" bestimmt. In der außenpolitischen Konkurrenz der beiden Staaten in der "Dritten Welt" sitzt die DDR in der Regel gegenüber der ökonomisch starken Bundesrepublik am kürzeren Hebel. Auf diesen und anderen Feldern sind zwar unterschiedliche generationelle, soziale und regionale Erfahrungen in beiden Teilen Deutschlands zu thematisieren, aber alle DDR-Bürger bleiben zu allen Zeiten von der Trennung vom Westen betroffen, auch wenn sich der Blick nach Westen verändert. Das Interesse verschwindet nie, ist jedoch zumindest bei der jüngeren Generation immer weniger an den Nationalstaat gebunden, sondern eher an Konsum, Information, Reisen, wie beispielsweise die (unter Verschluss gehaltenen) Datenerhebungen des Leipziger Instituts für Jugendforschung belegen.[22]

Schwieriger zu erfassen, aber deshalb nicht per se weniger wirksam ist der umgekehrte Einfluss der DDR auf die Bundesrepublik. Das betrifft weniger die spektakulären und historiographisch z. T. überzogenen Formen der Infiltration durch die "Westarbeit" von SED, Staatssicherheit und FDGB[23] als vielmehr die indirekten Wirkungsfaktoren. Die Existenz einer kommunistischen Diktatur auf deutschem Boden prägt die politische Kultur in der Bundesrepublik, erleichtert die Entscheidung für die Westintegration und bestimmt die Formen der innenpolitischen Konsensfindung, diskreditiert aber auch gesellschaftliche Alternativkonzepte der Arbeiterbewegung vor allem in den fünfziger Jahren (z.B. Sozialisierung und Planwirtschaft). 1976 führt die Union ihren Wahlkampf angesichts der Stärke des linken Flügels in der SPD mit dem Slogan "Freiheit statt Sozialismus" bzw. "Freiheit oder Sozialismus" (so der CSU-Slogan).[24] Besonders gut erkennbar ist diese direkte und indirekte Art des Einflusses der SED in bestimmten Formen und Argumentationsmustern des Umgangs mit der NS-Vergangenheit.[25]

Der beschleunigte Endspurt der Bundesrepublik auf dem "langen Weg nach Westen"[26] hängt zweifellos auch mit der unmittelbaren Nachbarschaft zur DDR zusammen. In diesen Kontext gehört eine kritische Erörterung, inwieweit die Bundesrepublik bis 1990 ein "postnationales" Selbstverständnis entwickelt hat und die DDR einem als Parteidoktrin künstlich verordneten "internationalistischen" Sonderweg gefolgt ist, bis beide 1990 in einen "postklassischen Nationalstaat" mündeten.[27] Aufgrund der demokratischen Legitimität und der Funktionsfähigkeit der Bonner Demokratie lässt sich die Geschichte der alten Bundesrepublik mühelos unter weitestgehender Ausklammerung der DDR schreiben, wie viele Beispiele zeigen. Die große fünfbändige Geschichte der Bundesrepublik hat das auch bewusst mit dem Ziel der eigenständigen Identitätsstiftung getan. Das Bonner "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" war ursprünglich ebenso konzipiert.[28] Dass eine solche Konzeption unzureichend ist, dürfte kaum noch strittig sein, auch wenn die DDR- und ostmitteleuropäische Geschichte im Geschichtsbild führender westdeutscher Zeithistoriker nach wie vor nur einen marginalen Stellenwert besitzt.[29]

Systemübergreifende Problemlagen

Im Zuge der relativen Normalisierung der innerdeutschen Beziehungen und der Veränderung der Paradigmen in der Forschung ("systemimmanenter Ansatz") rücken seit den siebziger Jahren zunehmend auch systemübergreifende Problemlagen fortgeschrittener Industriegesellschaften ins Bewusstsein und werden zum Gegenstand insbesondere von Sammelwerken.[30] Das betrifft bildungspolitische, kulturelle, wirtschaftliche, ökologische und andere Fragen ebenso wie die Bedrohungsszenarien durch die atomare Hochrüstung der Supermächte und entsprechende gesellschaftliche Reaktionen darauf in den Friedensbewegungen.

Hier haben sich nach 1990 erneut deutliche Verschiebungen und Gewichtsverlagerungen ergeben. Die Reflexion über Struktur- und Funktionsdefizite parlamentarischer Demokratien im Zeitalter der Allgegenwart und wachsenden Bedeutung der Massenmedien ist zeitweilig in den Hintergrund gerückt. Globalisierung, strukturelle Massenarbeitslosigkeit und die Erosion der Sozialsysteme haben systemübergreifende Problemlagen aber erneut nachdrücklich auf die politische und historische Agenda gesetzt.

