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14.6.2006 | Von:
Lena Horlemann
Susanne Neubert

Virtueller Wasserhandel zur Überwindung der Wasserkrise?

Schlussfolgerungen

Um Wasserressourcen einzusparen, sollten vorrangig alle bestehenden und effizienten Ansätze für ein verbessertes Management der Wasserressourcen ausgeschöpft werden. IWRM ist das maßgebliche Konzept, das hier herangezogen werden muss. Virtueller Wasserhandel kann nur dann eine sinnvolle Lösung für das Problem von Wasserarmut eines Landes sein, wenn erstens andere, bereits anerkannte Ansätze das Problem nicht beheben und zweitens ausgeschlossen werden kann, dass er mit erheblichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen (auch für die Exportländer) verbunden ist.

Dies gilt insbesondere für arme Entwicklungsländer, deren Wirtschaft hauptsächlich auf der Agrarwirtschaft beruht. Anders sieht das für Länder mit höherem Einkommen aus. Auch hier muss zwar IWRM als maßgebliches Konzept berücksichtigt werden. Dennoch besteht in diesen Ländern ein größeres Potenzial, ergänzend den virtuellen Wasserhandel einzusetzen, da für den Import von Nahrungsmitteln entsprechende Devisen generiert werden können und hier weniger negative sozioökonomische Folgen erwartet werden als in den armen Entwicklungsländern. Insgesamt muss daher eruiert werden, was die maßgeblichen Ursachen der Wasserarmut sind. Ist ein Land physisch wasserarm, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, als wenn die Wasserarmut ökonomische Ursachen hat oder auf Missmanagement und schlechter Regierungsführung beruht.

Um zu erreichen, dass Wasser einen ebenbürtigen Stellenwert neben den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital erlangt, sollte die Diskussion um virtuellen Wasserhandel verstärkt im Zusammenhang mit Preisen für Wasser, seine Bereitstellung und Aufbereitung bzw. Entsorgung geführt werden, auch wenn dies vielfach einen politischen Kraftakt bedeutet. Virtueller Wasserhandel als Strategie bleibt zudem immer eine politische und gesellschaftliche Entscheidung. Selbst wenn alle Aspekte und Indikatoren für eine Umsetzung sprechen, müssen in erster Linie die politischen Entscheidungsträger und die Gesellschaft überzeugt sein, das Konzept in konkrete Maßnahmen überführen zu wollen.