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13.11.2006 | Von:
Susanne Rippl
Klaus Boehnke

Europas Jugend: Protagonisten für Integration oder Nationalismus?

Fazit

Kommen wir zur eingangs aufgeworfenen Frage zurück, ob Jugendliche im Kontext der EU-Osterweiterung eher als Motor der Integration Europas oder als Protagonisten eines kompensativen Nationalismus fungieren, so fällt eine eindeutige Antwort schwer. Besonders große Unterschiede in den Einstellungen zum Projekt Europa zwischen Menschen verschiedenen Alters sind in Deutschland nicht auszumachen; es gibt solche Unterschiede eher in den Beitrittsländern. Junge Menschen sind dabei in keiner der betrachteten Regionen ausgeprägt nationalistischer als andere Altersgruppen; typischerweise sind es nach wie vor ältere Bevölkerungsgruppen, die nationalistische Einstellungen favorisieren.

Dennoch gibt es eher Grund zur Sorge denn zur Beruhigung: Nur bei jungen Menschen gibt es einen gegen Europa und dessen Erweiterung gerichteten Abwehrnationalismus. Wer jung und nationalistisch eingestellt ist, lehnt das Projekt Europa in der Regel ab; noch verstärkt ist dies in den Grenzregionen zu Polen und zur Tschechischen Republik der Fall. Will man die Akzeptanz des Projekts Europa erhöhen, so scheint es eine in allen Altersgruppen viel versprechende Strategie zu sein, den je individuellen Nutzen und die eher geringen Kosten des Projekts EU-Erweiterung verstärkt herauszustreichen. Gezielt bei jungen Menschen - auch und vor allem in Grenzregionen - gilt es hingegen zusätzlich aktiv den Gefahren nationalistischer Orientierungen entgegenzuwirken.