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12.4.2005 | Von:
Markus Gangl

Beschäftigungschancen von Arbeitslosen im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich führen Arbeitsplatzverluste in der Bundesrepublik zu besonders nachhaltigen Beschäftigungsproblemen. Empirische Analysen belegen die Vorzüge einer ausgewogenen Balance von Flexibilität und Sicherheit im Arbeitsmarkt des skandinavischen Modells.

Einleitung

Das Problem der Arbeitslosigkeit berührt in vielfältiger Weise unser Verständnis und unsere Wertvorstellungen über die Funktionsweise moderner Gesellschaften, ihrer Arbeitsmärkte und Erwerbssysteme, aber auch der gesellschaftlichen Solidarität und der gerechten Verteilung von Lebenschancen. Arbeitslosigkeit bedeutet für die unmittelbar Betroffenen und ihre Familien zunächst den Verlust bisheriger Sicherheiten und eines geregelten Erwerbseinkommens. Damit gehen nicht selten anhaltende psychische und familiäre Probleme einher, die aus dieser Situation der Unsicherheit resultieren. Es handelt sich jedoch nicht nur um ein individuelles, sondern potenziell immer auch um ein soziales Problem. Aus volkswirtschaftlicher Sicht signalisiert Arbeitslosigkeit das Brachliegen individuellen Humankapitals und damit ungenutzten volkswirtschaftlichen Potenzials, gesellschaftspolitisch stellt sich unmittelbar das Problem des angemessenen sozialen Ausgleichs sowie der Vermeidung des erwerbsgesellschaftlichen Teufelskreises von hoher Arbeitslosigkeit und fehlender sozialer Integration.




Aus diesen gänzlich unterschiedlichen Motivlagen ergibt sich das Ziel der - individuell und kollektiv - möglichst raschen und nachhaltigen Bewältigung von Arbeitslosigkeit als praktisch unstrittiges arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisches Ziel. Der Vielfalt der Perspektiven entspricht, dass ebenso vielfältige arbeitsmarkt-, wirtschafts- oder sozialpolitische Lösungsstrategien angeboten werden, deren Ausrichtung und Umfang, aber auch prinzipielle Möglichkeit, Notwendigkeit oder gar Wünschbarkeit jeweils kontrovers diskutiert werden.

Zu selten gerät dabei in den Blick, dass die realen Arbeitsmärkte in den verschiedenen Industrienationen aus historischen Gründen recht unterschiedlich politisch reguliert sind und sich beispielsweise im Hinblick auf Stärke und Umfang von Arbeitsmarktregulierung, im Ausmaß der sozialstaatlichen Absicherung von Arbeitslosigkeit oder auch im Hinblick auf die Rolle der aktiven Arbeitsmarktpolitik unterscheiden. Die Erfahrungen, die in anders verfassten Arbeitsmärkten mit der Bewältigung von Arbeitslosigkeit gemacht werden, können also idealerweise dazu beitragen, die politische Debatte zu versachlichen, indem Grenzen und Chancen alternativer politischer Gestaltungsmöglichkeiten in der Realität ausgelotet werden.

In diesem Sinne werden im Beitrag einige empirische Ergebnisse zur Bewältigung von Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik, in den USA, sowie in Dänemark diskutiert. Die Analysen konzentrieren sich dabei auf die arbeitsmarkt- und sozialpolitisch bedeutsame Frage nach den Beschäftigungschancen von Arbeitslosen im Sinne einer sowohl raschen wie nachhaltigen Überwindung von Beschäftigungslosigkeit. Dabei wird sich zeigen, dass die Bewältigung von Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Ländern unterschiedlich gut gelingt, jedoch gerade in der Bundesrepublik ein ausgesprochen großes Problem darstellt. Aus den arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen der erfolgreicheren Länder lassen sich somit wichtige Rückschlüsse für die Überwindung der Arbeitslosigkeit in Deutschland ziehen.