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Fußball in der DDR


4.5.2006
Der Fußball spielte im Leistungssportsystem der DDR eine Sonderrolle. Wegen seiner Massenwirksamkeit wurde er bald zum Objekt politischer Interventionen.

Einleitung



Bei den letzten drei Olympischen Sommerspielen, an denen die DDR teilnahm, belegte die DDR-Mannschaft jeweils den zweiten Platz im Medaillenspiegel. Zweimal überflügelte sie damit sogar die USA. Aber das heißt nicht, dass das politische Verhältnis zwischen Regierenden und Sportlern von Anfang an zum Besten bestellt war. Das spätere "Sportwunderland" DDR hatte nach 1945 und noch in der Phase der Staatsgründung 1949 kein rechtes Verhältnis zum Sport gefunden. Zumindest galt das für die SED, die sportpolitisch eher einen Fehlstart hinlegte.[1] Im Westen gründeten sich bereits 1946 die ersten Landessportbünde, Vereine fanden sich wieder und wurden - wenn auch mit politischen Auflagen und hohen bürokratischen Hürden - zugelassen. Erste Ligaspiele und heimliche Meisterschaften fanden statt - wenn auch in den einzelnen westlichen Besatzungszonen mit unterschiedlichen Auflagen und Geschwindigkeiten. Dagegen hielt die SBZ lange am Not- und Übergangskonzept des "kommunalen Sports" fest. Dieser ermöglichte zwar eine politische Kontrolle, die nach der engen Liaison des bürgerlichen Sports mit der NSDAP politisch dringend geboten schien, hemmte mit seinen Auflagen (Wohnortprinzip und Wettkampfbeschränkung auf die Stadt- bzw. Kreisebene) die sportliche Entwicklung aber erheblich. Die wenigen überregionalen Städtespiele zwischen 1946 und 1948 und der Versuch, im Frühjahr und Frühsommer 1948 über die FDJ einen überregionalen Wettkampfbetrieb aufzubauen, änderten daran wenig. Als entscheidendes Hemmnis für eine erfolgreiche frühe Sportentwicklung sollte sich die politische Entscheidung der SED gegen ein freies Vereinswesen erweisen. Mit der Umwandlung der SED in eine Partei "neuen Typs", mit Parteisäuberungen und der Unterdrückung kritischer Stimmen, mit der Einführung der Planwirtschaft, der offenen Umwandlung der bislang formal freien Verbände und Gewerkschaften in kommunistische Massenorganisationen und der Bildung eines Parteienblocks hatte in der zweiten Hälfte des Jahres 1948 eine Transformation des politischen Systems in der SBZ in Richtung "Volksdemokratie" stattgefunden, in der eine freie Sportbewegung undenkbar war. Die politische Kontrolle hatte oberste Priorität und mündete am 1.Juni 1948 in einem Parteibeschluss zur Gründung des Deutschen Sportausschusses (DSA) in Trägerschaft von FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) und FDJ. Entscheidend war dabei die Monopolstellung der neuen Sportorganisation. Die neuen Sportgemeinschaften mussten sich polizeilich registrieren lassen, und es erging eine Polizeiverordnung, dass "außerhalb der registrierten Sportgemeinschaften (...) ein gruppen- oder vereinsmäßiger Sportbetrieb nicht zulässig (ist)". Außerdem seien Sportgemeinschaften, "deren Registrierung abgelehnt oder denen durch Verfügung des Ministeriums des Innern die Registrierkarte entzogen wird, (...) unverzüglich aufzulösen".[2]




Aber auch nachdem mit großem propagandistischen Aufwand am 1. Oktober 1948 der Deutsche Sportausschuss gegründet worden war, ließ die Begeisterung für die neue Basisorganisation des Sports zu wünschen übrig. An die Stelle der Vereine, die oft über eine hundertjährige Tradition verfügten, sollten Sportgemeinschaften mit "fortschrittlichen Namen" (wie z.B. Werner Seelenbinder, Einheit, Solidarität) oder Betriebssportgemeinschaften (BSG) treten. Viele Arbeiter dürften sich im Übrigen auch noch daran erinnert haben, dass die "Betriebssportgemeinschaften" als Organisationsform der "Nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude" bereits im Jahr 1937 eingeführt worden waren, und bei den Vereinssportlern war die Erinnerung an die Wegnahme der Sportjugend durch HJ und BDM im Jahr 1936 sicherlich noch nicht verblasst.

