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Dialog der Generationen


16.2.2005
Generationsübergreifende Projekte verfügen über Potenziale, die sie zu Mitgestaltern künftiger Sozialstrukturen unserer Gesellschaft prädestinieren. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zeichnen sich neue Formen des Miteinanders ab.

Einleitung



Eine Herausforderung, so scheint es, jagt derzeit die andere. "Reform" und "Veränderung" gehören zu den Leitbegriffen, die in den politischen Arenen widerhallen. Wenn nicht als "Krieg der Generationen", wie in den Schlagzeilen der Medien, kommt ein grundlegender Umwälzungsprozess auf eher leisen Sohlen daher: Die Gesellschaft altert. Höhere Lebenserwartung und geringere Geburten- und Kinderzahlen verändern die Anteile der Altersgruppen. War um 1900 jeder Zwölfte über 60 Jahre alt, wird es 2030 jeder Dritte sein. Noch nie haben in Familien drei oder vier Generationen eine so lange gemeinsame Zeitspanne miteinander verbracht.

Die demographische Verschiebung wirft eindringlich die Frage auf, wie die Generationen künftig miteinander leben wollen. Stärker als bisher ist einBewusstsein gefordert, das die Beziehungen zwischen den Generationen als immer neu zu gestalten begreift. Das Besondere an dieser Reformaufgabe ist, dass sich das Wenigste davon sinnvoll an den Staat delegieren lässt. Ob sich Alt und Jung mit Respekt begegnen, sich als Last oder als Bereicherung definieren, entscheidet sich im alltäglichen Umgang.

Dass neue Lebensformen gefragt sind, wird gerne an der wachsenden Zahl der jungen Alten illustriert: Gesund wie nie zuvor, mit reichlich Kompetenzen und einem gutem finanziellen Einkommen ausgestattet, gerät diese Gruppe besonders ins Blickfeld, wenn neue Verantwortungsträger gesucht werden. Das Rentenalter soll und kann nicht länger nur in Freizeit münden. Hier entdeckt man neue Chancen der Zivilgesellschaft, in der generationsübergreifende Freiwilligendienste so selbstverständlich werden könnten, wie es der dann abgeschaffte Zivildienst einmal war.

Aufgaben, die Jung und Alt gemeinsam angehen können, gibt es genug: Betreuung und Begleitung leisten, Bildung unterstützen, wertvolles Erfahrungswissen weitergeben und nutzen etc. Doch was beide Seiten zusammenführt, was sie auseinander treibt und wie gemeinsame Lebenszusammenhänge zu stiften sind, ist, wissenschaftlich betrachtet, ein weithin unbekanntes Terrain.[1] Von daher leisten die vielen Initiativen, die den außerfamiliären Generationendialog auf Dauer ins gesellschaftliche Leben integrieren wollen, Pionierarbeit.

Bevor wir solche intergenerativen Projekte und ihre Leistungen vorstellen, wollen wir zunächst in groben Zügen drei gängige Bilder skizzieren, die auf verschiedenen Ebenen Verhältnisse und Beziehungen von Jung und Alt vor Augen führen.[2] Aus den jeweiligen Diagnosen greifen wir Aspekte heraus, die es sinnvoll erscheinen lassen, vermehrt generationsübergreifende Zusammenhänge zu arrangieren.


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Fußnoten

1.
Vgl. Sigrun-Heide Filip, Beziehungen zwischen den Generationen im Erwachsenenalter als Thema der verhaltenswissenschaftlichen Forschung, in: Lothar Krappmann/Annette Lepenies (Hrsg.), Alt und Jung - Spannung und Solidarität zwischen den Generationen, Frankfurt/M. - New York 1997.
2.
Vgl. u.a. François Höpflinger, Generationenfrage. Konzepte und theoretische Ansätze, www.mypage. bluewin.ch/hoepf/fhtop/fhgenerat1C.html; Kurt Lüscher/Ludwig Liegele, Generationenbeziehungen in Familie und Gesellschaft, Konstanz 2003.