Nicht zuletzt aus erfahrungsgeschichtlicher und keineswegs nur nostalgisch eingefärbter Perspektive ehemaliger DDR-Bürger, die vom neuen demokratischen Staat enttäuscht sind, bedarf dieser Komplex noch eingehender Erörterung, wenn die bloße Kontrastierung von westdeutscher Erfolgs- und ostdeutscher Misserfolgsgeschichte überwunden werden soll. Denn die anfangs nach dem Kollaps der DDR erhofften und scheinbar historisch legitimierten Rezepte zur Krisenlösung haben längst ihre Überzeugungskraft und Attraktivität eingebüßt.[31]

Trends der Wiederannäherung

In der Endphase der Teilungsgeschichte lassen sich neben Verselbstständigung auf der Basis akzeptierter Teilung im Zuge europäischer und innerdeutscher Entspannungspolitik deutliche Trends einer z. T. ungewollten Wiederannäherung durch gesteigerte wechselseitige Kommunikation, aber auch gleichzeitige Erosionserscheinungen in der DDR feststellen. Die politische Klasse im Westen thematisiert wieder nachdrücklicher die nationale Frage,[32] die im Osten offiziell tabu ist, weil die Mauer "noch 100 Jahre" bestehen werde, wie Honecker noch im Januar 1989 prognostiziert.[33]

Die wachsende Misserfolgsgeschichte der DDR und des Ostblocks im Wettlauf um technologische Innovation wird unübersehbar, aber auch im Westen versagen alte Steuerungsinstrumente gegenüber struktureller Massenarbeitslosigkeit und Überlastung der Sozialsysteme. Es fehlt zwar keineswegs an zutreffenden Diagnosen und Warnungen, aber die unverhoffte Einheit verdeckt für viele Jahre die Brisanz dieses Problems im öffentlichen Bewusstsein.

Wissenschaftliche und kulturelle Kontakte zur DDR werden zwar auch in den achtziger Jahren von der SED eng kanalisiert, entwickeln sich aber breiter als in früheren Jahren. Im Zuge der Entspannung wächst ein wechselseitiges Interesse, das sich auf Kultur undLiteratur und somit die Fortexistenz einer Kulturnation bezieht. Die Bücher vonChrista Wolf, Christoph Hein, Stefan Heym, ansatzweise auch Ausstellungen vonDDR-Kunst sind im Feuilleton der Bundesrepublik präsent und werden anders als früher nicht primär politisch, sondern nach eigenständigen ästhetischen Maßstäben diskutiert.

Die nach 1990 zu Recht kritisierte Kehrseite ist allerdings auch, dass die Schattenseiten des Systems kaum mehr erörtert werden. Von Diktatur spricht in den achtziger Jahren kaum jemand mehr, obwohl ihre Realität auch für den westdeutschen Besucher überall erkennbar ist. Insofern erscheint die nachholende harsche Kritik am "schiefen DDR-Bild" in Westdeutschland als durchaus berechtigt.[34]

Die Verklammerung west- und ostdeutscher Geschichte

Die sechs genannten Bezugsfelder und Stufen im historischen deutsch-deutschen Verhältnis nach 1945 sind ein Versuch, dem Eigengewicht und der Verklammerung west- und ostdeutscher Geschichte besser gerecht zu werden als eine reine Kontrastgeschichte oder eine neue Nationalgeschichte. Die zeitlichen Stufen und systematischen Bezugsfelder lassen sich weiter ausdifferenzieren. Ihr Mischungsverhältnis ist im Laufe der 40 Jahre Teilung zudem unterschiedlich. Einige bleiben durchgängig erhalten, andere treten erst spät auf. Orientierungsmaßstäbe und Werturteile sind für eine kritische Geschichtswissenschaft unverzichtbar. Aber die reine Dichotomie von freiheitlicher Demokratie und totalitärer Diktatur führt nicht weiter. Sie ebnet die inneren Differenzierungen und konstitutiven Spannungslinien ein,[35] ignoriert die beträchtlichen Veränderungen im Laufe einer 40-jährigen Entwicklung, vernachlässigt spezifische Schwierigkeiten eines Lebens unter den erschwerten Bedingungen einer Diktatur und lenkt allzu selbstgerecht von Versäumnissen, strukturellen Defiziten und mühsamen Lernprozessen im Westen ab.