Sportler, die nach dem Wegfall des Kommunalsports wieder an alte Vereinstraditionen anknüpfen wollten, sahen sich auf einmal als "Feinde der neuen demokratischen Ordnung" diffamiert. Aber selbst in der SED traf man noch Anhänger des "unpolitischen Sports", wie aus einem Protokoll des Politbüros der SED hervorgeht: "Das Niveau der politischen Aufklärungsarbeit unter den Sportlern ist äußerst niedrig, ja, es gibt nicht wenige Beispiele, in denen verantwortliche Funktionäre der Partei nicht nur vor der reaktionären Argumentation vom unpolitischen Sport oder Sport ohne Politik zurückweichen, sondern sich selbst als Verfechter dieser reaktionären Thesen aufwerfen."[3] Am Beispiel des ersten Fußballmeisters der Ostzone, der Sportgemeinschaft Planitz, die im Sommer 1948 die kurzfristig vom Zentralrat der FDJ organisierte "Ostzonen-Meisterschaft" gewonnen hatte, kann gezeigt werden, dass die Beobachtungen und Einschätzungen des Politbüros in diesem Punkt zutrafen. Gleichzeitig beginnt damit die lange Reihe der politischen Eingriffe der SED in das massenwirksame Fußballgeschehen.

Die SG Planitz



Die Fußballmannschaft der kleinen, südwestlich von Zwickau gelegenen Industriestadt hatte sich 1948 in einem Ausscheidungsspiel in Leipzig vor 30 000 Zuschauern überraschend gegen die SG Chemnitz-West als einer der zwei sächsischen Vertreter für die Ostzonenmeisterschaft des Jahres 1948 qualifiziert, die innerhalb von nur drei Wochen ausgespielt wurde. "Planitz überrumpelt alle" und besiegte im Endspiel, das vor 40 000 Zuschauern im alten VfB-Stadion in Leipzig ausgetragen wurde, die SG Freiimfelde Halle mit 1 : 0.[4] Ein Veto der sowjetischen Besatzungsmacht verhinderte die Teilnahme am Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft, in dem die Westsachsen im Stuttgarter Neckarstadion auf den 1. FC Nürnberg treffen sollten. Bestärkt durch den sportlichen Erfolg, widersetzten sich die Planitzer Fußballverantwortlichen allen Versuchen des Landessportausschusses Sachsen, "die Sportgemeinschaft in Verbindung mit den Horch-Werken zu einer Betriebssportgemeinschaft umzuwandeln"[5]. Der mit der Durchsetzung des BSG-Sports beauftragte Deutsche Sportausschuss informierte die SED-Landesleitung Sachsen über die sportpolitische "Rückständigkeit" in Planitz: "Es ist uns bekannt, dass die gesamte Sportarbeit in dieser Sportgemeinschaft sich von alten Grundsätzen des bürgerlichen Sports leiten lässt und dass der neuen Aufgabenstellung von Seiten der dort verantwortlichen Funktionäre nur äußerliche Beachtung geschenkt wird. Alle Bemühungen, selbst mit Hilfe der örtlichen Parteiorgane (...) sind gescheitert. Obwohl jeder Genosse erkennen muss, dass eine Strukturveränderung im Sport notwendig ist, haben sich in Planitz die verantwortlichen Funktionäre, die Mitglieder unserer Partei sind, und besonders der Bürgermeister, gegen diese neue Entwicklung gestemmt."[6]

Das hier erkennbare Konfliktmuster "Fußball-Lokalpatriotismus" versus "Parteiräson" sollte zum Dauerbrenner im DDR-Fußball werden. Doch selten wurde der Konflikt so offen ausgetragen wie beim Ostzonenmeister in Planitz. Anlass des oben zitierten Schreibens waren die dramatischen Vorfälle beim Spiel der SG Planitz gegen die Zentral-Betriebssportgemeinschaft Industrie Leipzig am 1. Mai 1949 im Rahmen der sächsischen Fußballmeisterschaft. Als der Schiedsrichter kurz vor der Halbzeit ein Tor für Planitz nicht anerkannte, kam es zu wütenden Zuschauerprotesten. Daraufhin ging der Stadtverordnetenvorsteher zum Mikrofon und sprach zum Publikum. Allerdings nicht, um es zu beruhigen, wie es die anwesenden Spitzenvertreter des Deutschen Sportausschusses und der Sektion Fußball erwartet hatten. Im Gegenteil: Er beschimpfte den Schiedsrichter und behauptete, dieser sei zugunsten der Betriebssportgemeinschaft gekauft worden.[7]

