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6.9.2006 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

Die Politik muss den Folgen des Prozesses der Peripherisierung ländlicher Räume begegnen. Es gilt nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, dass diese Regionen auch an Attraktivität für Neuansiedler gewinnt.

Die Wölfe sind wieder da. In einigen ländlichen Gebieten vor allem Ostdeutschlands soll es inzwischen 60 Exemplare von canus lupus geben. Wölfe sind menschenscheue Tiere; die Regionen, in denen sie gesichtet wurden, zeichnen sich durch eine stetig abnehmende Bevölkerungsdichte aus. Insbesondere junge Menschen gehen weg, weil sie in den wirtschaftlich abgekoppelten Regionen für sich und ihre Kinder keine Zukunftschancen mehr sehen. Wissenschaftler sprechen von der Peripherisierung ländlicher Räume.

Dünne Besiedlung bei gleichzeitiger Überalterung der Bevölkerung, schwere Erreichbarkeit urbaner Zentren, eine schlechte oder sich verschlechternde Infrastruktur, geringe Industriedichte, die Landwirtschaft als wichtigster Arbeitgeber - das sind die bekannten Folgen des Prozesses der Peripherisierung, denen die Politik begegnen muss. Die in schrumpfenden Regionen verbleibenden Menschen können nicht einfach "abgehängt" werden. Es gilt nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, dass peripherisierte Regionen nicht nur für Urlauber und Naturfreunde liebenswert sind, sondern auch für Ansässige lebenswert bleiben oder wieder werden, mehr noch, dass sie an Attraktivität für Neuansiedler gewinnen.

Dünn besiedelte Räume gibt es nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern oder in Brandenburg, es gibt sie überall auf der Welt: Die spanische Provinz Teruel etwa zählt zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Europas. Dass die dort gelegenen Gemeinden heute wieder wachsen, ist auf eine eher unpopuläre Entscheidung des Bürgermeisters des Dorfes Aguaviva zurückzuführen: die gezielte Ansiedelung von Immigranten mit kleinen Kindern. 200 Dörfer sind diesem Beispiel gefolgt.