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16.8.2006 | Von:
Olaf Zimmermann

Kulturberufe und Kulturwirtschaft - Gegensatz oder Symbiose?

Hybride Strukturen

In den letzten Jahren haben sich darüber hinaus zum Teil hybride Strukturen herausgebildet. Diese sind beispielsweise dann gegeben, wenn Urheber zugleich Verwerter werden: wenn also etwa ein Komponist zugleich Verleger ist und in seinem Verlag Werke von Berufskollegen verwertet, oder wenn ein Schauspieler zum Agenten wird und Berufskollegen an Konzertveranstalter vermittelt usw. Bildende Künstler gründen immer öfter so genannte Produzentengalerien und stellen eigene Werke und Werke ihrer Berufskollegen in Verkaufsausstellungen aus.

Zu den hybriden Strukturen gehören auch Freie Theater- oder Tanzensembles, die zum Beispiel in Form einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) arbeiten. Künstler schließen sich für ein bestimmtes Vorhaben zusammen und gründen unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten oftmals ein Unternehmen. Diese freien Ensembles werden teilweise durch Projektförderungen der öffentlichen Hand unterstützt, so dass eine weitere Handlungslogik, die des öffentlichen Haushaltsrechts, zu berücksichtigen ist.

Wenn Kulturschaffende solche hybriden Strukturen bilden, kann erst recht nicht mehr von einem strengen Gegensatz zwischen dem Künstler und dem Verwerter gesprochen werden, müsste dieser sich doch innerhalb einer Person ausdrücken. Sowohl bei den hybriden Strukturen als auch den inhabergeführten Unternehmen der Kulturwirtschaft tragen die Unternehmer das wirtschaftliche Risiko. Wenn die von ihnen ausgestellten Arbeiten bildender Künstler keine Käufer finden, wenn die gedruckten Bücher nicht gekauft werden, wenn für die von ihnen vertretenen Künstler keine Engagements abgeschlossen werden können, fehlt ihnen ebenso wie den von ihnen vertretenen Künstlern die Einkommensbasis. Sie haben daher ein ureigenes Interesse, Märkte zu erschließen, um entsprechendes Einkommen zu erzielen.

Die Gründung inhabergeführter Unternehmen der Kulturwirtschaft setzt in der Regel keine formale Ausbildung voraus. Für den unternehmerischen Erfolg sind allerdings Branchenkenntnisse eine wesentliche Voraussetzung. Von Verbandsseite werden daher entsprechende Existenzgründungsseminare und auch Weiterbildungsmaßnahmen angeboten.

In sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht sind die Inhaber von Unternehmen der Kulturwirtschaft zu einer entsprechenden Eigenvorsorge hinsichtlich der Rentenversicherung und Pflegeversicherung verpflichtet. Sie müssen eine private Krankenversicherung abschließen, wie es auch bei anderen Einzelunternehmern der Fall ist.