Es ist unmöglich, nach Aktenlage nachträglich eine Schiedsrichterleistung zu beurteilen, um zu überprüfen, ob der Planitzer Bürgermeister mit seinen Anschuldigungen Recht hatte. Der eingesetzte Dresdener Schiedsrichter Schulz, dem in der Presseberichterstattung "krasse Fehlentscheidungen" vorgeworfen wurden,[8] galt als einer der besten ostdeutschen Unparteiischen der Nachkriegszeit. Und der Gegner der Planitzer Mannschaft, die ZSG Industrie Leipzig, die von mehreren Leipziger Betrieben unterstützt wurde, war Nachfolger der spielstarken SG Leipzig-Leutzsch und Vorläufer der BSG Chemie Leipzig, die in der Saison 1950/51 DDR-Meister wurde. Es handelte sich bei den Fußballspielern aus dem Leipziger Westen also um eine spielstarke Mannschaft, der im kleinen Planitz durchaus ein Auswärtserfolg zuzutrauen war. In unserem Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob hier eine "von oben" angeordnete Manipulation zugunsten der neuen, "sozialistischen" BSG vorlag oder ob das Heimpublikum schlicht parteiisch war. Entscheidend war die politische Wahrnehmung bei den Verantwortlichen und Zuschauern, die das Spiel vor allem als eine Auseinandersetzung zwischen Vereinsprinzip und neuer, unbeliebter BSG-Organisationsform verstanden. Der Heftigkeit des Protestes entsprach dann die Schärfe der Reaktion. Die erste Mannschaft wurde aufgelöst, die SG in eine BSG umgewandelt und die starken Spieler wurden in die ZSG Horch Zwickau eingegliedert.

Rollentausch beim "Endspiel" 1950



Als beliebteste Nachkriegsmannschaft der Ostzone galt die SG Dresden-Friedrichstadt. Die Männer um Helmut Schön spielten nicht nur einen gepflegten Fußball, sie stammten auch zum großen Teil aus der letzten deutschen Meistermannschaft von 1944, dem Dresdener SC, und verkörperten damit Vereinstradition pur. In der zweiten Ostzonenmeisterschaft 1949 wurde die Mannschaft klar benachteiligt, da sie im Viertelfinale gegen die ZSG Union Halle nicht wie üblich auf neutralem Platz, sondern in Halle anzutreten hatte. Die Hallenser Betriebssportgemeinschaft, die sich statutenwidrig noch kurzfristig verstärkte, gewann 1 : 0. Der Dresdener Protest wurde vom Deutschen Sportausschuss nicht behandelt. Die ZSG Union Halle, aus dem Vizemeister von 1948, der SG Freiimfelde Halle, hervorgegangen, erhielt auch im Halbfinale Heimrecht, siegte und gewann danach vor 50 000 Zuschauern in Dresden mit einem 4 : 1 gegen Fortuna Erfurt die Meisterschaft 1949.[9] Damit wurde nur kurz nach Einführung und Propagierung des Betriebssportprinzips ausgerechnet eine Mannschaft "neuen Typs" Meister.

In der Spielzeit 1949/50 wurde die erste DDR-Meisterschaft noch ohne die Berliner Mannschaften im üblichen Liga-System ausgespielt. Trotzdem kam es am letzten Spieltag zu einem echten Endspiel zwischen den punktgleichen Mannschaften von ZSG Horch Zwickau und der immer noch im SG-Status verharrenden Mannschaft von Dresden-Friedrichstadt in Dresden. So handelte es sich erneut nicht nur um ein Lokalderby, sondern wieder - wie schon am 1. Mai 1949 in Planitz - um eine Auseinandersetzung zwischen alter und neuer Organisationsform des Basissports. Bei den zahlreichen Legenden um dieses Spiel - Dresden ging am 16. April 1950 mit 1 : 5 verletzungsgeschwächt und nach einer schwachen Schiedsrichterleistung förmlich unter - wird übersehen, dass nur wenige Tage zuvor der FDGB den Aufbau zentraler Sportvereinigungen auf Gewerkschaftsbasis beschlossen hatte. Die Betriebssportgemeinschaften sollten nun im Rahmen der einzelnen Gewerkschaften organisiert und zusammengefasst werden.[10] In Dresden prallten also in ganz aktueller Konstellation erneut Tradition und Zukunft aufeinander, wobei nachzuprüfen ist, ob die Sportführung der Sektion Fußball im DSA schon vor dem Spiel beschlossen hatte, die SG Dresden aufzulösen und die Spieler auf andere neugebildete Betriebssportgemeinschaften zu verteilen.[11] Die wütenden Zuschauerproteste in Dresden (in Anwesenheit Walter Ulbrichts und der Sportführung) führten u.a. zu einer Heimsperre von sechs Monaten. Die Dresdener Heimmannschaft wurde später offiziell gerügt. Auch Ulbricht soll auf der Siegesfeier, unter anderem mit Anspielung auf die roten Trikots der Zwickauer, seiner Sympathie für die BSG-Spieler Ausdruck verliehen haben. Dass die Mehrheit der Zwickauer Spieler aus der SG Planitz stammte, spielte keine Rolle mehr. Jetzt trugen die ehemaligen Planitzer Spieler ja die "richtigen" Trikots und waren zum Zeichen ihrer "politischen Reife" geschlossen in die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft eingetreten.[12] Die Dresdener Mannschaft nahm das Schicksal selbst in die Hand, wartete nicht auf weitere Sanktionen und wechselte fast geschlossen nach Westberlin.

