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22.6.2006 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

In der Bundesrepublik Deutschland lebt jedes zehnte Kind in Armut - das sind 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Armut ist relativ. Ihre Erscheinungsformen sind auf den ersten Blick nicht sichtbar. Aber sie können negative Auswirkungen auf die Lebenschancen der Kinder haben.

In der Bundesrepublik Deutschland leben circa zehn Prozent aller Kinder in relativer Armut - das sind 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten - so das Ergebnis der UNICEF-Vergleichsstudie "Child Poverty in Rich Countries 2005". In den USA beläuft sich die Rate der relativen Kinderarmut auf mehr als 20 Prozent; in den skandinavischen Ländern beträgt der Anteil armer Kinder nur 2,5 bis 4 Prozent und ist damit am niedrigsten. Die Studie zeigt außerdem, dass sich die Lebenssituation von Kindern in 17 von 24 OECD-Staaten, darunter auch Deutschland, verschlechtert hat.

Dass es in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland Kinderarmut gibt, ist skandalös; dass deren Rate seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten entwickelten Industriestaaten, sollte in der Politik Alarm auslösen. Kinder sind in Deutschland zudem häufiger von Armut betroffen als Erwachsene. Es ist widersinnig, dass junge Menschen in einem Land, dessen Geburtenrate seit Jahrzehnten sinkt, einem immer höheren Armutsrisiko unterliegen.

Arme Kinder leiden in Deutschland zwar in der Regel weder Hunger noch Durst, sie haben ein eigenes Bett und sie gehen zur Schule. Armut und Kinderarmut sind relativ. Ihre Erscheinungsformen - eine eingeschränkte materielle Grundversorgung, verminderte Bildungschancen, schlechtere Gesundheit und geringere soziale Teilhabe - sind nicht auf den ersten Blick sichtbar. Aber Armut kann sich negativ auf die Lebenschancen der Kinder auswirken - mit der Folge eines stärkeren Auseinanderdriftens der Gesellschaft.