Auf einem Modell mit Spielzeugautos ist ein Polizeiauto in einer Rettungsgasse zu sehen.

17.5.2019 | Von:
Georg Seeßlen

Cops, Bullen, Flics, Piedipiatti. Polizist*innen in der populären Kultur - Essay

Polizist*innen sind Menschen, die die Drecksarbeit einer Gesellschaft erledigen, irgendetwas zwischen sozialer Müllabfuhr und Elitetrupp der Macht, zwischen Helden des Alltags und ungeliebten Spielverderbern. Und wie alle, die hart arbeiten und etwas riskieren müssen im Arbeitsleben, sind Polizist*innen schlecht bezahlt, wenig angesehen und kaum gesichert. Einerseits. Aber andererseits gehören Polizist*innen auch zu den letzten heroischen Figuren in einem postheroischen Zeitalter, erreichen die Orte und Personen an den Bruchstellen ihrer Länder und Kulturen und haben einen dramatischen persönlichen Entscheidungsraum, wie ihn kaum ein anderer Beruf kennt. Polizist*innen sind, im Zweifelsfall, Herrscher über Leben und Tod oder entscheiden wenigstens zwischen Freiheit und Gefangenschaft. Die richtige und die falsche Entscheidung liegen im alltäglichen Konfliktfall so nahe beieinander wie der gute und der böse Cop. Die Polizei repräsentiert den Zusammenhang von Staat und Gesellschaft und taucht paradoxerweise gerade dort auf, wo mit diesem Zusammenhang etwas nicht stimmt. Polizist*innen vertreten ein soziales Über-Ich, dem das alte, lustvolle Es mit Tücke und Verstellung begegnet. Die Anwesenheit von Polizei soll Ruhe und Ordnung garantieren, doch löst sie selbst bei durch und durch unschuldigen Menschen Unsicherheit und Unruhe aus. Kein Wunder also, dass Polizist*innen das Material für eine rege Fantasie- und Legendenbildung bieten.

Polizei und Gesellschaft haben eine praktische Beziehung zueinander, aber auch eine fiktionale. Beides passt natürlich nicht immer zusammen, aber das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Manchmal durchdringen sich reale und fiktionale Polizeiarbeit, manchmal verlängert sich Polizeiarbeit in die etwas derberen Segmente des Entertainments, und manchmal verwechseln sich wirkliche Polizist*innen mit ihren fiktionalen Abbildungen. Die heftigsten Attraktionen bilden sich dort, wo die "klassische" Erscheinung – öffentlich, uniformiert, ordnend – in die geheime, unauffällige, ermittelnde Erscheinung übergeht – der Polizist als Detektiv, als Undercover-Agent, als einer, der Subversion mit Subversion beantwortet und technologische Aufrüstung der Kriminalität mit technologischer Aufrüstung der Aufklärung.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Georg Seeßlen für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.