Fußballbegeisterung und politische Interventionen



Nachdem die Fesseln des Kommunalsports, die auch vorher oftmals heimlich gelöst worden waren, im Frühjahr 1948 ganz fielen, zeigte sich auch in der sowjetischen Besatzungszone, dass der Wunsch zum sportlichen Vergleich unter den Aktiven und das Bedürfnis nach guter sportlicher Unterhaltung und Zerstreuung bei den Zuschauern trotz aller widrigen Lebensumstände ungebrochen bzw. sogar gestiegen war. 40.000 bzw. 50.000 Zuschauer sahen die Endspiele der ersten beiden Ostzonenmeisterschaften. Im Schnitt über 10.000 Zuschauer verfolgten die Spiele um die erste DDR-Meisterschaft 1949/50. Diese Attraktivität des Fußballs und die Begeisterung der Massen für ihre Mannschaften hatte die Führung des Deutschen Sportausschusses in Planitz am 1. Mai 1949 und in Dresden am 16. April 1950 unmittelbar erlebt. Sie hatte dabei aber auch erfahren, wie fußballerische Wut und Enttäuschung sich in Proteste gegen vermeintlich politische Benachteiligungen verwandeln konnten. Die Beziehung der Partei- und der Sportführung zum Fußball sollte seit diesem Zeitpunkt nicht mehr abreißen. Meist gestaltete sich dies zum Nachteil des Fußballs, vor allem in der Anfangsphase, in welcher die DDR-Auswahl erst 1955 - ein Jahr nach dem westdeutschen Weltmeistertitel 1954 - den ersten Sieg in einem Länderspiel verbuchen konnte. Später deuten die zahlreichen Fußballbeschlüsse der SED-Führung eher auf eine partielle Unregierbarkeit des Fußballs hin, dem es dank seiner Massenpopularität immer wieder gelang, lokale Bündnisse und Umgehungsstrategien gegen zentrale Vorgaben zu schmieden.

In der stalinistischen Phase der DDR überwogen allerdings sportfremde Eingriffe: So wurde in der Saison 1950/51 der FDGB-Pokal durch eine Pokalrunde innerhalb der neugebildeten gewerkschaftlichen Sportvereinigungen (SV) ersetzt. Man ermittelte nun zwar die jeweils beste Mannschaft der SV Stahl, der SV Motor, SV Chemie usw. - eine Leistungssteigerung konnte durch diese inflationäre Vermehrung der Pokalspiele jedoch nicht erreicht werden. Schon ein Jahr später kehrte man zur alten Lösung zurück. Zahlreiche andere Eingriffe (wie der Wechsel der Spielzeit 1956) und der permanente Wechsel des Ligaunterbaus gehörten in der Folge zu den Konstanten des DDR-Fußballs. "Die wohl aberwitzigste Inszenierung lieferten die Funktionäre jedoch 1951 ab. In der Vorsaison waren drei Ostberliner Mannschaften in die Oberliga eingegliedert worden. Sie mussten stark gehandicapt antreten, da ihnen die besten Fußballer nach Einführung der Westberliner Vertragsliga davongelaufen waren. Es gab dort zwar nicht viel zu verdienen, aber immerhin etwas. Zum Ende des Spieljahres zählten alle drei Teams aus Ostberlin zu den Absteigern. Der VfB Pankow ließ sich geradezu in rekordverdächtiger Manier abschießen: 0 : 9, dreimal 1 : 8, zweimal 0 : 7, 0 : 6, 0 : 5 usw. lauteten die Ergebnisse. Am Ende stand er mit 29 Niederlagen und 131 Gegentoren auf dem letzten Platz. Die Mannschaft stieg jedoch nicht ab. Warum? Die DDR-Sportführung verfügte, dass das Berliner Regierungsviertel einen politischen Anspruch auf einen Oberligaplatz habe. Es gab noch einen Zuschlag: Berlin als politisches, wirtschaftliches Zentrum braucht neben Pankow noch eine zweite Oberligaelf; also durfte auch Union Oberschöneweide, nunmehr als Motor, bleiben."[13]

