APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 Pfeil rechts

Der Konflikt in Darfur


17.1.2005
Die Interessen der Konfliktparteien in Darfur sind nicht ethnisch motiviert; es geht um Zugang zu Land und Wasser. Die führenden politischen Eliten des Landes scheinen hinter diesem Konflikt zu stehen.

Einleitung



Die Krise in Darfur ereignet sich zu einer Zeit, da der andere Krieg im Süden Sudans kurz vor einer Lösung zu stehen scheint. Die sudanesische Regierung und die Rebellen aus dem Süden, die Befreiungsbewegung/Befreiungsarmee des sudanesischen Volkes (Sudan People's Liberation Movement/Army, SPLM/SPLA), unterzeichneten im Mai 2004 in Naivasha (Kenia) nach zwei Jahre dauernden Verhandlungen einen vorläufigen Friedensvertrag. Die beiden Konfliktparteien einigten sich auf eine Formel, nach der sie Macht und Reichtum zunächst teilen. Nach sechs Jahren wird der Süden das Recht erlangen, in einem Referendum darüber zu entscheiden, ob die Region weiter einem vereinten Sudan angehören will oder sich von ihm trennt.


In dieser Hinsicht besteht ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des Aufruhrs in Darfur und dem Vertrag von Naivasha: Die beiden Rebellengruppen in Darfur sahen in dem Abkommen eine Gelegenheit, ihrerseits den Anspruch auf einen Anteil an der Macht und dem Reichtum zu erheben. Ende der achtziger Jahre brach zwischen den Arabern und den Fur, zwei der in den Konflikt verwickelten Stammesgruppen, ein Kampf aus. Seither schwelt in Darfur ein Konflikt geringer Intensität. Der Anthropologe Sharif Harir beschrieb die Chronologie dieses früheren Konflikts. Er argumentierte, dass Darfur eine ähnliche Entwicklung nehmen werde wie der Süden des Sudan, wenn die von der Regierung finanzierte Gewalt nicht eingedämmt werde. Harir fungierte bis Ende 2004 als Chefunterhändler für eine der Rebellengruppen, die Sudanesische Befreiungsarmee (Sudan Liberation Army, SLA).

Es scheint, als mangele es dem Sudan nicht an Konflikten. Aber erst in den vergangenen Monaten stand und steht das Land im Zentrum des Medieninteresses.[1] Man berichtete, es handele sich um einen Rassenkonflikt, in dem die so genannten Araber sich bewusst auf die so genannten Afrikaner eingeschossen hätten. Dem Sudan wurde vorgeworfen, arabische Milizen zu bewaffnen, die als janjaweed dafür bekannt sind, wahllos schwarze Zivilisten in Darfur zu töten. Darüber hinaus bezichtigte man den Sudan des Völkermordes. In keinem der zahlreichen Berichte über die Ereignisse in Darfur wurde auf die Hintergründe des Konfliktes eingegangen. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte und die zentralen Ursachen des Konflikts.



Fußnoten

1.
Zumindest war der Darfur-Konflikt die Titelstory in TIME vom 4. 10. 2004; weitere Beiträge in: The Economist vom 31. 7. und 6. 8. 2004, sowie ai-Journal, Das Magazin für die Menschenrechte, November 2004.