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Virtueller Wasserhandel zur Überwindung der Wasserkrise?


14.6.2006
Der virtuelle Wasserhandel erfährt als internationales Konzept zur Wassereinsparung zunehmende Beachtung. Vor- und Nachteile dieser Strategie werden diskutiert.

Einleitung



Die herannahende globale Wasserkrise ist in aller Munde. Weltweit werden daher Ansätze diskutiert, wie diese Krise abgewendet werden kann. Wasserressourcen müssen nachhaltig geschützt werden, damit der heutigen Weltbevölkerung und zukünftigen Generationen Wasser in angemessener Menge und Qualität zur Verfügung steht. Bei näherer Betrachtung haben dabei Verteilungsfragen die oberste Priorität. Weltweit leben etwa 1,4 Milliarden Menschen ohne einen gesicherten Zugang zu Trinkwasser, rund 2,6 Milliarden fehlen adäquate Einrichtungen zur Wasserentsorgung und -aufbereitung. Und das, obwohl global genügend Wasserressourcen existieren, um auch bei einer wachsenden Weltbevölkerung alle Nutzer - d.h. Menschen wie Ökosysteme - zu versorgen.

Zunehmende Verschmutzung und unzureichende Infrastruktur, aber auch fehlender politischer Wille, diese Missstände zu beheben, sind zumeist die ausschlaggebenden Faktoren, die eine Versorgung der Menschen mit Wasser verhindern. Gerade in wasserarmen Ländern spielt dabei eine erhebliche Rolle, dass der überwältigende Anteil des verfügbaren Wassers in der Bewässerungslandwirtschaft eingesetzt wird (im Weltdurchschnitt rund 70 Prozent, in wasserarmen Ländern häufig rund 90 Prozent).

Vor allem im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika (MENA-Region) wird heute zum Teil schon mehr Wasser verbraucht, als sich regenerieren kann. Eine Lösung des Problems der Wasserknappheit ist hier daher besonders dringlich. Denn entgegen der populären Meinung, Kriege zwischen den Staaten würden in Zukunft um Wasser ausgetragen, liegt das Konfliktpotenzial vielmehr auf der lokalen Ebene, auf der sich die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Nutzern - Haushalten, Bauern, Viehzüchtern - verschärft.[1] Einen Ansatz zur längerfristigen Bewältigung der Wasserkrise und zur Verminderung dieser Konflikte stellt das Konzept des "virtuellen Wasserhandels" dar.


Fußnoten

1.
Der Artikel basiert zu großen Teilen auf den Ergebnissen der Studie von Lena Horlemann/Susanne Neubert, die am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) im Rahmen des Forschungsprojekts "Virtueller Wasserhandel - Ein realistisches Konzept zum Umgang mit Wasserarmut in Entwicklungsländern?" entstand und als Manuskript vorliegt. Im Rahmen des Projekts wurden zudem Papiere von folgenden Autorinnen und Autoren erstellt, die jeweils eine Sicht der tangierten Disziplinen darstellen: Michael Brüntrup, Hazim El-Naser, Holger Hoff/Mutasem El-Fadel/Munther Haddadin, Diana Hummel, Thomas Kluge/Stefan Liehr, Daniel Malzbender, Richard Meissner, Lena Partzsch/Philipp Schepelmann, Roland Treitler, Eva Youkhana/Wolfram Laube. Vgl. Aaron Wolff, Conflict and Cooperation Along International Pathways, in: Water Policy, 1 (1998) 2, S. 251 - 265.