Wie wenig sinnvoll dieser Eingriff am grünen Tisch war, zeigte sich, als Einheit Pankow in der nächsten Saison (1951/52) wiederum weit abgeschlagen mit 94 Gegentoren den letzten Platz belegte. Wieder hatte die Mannschaft aus dem Ostberliner Regierungsviertel mit 32 eingesetzten Spielern den größten Kader zur Verfügung, gleichzeitig aber auch die wenigsten Zuschauer der Liga gehabt. Unter den spezifischen Bedingungen der offenen Grenze ließ sich im Osten Berlins kein spielstarker ziviler Club installieren. So blieb nichts anderes übrig, als auf eine "uniformierte" Mannschaft zurückzugreifen, die für das Fußballspielen voll, d.h. wie Profis bezahlt wurde. So wurde der ASK Vorwärts Berlin ab der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre zur spielstärksten Mannschaft Berlins und in der Folge sechsmal DDR-Meister. "Geboren" wurde die Mannschaft aber in Leipzig. Unter Rückgriff auf Studenten der neu gegründeten Deutschen Hochschule für Körperkultur und auf Spieler unterrangiger Mannschaften der Kasernierten Volkspolizei (KVP) wurde vor der Saison 1951/52 eine KVP-Mannschaft "Vorwärts Leipzig" gebildet und ohne sportliche Qualifikation als 19. Mannschaft in die Oberliga eingereiht. Die Retortenmannschaft schaffte mit Mühe den letzten Nichtabstiegsplatz der Liga.

Die Mannschaft von Vorwärts KVP Leipzig kämpfte zu Beginn der Saison 1952/53 um ihr sportliches Überleben und war weit davon entfernt, zur Popularität der neuzubildenden Armee beizutragen, die noch als Kasernierte Volkspolizei firmierte. Im Umfeld der propagandistisch flankierten Aufrüstung im Jahr 1952 sollte der Armeesport auch fußballerisch prominent in der Liga vertreten sein. Für den Neuaufbau von Armee- und Dynamo-Mannschaften fielen die üblichen Sperrfristen bei Spielerwechseln weg, womit eine klare Bevorzugung der "uniformierten" Sportgemeinschaften gegeben war. Dies versuchte die Sektion Fußball mit Unterstützung des frisch ernannten, gerade 27-jährigen Staatssekretärs im Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport, Manfred Ewald, zu nutzen, indem sie die Spieler von Chemie Leipzig, die 1951 Meister und 1952 Liga-Dritter geworden waren, zum Wechsel zu Vorwärts Leipzig zu bewegen suchten.

Chemie Leipzig verlor so mit einem Schlag acht Stammspieler, ergänzte sich aber in der Weihnachtspause erfolgreich, die heimische Kulisse wuchs auf über 40.000 Zuschauer an - die Legende von Leutzsch war geboren.[14] Sportliche Sympathie und politischer Protest dürften sich hierbei ergänzt haben. Im Derby wurde Vorwärts zweimal besiegt, Chemie war die bessere und beliebtere Leipziger Mannschaft und wurde in der nächsten Saison sogar Vizemeister. Dagegen spielte die mit den Chemie-Spielern verstärkte Mannschaft von Vorwärts Leipzig vor wesentlich weniger Zuschauern gegen den Abstieg. Die im Frühjahr 1953 erfolgte Umsiedlung nach Berlin wurde damit begründet, dass die Hauptstadt eine Oberligamannschaft brauche.

Mit dem ASK Vorwärts und dem SC Dynamo Berlin (1954/55 aus Dresden importiert) buhlten ab Mitte der fünfziger Jahre gleich zwei Mannschaften um die Gunst der Berliner Zuschauer. Die Armee-Mannschaft setzte sich durch und holte 1958 den ersten Meistertitel nach Ostberlin, dem fünf weitere in den sechziger Jahren und zwei Pokalsiege folgten. Aus welchen Gründen die Armeesportler 1971 in die "Fußball-Einöde Frankfurt/Oder" verpflanzt wurden, wo sie nie mehr eine führende Rolle spielten und sogar zweimal abstiegen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der damalige ASK-Spieler und spätere Sportjournalist Jürgen Nöldner rätselt noch heute über die Hintergründe des Umsiedlungsbeschlusses.[15] Letztlich landen alle Spekulationen immer wieder bei MfS-Chef Erich Mielke, der den Verteidigungsminister Heinz Hoffmann irgendwie überzeugt haben musste, dass zwei Clubs der "bewaffneten Organe" in Berlin zuviel waren.

Die Rolle der "Vorzeigemannschaft" aus Berlin übernahm in den folgenden Jahren der SC Dynamo, der seit 1966 BFC Dynamo hieß und zu Mielkes Lieblingsclub avancierte. Das ambivalente Image des BFC war geprägt durch sportliche Erfolge in Serie (der BFC wurde zwischen 1979 und 1988 zehnmal in Folge DDR-Meister). Diese resultierten einerseits aus einer einseitigen sportlichen Nachwuchsarbeit, wodurch die besten Spieler automatisch beim BFC spielten, und andererseits aus einer systematischen politischen Einflussnahme. So wurden zum Beispiel Spieler gezielt als IM (Inoffizielle Mitarbeiter) durch das MfS angeworben und Schiedsrichterentscheidungen von der Staatssicherheit "gekauft", um die sportlichen Erfolge sicherzustellen.[16]

