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16.8.2006 | Von:
Olaf Zimmermann

Kulturberufe und Kulturwirtschaft - Gegensatz oder Symbiose?

Kulturberufe - ein schillerndes Berufsfeld

Von den Kulturberufen kann kaum gesprochen werden. Das Berufsfeld ist groß, vielfältig und sehr differenziert. Die Kerngruppe der Kulturberufe sind die Künstler selbst - also die Urheber: die Schöpfer künstlerischer Leistungen, und die ausübenden Künstler: die Interpreten von künstlerischen Leistungen. Sie sind der kreative Kern der Kulturberufe. Im Folgenden soll vor allem das Verhältnis dieser kreativen Kerngruppe zur Kulturwirtschaft beschrieben und sich mit ihnen selbst als Kern der Kulturwirtschaft befasst werden.

Die Ausbildung zu Künstlern setzt in einigen künstlerischen Sparten sehr früh - nämlich im Kindesalter - ein. Beispiele hierfür sind Tänzer und Musiker der so genannten Ernsten Musik. Im Bereich der Musik existiert seit Jahrzehnten mit "Jugend musiziert" ein Instrument zur Förderung der breitenmusikalischen Bildung und der gezielten Nachwuchsarbeit. Zahlreiche Wettbewerbe und gezielte Maßnahmen zur Förderung von jungen Nachwuchskünstlern vom frühen Studium an Musikhochschulen, dem regulären Musikhochschulstudium bis hin zur Vermittlung von Nachwuchskünstlern runden das Bild ab. Die Ausbildung von Tänzerinnen und Tänzern beginnt zumeist an privaten Ballettschulen. Besonders begabte Schülerinnen und Schüler schließen dann als Jugendliche ein Studium an. Ihre aktive Berufslaufbahn beginnt in dem Alter, in dem andere Jugendliche mit Hochschulreife gerade ihr Studium aufnehmen.

Das Fundament für eine künstlerische Arbeit wird also in den genannten Sparten typischerweise zumeist sehr früh gelegt. Der Aufbau einer möglichen Karriere beginnt in einer Zeit, in der andere Kinder und Jugendliche noch nicht an ihren Beruf denken. Andere ausübende Künstler wie Schauspieler beginnen die Ausbildung zumeist wesentlich später. Zwar besteht auch hier nicht selten frühzeitig ein Interesse am Schauspiel, aber es gibt längst kein so ausgefeiltes System zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses.

Urheber - Schriftsteller, Bildende Künstler, Komponisten - treten ihre künstlerische Laufbahn in der Regel erst als Erwachsene an. Bildende Künstler und Komponisten absolvieren meist ein Studium an einer der Kunst- bzw. Musikhochschulen. Schriftsteller können zwar eine akademische Ausbildung am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig absolvieren, anders als beispielsweise im angloamerikanischen Raum ist es in Deutschland aber nicht üblich, das Schreiben zu studieren. Die meisten Autorinnen und Autoren sind Autodidakten, haben eine journalistische Ausbildung absolviert oder gegebenenfalls Germanistik studiert.

In allen künstlerischen Sparten sind die Erwartungen an das spätere Berufsleben entsprechend hoch. Der Beruf wird oft nicht als eine normale Beschäftigung, sondern als eine Berufung, mit obsessiven Zügen, gelebt.