Das Wortungetüm von der "asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichte" löst die Dichotomie und relative Eigenständigkeit nicht einfach auf.[36] Aber diese Charakterisierung wird dem sperrigen Gegenstand gerechter, indem sie sich bemüht, offenkundige Disproportionen zu vermeiden, einem teleologischen Denken nach dem Muster "Die DDR war von Anfang bis Ende stalinistisch und dem Untergang geweiht" zu entgehen, nationalstaatliche Verengungen aufzulösen und die charakteristischen Formen der Verbindung und Abgrenzung zu betonen. Eine an einem solchen Interpretationsansatz orientierte Darstellung, die Herrschaftsanalyse mit Erfahrungsgeschichte verbindet, kann am ehesten einen Beitrag leisten zur politisch und historiographisch notwendigen Behandlung der getrennten Vergangenheit als gemeinsame Geschichte.

Den Anstoß dafür kann eine Reflexion über den 8. Mai 1945 als Ende des blutigsten Krieges der Neuzeit und Beginn einer neuen Epoche liefern. Dieser Beginn war mit vielen Hoffnungen verbunden, in weiten Teilen Osteuropas aber auch mit tiefen Enttäuschungen über einen "vergeblichen Sieg"[37]. Aus erfahrungsgeschichtlicher Perspektive war "1945" für viele Menschen, insbesondere für die deutsche Bevölkerung im Osten, keine oder zumindest nicht primär eine Befreiung, sondern ein Inferno und der Beginn neuer Verfolgung und Diktatur.

Signifikant war die Einseitigkeit der gespaltenen Erinnerung in Deutschland. Den Gestus der selbst ernannten Sieger der Geschichte in der SED hat Christa Wolf im November 1989 harsch und treffend charakterisiert: "Eine kleine Gruppe von Antifaschisten, die das Land regierte, hat ihr Siegesbewusstsein zu irgendeinem nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkt aus pragmatischen Gründen auf die ganze Bevölkerung übertragen. Die 'Sieger der Geschichte' hörten auf, sich mit ihrer wirklichen Vergangenheit, der der Mitläufer, der Verführten, der Gläubigen in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen (...). Ihr untergründig schlechtes Gewissen machte sie ungeeignet, sich den stalinistischen Strukturen und Denkweisen zu widersetzen (...)."[38]

In Westdeutschland gab es jahrzehntelang eine andere Einseitigkeit: die ausschließliche Betonung von Niederlage, Zerstörung und Kapitulation. Potsdam stand als Symbol für den Verlust des deutschen Ostens und die Sanktionierung der Massenvertreibung der deutschen Bevölkerung. Spätestens mit Weizsäckers Rede 1985 begann ein Prozess der Differenzierung im westdeutschen Gedenken an die Katastrophe, die auch eine Befreiung war.

Heute hat sich das Bild erneut gewandelt. Der deutsche Opferdiskurs ist unübersehbar in den Vordergrund gerückt und hat einen fatalen politischen Höhepunkt in der Instrumentalisierung der Erinnerung an die Bombardierung Dresdens durch die NPD gefunden.[39] Nötig wird es sein, die widersprüchlichen, nicht harmonisierbaren Befunde von zerstörerischem Inferno und Befreiung, von historischer Einordnung und individueller Erfahrungsgeschichte nebeneinander zu akzeptieren. Diese Verbindung zweier diametral verschiedener Perspektiven ist ein wichtiges Element einer integrierten deutschen Nachkriegsgeschichte.