Die hier beschriebene "Delegierung" von ganzen Mannschaften hatte ihren Höhepunkt in den fünfziger Jahren. Die Praxis der Konstruktion starker Mannschaften durch Verschiebung ganzer Mannschaftsteile (so zum Beispiel auch bei der SG Empor Lautern, die nach Rostock "verlegt" und dort zum FC Hansa wurde) oder durch angeordnete Fusionen blieb jedoch auch noch in den sechziger Jahren gängige Praxis. Aus einer eigentlich logischen Konzentration der Kräfte, die allerdings nicht über den freien Wettbewerb auf dem Rasen, sondern am grünen Tisch vorgenommen wurde, entstanden in der Saison 1963/64 noch heute fortwirkende Lokalrivalitäten in Leipzig und Berlin: Auf Vorschlag des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) fasste das Zentralkomitee (ZK) der SED am 5. Dezember 1962 im Rahmen einer Beratung über den Stand der Olympiavorbereitungen für 1964 "und zur weiteren Entwicklung der Leistungen in den olympischen Sportarten", zu denen auch Fußball gehörte, den Beschluss, "den Bezirksleitungen der Partei in Berlin, Leipzig (...) vorzuschlagen, durch Zusammenschluss der Sportclubs Einheit Berlin, Rotation Berlin, und TSC Oberschöneweide einen zivilen Sportclub der Hauptstadt der DDR sowie durch Vereinigung der Sportclubs Rotation Leipzig und Lokomotive Leipzig (...) die Zersplitterung des Leistungssports in diesen Zentren zu überwinden und die Voraussetzung für eine höhere Qualität der Leitung des Leistungssportes und einen wirkungsvolleren Einsatz der Kader zu schaffen".[17]

Bei der hektischen Umsetzung des Beschlusses wurden die vermeintlich besten Spieler von Lok und Rotation Leipzig dem SC Lokomotive zugeordnet, der Rest fand sich in der BSG Chemie Leipzig wieder und entwickelte einen ungeheuren sportlichen Trotz. Die vermeintlich schwächere Mannschaft wurde überraschend Meister, und der SC Leipzig (ab 1966 1. FC Lokomotive) belegte den dritten Platz. Beide Derbys im Leipziger Zentralstadion gewann der Underdog.

Fußball - planungsresistent und unregierbar?



Die Unberechenbarkeit des Fußballs, die Überraschungssituationen im Spiel und die Kombination zahlreicher individueller Faktoren bis hin zur Emotionalität der Anhängerschaft machen einen Großteil der Reize dieses Spiels aus. In einer Planwirtschaft waren Konflikte und Störfälle daher programmiert.[18] So weigerten sich zahlreiche Betriebssportgemeinschaften aus verständlichem Eigeninteresse, ihre besten Spieler in die ab 1954 gebildeten Sportclubs zu delegieren. Die ZK-Abteilung "Leitende Organe der Partei und Massenorganisationen" klagte noch ein Jahr später: "Bis zum heutigen Zeitpunkt ist die Konzentrierung des Leistungssports auf der Basis der einzelnen Sportvereinigungen noch nicht abgeschlossen. Eine ganze Reihe von talentierten Sportlern werden in den Betriebssportgemeinschaften zurückgehalten. Die BSG-Leitungen sowie die Gewerkschafts- und Parteileitungen der Betriebe unternehmen oft alle Winkelzüge, damit die Sportler nicht in die Sportklubs eintreten."[19]

Obwohl die Partei- und Staatsführung den Sportclubs schon im Februar 1955 die gegen die damals geltende Amateursregelung verstoßende Summe von 10,8 Millionen DM "zur Regelung der Gehalts- und Lohnzahlungen für 1.000 Sportler, die in den Sportclubs ganztägig trainieren, und zur stundenweisen Abstellung von ca. 3.000 weiteren Sportlern" zur Verfügung stellte,[20] blieben die verdeckten Zuwendungen der Betriebe und Clubs (!) an die Fußballer ein Dauerproblem des DDR-Fußballs bzw. der SED. So berichteten die im ZK für Sport zuständigen Parteikontrolleure über ihren Kampf gegen allzu großzügige Arbeitsfreistellungen für Sportler, was wohl zumeist die Fußballspieler betraf: "Dieses Ziel zu erreichen, wird uns erschwert durch die eigenmächtigen Handlungen zahlreicher Betriebsleiter sowie Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre in den volkseigenen Betrieben. Diese gehen nach wie vor mit ihrer Großzügigkeit gegenüber verschiedenen Sportlern in Bezug auf Gehälter, Arbeitsbefreiung, Prämierung usw. über das Erlaubte hinaus. In manchen Betriebssportgemeinschaften werden 50 Prozent der Mittel und noch mehr für eine einzige Fußballmannschaft verausgabt."[21]

