APUZ Dossier Bild

17.1.2005 | Von:
Peter Jakubowski

Den Stadtumbau flankieren - Was leisten neue Kooperationsformen in der Stadtentwicklung?

In der Stadtentwicklung müssen von der Planungsverwaltung gezielt neue Kooperationsformen eingesetzt werden. Die kooperative Planungskultur ist ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der Selbststeuerungskräfte unserer Städte.

Einleitung*

Unsere Städte verändern sich jeden Tag - Veränderung ist vielleicht das Wesensmerkmal, das die Stadt zur Stadt macht. Dies ist heute so, und es war auch schon gestern und vorgestern so. Städte haben immerwieder zyklische Auf- und Abwertungen erlebt, die sich letztlich auch in Begriffen von Wachstum und Schrumpfung fassen lassen. Gleichwohl erhält die Aufgabe des Stadtumbaus vor dem Hintergrundder drei demographischen Herausforderungen - Alterung, Bevölkerungsrückgang und Heterogenisierung - für die aktuelle Stadtpolitik noch nicht erlebte Herausforderungen.[1]




Jahrzehntelanges Wachstum, fortwährende Suburbanisierung mit ihren auch infrastrukturellen Festlegungen haben zu räumlich und technisch ineffizienten Strukturen geführt. Diese lassen Schrumpfung in (städte)baulichgeordneter Form oft nur langsam und schwerfällig zu, zudem entstehen Kosten, deren Höhe heute vielfach noch nicht abzusehen ist.[2] Dies fällt zusammen mit akuten Finanzproblemen der kommunalen und staatlichen Haushalte, womit eine alleinige Übernahme der Kosten des Stadtumbaus durch dieöffentlichen Haushalte kaum realisierbar scheint. Mit Blick auf die ostdeutschen Städte kommt ein gravierendes Merkmal des Stadtumbaushinzu: Der Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung, verstärkt durch den Geburtenrückgang, hat sich dort in kurzen Zeiträumen so rasant vollzogen, dass die Städte - die verantwortlichen Politiker und anderen Akteure - keine realistische Chance hatten und haben, adäquat darauf zu reagieren.[3] Während sich die Städte in kürzester Zeit entleeren, haben wir mit nur mittel- bis langfristig zu lösenden baulichen, stadttechnischen und anderen infrastrukturellen Problemen zu kämpfen. In diesen zeitlichen Zwängen des Wandels droht die unseren Städten eigene Anpassungsflexibilität verloren zu gehen.

Das macht Zeit- und Kostenaspekte unmittelbar zu Zielgrößen, wenn es darum geht, Planungsverfahren zur Flankierung des Stadtumbaus zu analysieren. Neben guten Ideen zu Zwischennutzungen, Rückbau und qualitativ hochwertigen Umstrukturierungen sind entsprechend ausgestaltete Steuerungs- und Planungsverfahren gefragt, mit denen die Flexibilität der Anpassung der Städte erhöht werden kann.

In diesem Beitrag wird die Leistungsfähigkeit neuer Formen der Kooperation in der Stadtentwicklung einer Analyse unterzogen. Die Ergebnisse entstammen einem Forschungsvorhaben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus des Bundes. Zunächst werden die übertragbaren Resultate zu Fragen der Effizienz neuer Formen der Kooperation zusammengefasst, um dann von den Erfahrungen aus Gelsenkirchen zu berichten, die als westdeutsche Stadt[4] unter den Bedingungen des ökonomischen und demographischen Strukturwandels sehr stark auf eine kooperative Planungskultur setzt.

* Die vorgestellten Erkenntnisse beruhen auf gemeinsamen Arbeiten des BBR mit der FIRU- mbH in Kaiserslautern. Die zum Modellvorhaben Gelsenkirchen vorgestellten Ergebnisse fußen auf Analysen der Stadt Gelsenkirchen und des beauftragten Büros Ursula Stein, Büro für Raumplanung und Kommunikation, Frankfurt a.M.


Fußnoten

1.
Vgl. Hans-Peter Gatzweiler/Katrin Meyer/Antonia Milbert, Schrumpfende Städte in Deutschland? Fakten und Trends, in: Informationen zur Raumentwicklung, (2003) 10/11, S. 557-575.
2.
Vgl. Dieter Freudenberg/Matthias Koziol, Anpassung der technischen Infrastruktur beim Stadtumbau - Arbeitshilfe, in: Fachbeiträge zu Stadtentwicklung und Wohnen des Landes Brandenburg, Heft 2/2003, Frankfurt/O.
3.
Vgl. anschaulich dazu Götz Hamann, Wie schrumpft man eine Stadt?, in: Die Zeit vom 28. 10. 2004, S. 45 f.
4.
Gelsenkirchen ist in das Programm Stadtumbau West des Bundes aufgenommen. Vgl. im Internet www.stadtumbauwest.de. / Pilotstädte Gelsenkirchen.