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Fußnoten

1.
Abgedruckt sind die Beiträge von Lutz Niethammer, Dietrich Geyer, Rolf Badstübner, Peter Brandt und Olaf Groehler. Teilnehmer waren neben den Genannten: Günther Benser, Karl Drechsler, Gerhard Keiderling, Heinz Niemann, Eva Seeber, Siegfried Thomas und Walter Wimmer aus der DDR; Wolfgang Benz, Ulrich Borsdorf, Othmar Haberl, Ludolf Herbst, Christoph Kleßmann, Winfried Loth, Hans Mommsen, Dietmar Petzina, Dietrich Staritz, Rolf Steininger, Arnold Sywottek und Hans-Erich Volkmann aus der Bundesrepublik.
2.
Die Hintergründe sind von Martin Sabrow dargestellt worden: Der Streit um die Verständigung. Die deutsch-deutschen Zeithistorikergespräche in den achtziger Jahren, in: Arnd Bauerkämper u.a. (Hrsg.), Doppelte Zeitgeschichte, Bonn 1998, S. 113 - 130.
3.
Nur auf zwei Sammelbände sei hier verwiesen: Deutsche Umbrüche im 20. Jahrhundert, hrsg. von Dietrich Papenfuß und Wolfgang Schieder, Köln 2000; Kriegsende 1945. Verbrechen, Katastrophen, Befreiungen in nationaler und internationaler Perspektive, hrsg. von Bernd-A. Rusinek, Göttingen 2004.
4.
Zahlreiche Hinweise auf dtv-Dokumente finden sich in einer Beilage zu dem genannten Heft des "Journals für Geschichte".
5.
Vgl. den Beitrag von Klaus Naumann (mit weiteren Literaturhinweisen): Agenda 1945 - Das Jahr des Kriegsendes im aktuellen Geschichtsdiskurs, in: Kriegsende (Anm. 3), S. 237 - 253.
6.
Peter Graf Kielmansegg, Nach der Katastrophe. Eine Geschichte des geteilten Deutschland, Berlin 2000, S. 677.
7.
Peter Bender, Episode oder Epoche? Zur Geschichte des geteilten Deutschland, München 1996, S. 12.
8.
Das Folgende basiert auf dem Text für einen im Herbst bei der Bundeszentrale für politische Bildung erscheinenden Sammelband, den ich zusammen mit Peter Lautzas als Ergebnis einer Potsdamer Arbeitsgruppe von Fachhistorikern und Fachdidaktikern herausgebe. Der Text wird sprachlich im Präsens formuliert, da es nicht primär um eine historische Darstellung, sondern um eine Erörterung ihrer konzeptionellen Probleme geht. Vgl. dazu den ebenfalls aus der Arbeitsgruppe entstandenen, ausführlicheren Aufsatz von Konrad H. Jarausch, Die Teile als Ganzes erkennen. Zur Integration der beiden deutschen Nachkriegsgeschichten, in: Zeithistorische Forschungen, (2004) 1, S. 10 - 30.
9.
So der Titel des Sammelbandes von Martin Broszat u.a. (Hrsg.), Von Stalingrad zur Währungsreform. Zur Sozialgeschichte des Umbruchs in Deutschland, München 1988.
10.
Vgl. Clemens Vollnhals (Hrsg.), Entnazifizierung. Politische Säuberung und Rehabilitierung in den vier Besatzungszonen 1945 - 1949, München 1991.
11.
Die immer noch beste detaillierte Untersuchung dazu hat Hans Peter Schwarz vorgelegt: Vom Reich zur Bundesrepublik. Deutschland im Widerstreit der außenpolitischen Konzeptionen in den Jahren der Besatzungsherrschaft 1945 - 1949, Neuwied-Berlin 1966.
12.
Vgl. die kompakte Übersicht von Bernd Stöver, Der Kalte Krieg, München 2003.
13.
Vgl. dazu die m.E. nach wie vor tragfähigen Überlegungen von Werner Link, Handlungsspielräume der USA in der Entstehung des Ost-West-Gegensatzes 1945 - 1950, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 33 (1983) 25, S. 19 - 26. Demnach begann der Ost-West-Konflikt 1917, der Kalte Krieg als besondere Phase aber 1946/47. Er fand sein Ende mit dem atomaren Patt in den sechziger Jahren. Heute lässt sich hinzufügen, dass der Ost-West-Konflikt mit der Revolution in Ostmitteleuropa und der Auflösung der Sowjetunion 1989/91 beendet war.
14.
Vgl. Rana Mitter (Hrsg.), Across the Blocs: Cold War Cultural and Social History, London 2004.
15.
Vgl. Michael Lemke, Einheit oder Sozialismus? Die Deutschlandpolitik der SED 1949 - 1961, Köln 2001.
16.
Wilfried Loth, Stalins ungeliebtes Kind. Warum Moskau die DDR nicht wollte, Berlin 1994.
17.
Vgl. Anselm Doering-Manteuffel, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999; Konrad H. Jarausch, Die Umkehr. Deutsche Wandlungen 1945 - 1995, München 2004.