In den Akten der "Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle" finden sich zahlreiche weitere Beispiele der Konzentration der betrieblichen Sportmittel auf die ersten Fußballmannschaften.[22] Auch in den 1954/55 neugegründeten Sportclubs, die den Leistungssport insgesamt entwickeln sollten, galt das Hauptinteresse der Verantwortlichen - mit den entsprechenden Folgen für den Mittel- und Personaleinsatz - der Volkssportart Nummer eins, dem Fußball. Die Vernachlässigung der anderen Sportarten führte dann 1965/66 zur Herauslösung der Fußballsektionen aus den Sportclubs und zur "Bildung von Fußballclubs"[23]. Dass also zehn Fußballvereine aus dem Osten in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum feiern können, ist nicht etwa auf eine Rückbesinnung auf den traditionellen Fußballvereins-Gedanken bei den DDR-Oberen zurückzuführen, wie es damals und heute in Pressekommentaren zu lesen war. Es handelt sich bei dem Beschluss des Sekretariats des ZK der SED vom 18. August 1965 zur Bildung der Fußballclubs um den klaren Versuch, den Fußball wieder unter die politische und fachliche Kontrolle des DTSB zu bekommen, um auch im Fußball "einen erheblichen Leistungsaufschwung zu gewährleisten".[24] Gleichzeitig handelte es sich auch um eine Abtrennung des Spitzenfußballs vom übrigen Leistungssport. Medaillengewinner und Weltmeister in anderen Sportarten bekamen so nicht mehr mit, dass Fußballer aus dem Mittelfeld der Oberliga besser bezahlt und behandelt wurden. Obwohl 1967 mit der demonstrativen Bestrafung der BSG Stahl Eisenhüttenstadt - eine Sonderfinanzrevision des Finanzministeriums im VEB Eisenhüttenkombinat Ost hatte unversteuerte Sonderzahlungen an Spieler des Zweitligisten aufgedeckt[25] - ein Exempel zur Durchsetzung der Gehaltsobergrenzen statuiert wurde, blieb die Zahlung hoher Prämien gängige Praxis. Ob im Sekretariat des ZK der SED, dem diese Missstände im Dezember 1969 berichtet wurden, mehr über den Verstoß gegen die im Fußballbeschluss von 1965 festgelegten Gehaltsobergrenzen von 800 bis 1.200 Mark oder die lang anhaltende internationale Erfolglosigkeit des DDR-Fußballs diskutiert wurde, ist nicht überliefert (der Deutsche Fußball-Verband der DDR hatte sich weder für die Europameisterschaft noch für die Weltmeisterschaft 1966 und auch nicht für die Olympischen Spiele 1968, bei denen die DDR erstmals eigenständig auftrat und es ihr sogleich gelungen war, die Bundesrepublik in der Medaillenzahl zu überflügeln, qualifizieren können). Vermutlich war Letzteres der Fall, denn es wurde beschlossen, die Fußballclubs aus den bisherigen Trägerbetrieben herauszulösen und als DTSB-Leistungszentren der jeweiligen Bezirke unter gleichem Namen weiterzuführen. Ebenso wichtig war eine personalpolitische Intervention der ZK-Abteilung Sport: "Im Interesse der Erfüllung der Zielstellung - 1972 Medaillengewinn bei den Olympischen Spielen und 1974 Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft in Westdeutschland - sollte unbedingt sofort eine personelle Änderung vorgenommen werden. Der zur Zeit progressivste und konsequenteste Trainer ist unserer Meinung nach der Genosse Georg Buschner vom FC Carl Zeiss Jena."[26]

Die Ära Buschner (1970 - 1981) wurde zur erfolgreichsten Epoche des DDR-Fußballs. Die DFV-Auswahl nahm 1974 erstmalig an einer Fußballweltmeisterschaft teil, besiegte den späteren Weltmeister und wurde WM-Sechster. Nach der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1972 gewann die Buschner-Elf 1976 die Goldmedaille nach einem 3 : 1 gegen Polen. Am 8. Mai 1974 besiegte der 1. FC Magdeburg im Finale des Europapokals der Pokalsieger den AC Mailand mit 2:0. Bei den Olympischen Spielen in Moskau gewann die DDR-Vertretung die Silbermedaille. 1981 erreichte Carl Zeiss Jena das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger.

