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17.1.2005 | Von:
Robert Kappel

Wirtschaftsreformen und Armutsbekämpfung in Afrika

Die drei in der Literatur als Erfolgsmodelle gekennzeichneten Länder Afrikas - Uganda, Botswana und Mauritius - stehen für sehr unterschiedliche Entwicklungsstadien.

Einleitung

Eine überwiegende Zahl von Ländern des sub-saharischen Afrika wird ihre Armut nicht, wie in den Millennium Development Goals (MDG) intendiert, bis zum Jahr 2015 reduzieren können.[1] Woran liegt es, dass die Ziele weitgehend verfehlt werden? Der Beitrag zeigt, dass selbst erfolgreiche Länder große Schwierigkeiten haben.


Die drei in der Literatur als Erfolgsmodelle gekennzeichneten Länder stehen für sehr unterschiedliche Entwicklungsstadien, Reformerfolge und unterschiedliche Voraussetzungen (Agrarökonomie Uganda, Rohstoffökonomie Botswana und Weltmarktintegration Mauritius). Alle drei hatten in den letzten fünfzehn Jahren ein sehr hohes Wachstum des Bruttosozialprodukts zu verzeichnen, dennoch stehen sie an einer Wegscheide. Uganda steht trotz sehr deutlicher Reformanstrengungen vor dem Problem wieder ansteigender Armut und kaum gestiegener Pro-Kopf-Einkommen (PKE). Das Land wird selbst bei weiterhin hohen Wachstumsraten in absehbarer Zeit nicht zu den Staaten mit mittlerem Einkommen gehören. Botswanas Ungleichheit nimmt weiter zu, und die Diversifizierungsanstrengungen sind gescheitert. Botswanas Wachstumsprozess ist durch die Ausbreitung von HIV/AIDS und zunehmendes Rentseeking (Rentenökonomie) gefährdet. Mauritius sieht sich erhöhter internationaler Konkurrenz, sinkenden Präferenzen und steigender Arbeitslosigkeit ausgesetzt.

Die ausgewählten Länder können nicht unterschiedlicher sein. Sie haben nur drei Dingegemeinsam: 1. Ihre Voraussetzungen für Wachstum waren durch die geografische Isolation (Insel- oder Binnenlage) nicht günstig. 2. Sie werden in der Literatur und seitens der Geber-Institutionen als erfolgreiche Wirtschaftsreformer bezeichnet. 3. Sie haben über einen langen Zeitraum hohes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zu verzeichnen. Mauritius und Botswana gehören zu den erfolgreichsten Aufholländern Afrikas,[2] mit einem PKE von inzwischen über 3 000 US-Dollar. Sie werden immer wieder als Beispiele dafür genannt , dass auch afrikanische Länder aufholen können. Uganda ist ein Niedrigeinkommensland, das seit Beginn der neunziger Jahre zum "Showcase" deklariert wurde. Uganda gilt als der erfolgreichste Reformer Afrikas der letzten 15 Jahre und hat es geschafft, innerhalb von zehn Jahren (1990 - 2000) die Armut stark zu reduzieren.[3] Aber alle drei Länder zeigen Schwächen, wenngleich sehr unterschiedliche.

Viele Studien zeigen, dass für Erfolg und Misserfolg vor allem Institutionen die entscheidende Rolle spielen. In Cross-Country-Analysen wird ein entsprechender Zusammenhang verdeutlicht. Dennoch ist die These, wonach Wachstum und Armutsreduktion vor allem von Institutionen abhängen, nicht vollkommen überzeugend. Zwar sind Institutionen von großer Relevanz, aber die bisher vorherrschende Methode der Cross-Country-Analysen verwischt die besonderen Bedingungen, unter denen die Länder agieren, seien es unterschiedliche geografische Gegebenheiten, seien es Verstädterungsgrade, Ungleichheiten, historische Bedingungen, unterschiedliche ökonomische Ausgangsbedingungen (bspw. Länder in Armutsfallen vs. Mitteleinkommensländer), hohe Informalität (Subsistenzorientierung ohne Akkumulation), verzerrte Handelsstrukturen oder der unterschiedliche Stand in der demografischen Transition. Dieser Tatbestand der Verzerrungen wird als strukturelle Instabilität bezeichnet,[4] d. h., die Fokussierung auf einen Aspekt, die institutionellen Bedingungen, wird in anderen Studien relativiert. Zahlreiche ökonomische und politologische Studien verdeutlichen, dass die o.g. Faktoren als wesentlich für unzureichendes Wachstum, Armutsreduktion, Modernisierung von Gesellschaften oder lang anhaltende Unterentwicklung anzusehen sind.[5]

In dem Beitrag möchte ich versuchen, zwei Fragen aufzuwerfen und zu beantworten: Woher kommt der große Erfolg aller drei Länder? Welches waren die Erfolgsfaktoren? Worin bestehen die Schwächen im gegenwärtigen Wachstumsprozess? Denn trotz erfolgreicher Reformen haben die drei Länder während der letzten Jahre strukturelle Probleme nicht beseitigen können. Diese sind in dem Niedrigeinkommensland Uganda völlig andere als in den Mitteleinkommensländern Botswana und Mauritius.

Die drei Länder gehören sehr unterschiedlichen Gruppen von Entwicklungsländern in Afrika an. Diese Zuordnung ist naturgemäß zu grob, um ein genaues Bild der Situation der untersuchten Länder geben zu können. Die Einteilung ist dennoch sinnvoll: Mauritius gehört zu den wirklichen Erfolgsländern (Emerging Economies), Botswana hat wirtschaftliche Potenziale und hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt, und Uganda werden Chancen zum Aufholen attestiert.


Fußnoten

1.
Vgl. James D. Wolfensohn/François Bourgignon, Development and Poverty Reduction. Looking Back, Looking Ahead, Washington, D.C. 2004.
2.
Vgl. Robert Kappel, Catching-Up mittelfristig kaum möglich: Begründungen für die langanhaltende Wachstumsschwäche in Afrika, in: Renate Schubert (Hsrg.), Entwicklungsperspektiven von Niedrigeinkommensländern, (Schriften des Vereins für Socialpolitik), Berlin 2001, S.87 - 115.
3.
Vgl. Robert Kappel/Jann Lay/Susan Steiner, Uganda: No More Pro-poor Growth, in: Development Policy Review, (2005) 1 (i.E.).
4.
Vgl. Robert Kappel/Andreas Mehler/Henning Mehler, Structural Stability in an African Context, Uppsala: Nordiska Afrikainstitutet, Working Paper DP 24/2003.
5.
Vgl. Jeffrey Sachs, Globalization and Patterns of Economic Development, in: Weltwirtschaftliches Archiv, 136 (2000) 4, S. 579 - 600.