APUZ Dossier Bild

5.2.2005 | Von:
Otto Kallscheuer

Der Vatikan als Global Player

Medium und Message

Die aktuelle Rolle des Papstamtes in der Weltöffentlichkeit lässt sich nicht ohne das persönliche Charisma des polnischen Pontifex verstehen. Karol Wojtyla verkörpert von Anbeginn seines Pontifikats an dynamische, leibhaftige Führung. Der die Heilige Stadt zuweilen geradezu flüchtende "Reisepapst" repräsentiert einen neuen eschatologischen Drang, den aktivierten Ausnahmezustand der Kirche in Bewegung. Dabei gelingt es ihm in unnachahmlicher Weise, das Medium Fernsehen in den Dienst seiner Evangelisierungsoffensive zu stellen. Wojtyla agiert in der Tat in hohem Maße als "Medienpapst", da sich in seiner öffentlichen Gestalt zwei verschiedene Logiken der Verkörperung geradezu perfekt überlagern: die des Fernsehens und die der sakramentalen Präsenz.

Die dynamische Erscheinung Papst Johannes Pauls II. kommuniziert, erstmals leibhaftig, mit der Weltkirche. Er erniedrigt sich in triumphaler Demut vor allen Nationen und verkündet die Botschaft vom Sieg der Christenheit über den Kommunismus. Doch nach diesem Sieg muss derselbe Papst auch die Niederlage des christlichen Ethos gegenüber den Glücksmodellen der kapitalistischen Zivilisation erfahren, auch in seinem Heimatland Polen. Kein Politiker hat die Klaviatur der elektronischen Medien besser beherrscht als der "große Kommunikator" Wojtyla - und doch ist seit Pius XII. kein Papst der kulturellen Moderne gegenüber so misstrauisch eingestellt gewesen wie Johannes Paul II.

Gegen den Siegeszug eines neuen "westlich"-heidnischen Evangeliums von physischem Genuss und materiellem Erfolg mobilisiert Johannes Paul II. am Ende auch die Würde seines eigenen Leidens. Noch die stete physische Gefährdung dieses Papstes - vom Attentat auf dem Petersplatz am 13. Mai 1981, dem Tage der Madonna von Fatima, bis zu seiner seit einigen Jahren als öffentliche Herausforderung gelebten Krankheit - transportiert symbolische Wahrheit: Vertrat der dynamische, prophetische, unermüdliche Johannes Paul II. die Wahrheit der christlichen Botschaft gegenüber einem sterbenden Kommunismus, so verkörpert am Ende seines Pontifikats der kranke, leidende Pilger die bis zum Ende der Zeiten nicht eingelöste Friedenshoffnung des Evangeliums unter den Bedingungen der kapitalistischen Globalisierung.