18.
Vgl. Hannes Siegrist/Konrad H. Jarausch (Hrsg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945 - 1970, Frankfurt/M.-New York 1997.
19.
Vgl. z.B. den Titel des Buches des Leipziger Kabarettisten Bernd-Lutz Lange, Mauer, Jeans und Prager Frühling, Leipzig 2003.
20.
Vgl. die Beobachtungen Theo Sommers nach der Reise von ZEIT-Redakteuren in die DDR in: Marion Gräfin Dönhoff/Rudolf Walter Leonhardt/Theo Sommer, Reise in eine fernes Land. Bericht über Kultur, Wirtschaft und Politik in der DDR, Hamburg 1964.
21.
Als Beispiel einer dezidierten Meinung: Hans-Ulrich Wehler, Die deutsche Frage in der europäischen Politik 1648 - 1986, in: ders., Aus der Geschichte lernen?, München 1988, S. 34 - 43.
22.
Interessantes empirisches Material bei Peter Förster, Die Entwicklung des politischen Bewusstseins der DDR-Jugend zwischen 1966 und 1989, in: Walter Friedrich/Peter Förster/Kurt Starke (Hrsg.), Das Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig 1966 - 1990. Geschichte, Methoden, Erkenntnisse, Berlin 1999, S. 70 - 165.
23.
Dazu Hubertus Knabe, Die unterwanderte Republik, Berlin 1999; Jochen Staadt, Die geheime Westpolitik der SED 1960 - 1970, Berlin 1993; Heike Amos, Die Westpolitik der SED 1948/49 - 1961, Berlin 1999; Josef Kaiser, "Der politische Gewinn steht in keinem Verhältnis zum Aufwand". Zur Westarbeit des FDGB im Kalten Krieg, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung, (1996), S. 106 - 131.
24.
Wolfgang Jäger/Werner Link, Republik im Wandel 1974 - 1982. Die Ära Schmidt, Stuttgart 1987, S. 46.
25.
Ausführlich dazu Annette Weinke, Die Verfolgung von NS-Tätern im geteilten Deutschland. Vergangenheitsbewältigungen 1949 - 1969 oder: eine deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte im Kalten Krieg, Paderborn 2002.
26.
Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen, 2 Bde., München 2000.
27.
Vgl. ders., Nationalismus, Nationalstaat und nationale Frage in Deutschland seit 1945, in: APuZ, 41 (1991) 40, S. 12 - 24.
28.
Vgl. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in 5 Bänden, hrsg. von Karl Dietrich Bracher, Stuttgart 1981 ff.; Hermann Schäfer, Begegnungen mit unserer eigenen Geschichte. Zur Eröffnung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland am 14. Juni 1994, in: APuZ, 44 (1994) 23, S. 11 - 22.
29.
Vgl. z.B. Hans-Peter Schwarz, Die neueste Zeitgeschichte, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 51(2003), S. 5 - 28.
30.
Exemplarische Ansätze dazu in: Werner Weidenfeld/Hartmut Zimmermann (Hrsg.), Deutschland-Handbuch. Eine doppelte Bilanz, Bonn 1989.
31.
Vgl. Klaus Schroeder, Legenden und Fakten. Deutschland vierzehn Jahre nach der Vereinigung, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, Nr. 16/2004, S. 72 - 89, bes.S. 84ff.
32.
Exemplarisch: Werner Weidenfeld (Hrsg.), Nachdenken über Deutschland. Materialien zur politischen Kultur der Deutschen Frage, Köln 1985.
33.
Vgl. Werner Weidenfeld/Karl Rudolf Korte (Hrsg.), Handbuch der deutschen Einheit 1949 - 1989 - 1999, akt. und erw. Ausgabe, Bonn 1999, S. 553.
34.
Hartmut Jäckel, Unser schiefes DDR-Bild, in: Deutschland Archiv, 22 (1990), S. 1557 - 1565.
35.
Vgl. Detlef Pollack, Die konstitutive Widersprüchlichkeit der DDR. Oder: War die DDR-Gesellschaft homogen?, in: Geschichte und Gesellschaft, 24 (1998), S. 110 - 131.
36.
Vgl. die Kritik Hermann Wentkers, Zwischen Abgrenzung und Verflechtung: deutsch-deutsche Geschichte nach 1945, in: APuZ, 55 (2005) 1 - 2, S. 10 - 17.
37.
So der Titel der 1948 in Zürich erschienenen Erinnerungen von Jan Ciechanowski.
38.
Petra Gruner (Hrsg.), Angepaßt oder mündig? Briefe an Christa Wolf im Herbst 1989, Berlin 1990, S. 11.
39.
Vgl. Achatz von Müller, Passionsspiel mit Hintersinn. Die NPD provoziert mit deutschem Opferpathos und geht mit dem Leid der Ausgebombten hausieren, in: Die Zeit vom 3.2. 2005.