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5.1.2005 | Von:
Stefan Plaggenborg

Sowjetische Geschichte nach Stalin

Schlussbemerkung

Die hier skizzierten Problembereiche Wandlungsfähigkeit, Staat und Imperium ließen sich ohne weiteres nicht nur ausführen, sondern auch um andere Gebiete ergänzen. Dazu ist hier nicht der Platz. Sie sollten andeuten, dass die Geschichte der Sowjetunion nicht auf Stalinismus und Fremdherrschaft in Ostmitteleuropa reduziert werden kann - was eigentlich selbstverständlich ist. Das bedeutet nicht die nostalgische Rehabilitierung der UdSSR, sondern ist ein Plädoyer für eine Historisierung der Entwicklungen, welche das bolschewistische Experiment in seiner späten Phase ebenso charakterisieren wie Repression und militärischer Gigantismus.

Es handelt sich um Vorschläge zu einem Gespräch über Probleme der Zeitgeschichte Europas, von dem sich bisher nur eines mit Sicherheit sagen lässt: dass es geführt werden muss, ohne von der Debatte über Europa und die Türkei sowie von der Globalisierung und der sich bereits abzeichnenden historiographischen Konjunktur überrollt zu werden. Etwas mehr "Ostintegration" in der Historiographie, mehr noch im öffentlichen Geschichtsbewusstsein, hinterlässt keinen Schaden. Die Sowjetunion in ihrem letzten Stadium zeigt, was passiert, wenn man sich um die Vergangenheit nicht ernsthaft kümmert: zuviel Geschichte auf einmal. Das ist nicht gut gegangen.