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16.8.2006 | Von:
Andreas Joh. Wiesand

Kultur- oder "Kreativwirtschaft": Was ist das eigentlich?

"Kulturwirtschaft" oder "Creative Industries"?

Hätten wir es nur mit Richard Florida zu tun, könnten wir zur Tagesordnung übergehen. Doch so einfach ist es nicht: Inzwischen gibt es nämlich eine wahre Flut unterschiedlicher Konzepte und Begrifflichkeiten. Sie wurde vor etwa einem Jahrzehnt vor allem durch einen Schlüsselbegriff ausgelöst, der im Rahmen der Wahlkampfstrategie der britischen Labour Partei eine wichtige Rolle spielte und nach ihrer Regierungsübernahme in eine Studie mündete, das "Creative Industries Mapping Document".[8] Dieses Dokument inspirierte die Phantasie vieler weiterer Administratoren und Wissenschaftler und stellte bis dahin gebräuchliche Termini wie den der "Kulturwirtschaft" oder der "Kulturgüter" in Frage. Einige Stichworte zu Berichten, Konferenzen und kulturökonomischen Strategien aus den letzten Jahren seien angeführt:

  • "Kulturwirtschaft"/"Culture Industries" (z.B. fünf Berichte in NRW/Deutschland 1991 - 2006; Schweiz 2003; Frankreich 2006; EU 2006);
  • "Cultural Products and Services Industry" (z.B. Studie von Euclid für die EU 2003);
  • "Cultural Industries Cluster" (Barcelona/Spanien 2004);
  • "Kulturgüter"/"Cultural Goods" (traditionell UNESCO);
  • "Creative Industries" (z.B. Großbritannien 1998 - 2005; Österreich 2000 und 2006);
  • "Creative Capital" (Konferenz Amsterdam 2005; Dänemark 2006);
  • "Creative Class" (R. Florida 2002; Niederlande 2005);
  • "Copyright Industries" (z.B. USA 2000, Singapur 2004);
  • "Knowledge Economy" (z.B. Kanada 1997/2005; Finnland 2006);
  • "Experience Industry" (Schweden 2003);
  • "Kreativsektor"/"Creative Sector" (z.B. Konferenz UNESCO in Austin/Texas 2003; Europäische Kulturstiftung 2005).

    Nachdem sich hinter solchen Begriffen zum Teil sehr unterschiedliche Konzepte verbergen, überrascht es vielleicht, dass sich dennoch so etwas wie ein Konsens über die Kultur- oder Kreativwirtschaft daraus abzeichnet, über den noch zu reden ist.

  • Fußnoten

    8.
    Vgl. Department for Culture, Media and Sport, Creative Industries Mapping Document, London 1998.