Neben der Person des DDR-Auswahltrainers begann sich die Nachwuchsarbeit in den Trainingszentren und Kinder- und Jugendsportschulen auszuzahlen. Allerdings fühlte sich der Fußball bald danach durch das 1973 eingeführte System der "Einheitlichen Sichtung und Auswahl" (ESA) im Rahmen der Talentauslese benachteiligt, da die medaillenintensiven Sportarten Vorrang hatten. "Die langen Fußballer sind bei uns Ruderer", klagte 1986 der Trainer des FC Carl Zeiss Jena, Lothar Kurbjuweit.[27] Die zentrale Steuerung des Leistungssports - in anderen Bereichen (neben dem ebenfalls zentral gesteuerten und flächendeckenden Doping) ein Erfolgsgarant des DDR-Sports - funktionierte im Fußball nur beschränkt. Vor allem gelang es weder der SED noch der DTSB-Führung, das "Gehaltsregulativ des DFV der DDR" durchzusetzen. Die Fußballer der BSG Stahl Brandenburg verdienten Mitte der achtziger Jahre mit 6.000 Mark monatlich mehr als doppelt so viel wie der Generaldirektor ihres Trägerbetriebes.[28] Der Umfang der Sonderzahlungen bis in die dritte Spielklasse bewog den für Sport zuständigen ZK-Sekretär Egon Krenz sogar, eine Konferenz der Ersten Bezirkssekretäre gemeinsam mit den Generaldirektoren der Trägerbetriebe vorzuschlagen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Durchsetzung des Gehaltsregulativs des DFV. Erich Honecker, der im Politbüro offen das Profitum der Fußballer eingestanden hatte, lehnte den Vorschlag von Egon Krenz ab. Bleibt die Frage nach dem Grund: War es Resignation gegenüber den Lokal- und Partikularegoismen im Fußball, war es Ausfluss einer bewussten Laissez-faire-Haltung, welche den "Bezirksfürsten" und Wirtschaftsbossen ihre Spielwiese ließ, oder war es nur die weltweit verbreitete Fußball-"Blindheit" der Politik allgemein?

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Fußnoten

1.
Vgl. Hans Joachim Teichler, Die SED und der Sport, in: ders. (Hrsg.), Die Sportbeschlüsse des Politbüros. Eine Studie zum Verhältnis von SED und Sport mit einem Gesamtverzeichnis und einer Dokumentation ausgewählter Beschlüsse, Köln 2002, S. 13 - 60.
2.
Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), Zentralarchiv, MfS Allg. S. 688/66, S. 1 - 2. Bestand: DVdI Deutsche Verwaltung des Innern in der sowjetischen Besatzungszone, Hauptabteilung Politik-Kultur, Bialek, zit. in: Giselher Spitzer, Fußball und Triathlon. Sportentwicklung in der DDR, Aachen 2004, S. 20.
3.
Anlage 2 zum Protokoll Nr. 15 (des Politbüros) vom 8. 4. 1949: Betr.: Verbesserung der Arbeit des Deutschen Sportausschusses, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch), DY 30/IV2/2/15.
4.
Vgl. Andreas Baingo/Michael Horn, Die Geschichte der DDR-Oberliga, Göttingen 2004(2), S. 10f.
5.
Schreiben Deutscher Sportausschuss an den Landesvorstand der SED Sachsen. Berlin, 4. 5. 1949, SAPMO-BArch, DY 24/3405, Teil III.
6.
Ebd.
7.
Vgl. Hans Joachim Teichler, Tumulte in Planitz, in: Horch und Guck, 14 (2005) 3, S. 10 - 13.
8.
Schiri Schulz entschied ein wichtiges Fußballtreffen, in: Freie Presse vom 2. 5. 1949.
9.
Vgl. A. Baingo/M. Horn (Anm. 4), S. 13.
10.
Vgl. Beschluss zur Bildung zentraler Sportvereinigungen, SAPMO-BArch, DY 34/26807.
11.
Vgl. A. Baingo/M. Horn (Anm. 4), S. 19. Die Autoren sprechen nicht nur in diesem Zusammenhang immer wieder fälschlich von "Vereinen"; diese waren in der DDR verboten.
12.
Vgl. Christoph Dieckmann, "Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher." Fußball in der DDR, in: Wolfgang Niersbach, 100 Jahre DFB, Berlin 2000, S. 311 - 336.
13.
Jörn Luther, "So rollte der Ball im Osten", in: Frank Willmann, Fußball-Land DDR. Anstoß, Abpfiff, Aus, Berlin 2004, S. 9 - 19.
14.
Noch heute sind zahlreiche Fußballanhänger davon überzeugt, dass "seit 1952 von oben alles getan wurde, um Chemie Leipzig nicht richtig zur Entfaltung kommen zu lassen" (Interview mit Günter Busch, in: Libero D, [1991] 1, S. 23). Im Jahr 1954 wurden die restlichen Chemiespieler zum FC Lokomotive delegiert. Vgl. Jens Fuge, Leutzscher Legende. Von Britannia 1899 zum FC Sachsen, Leipzig 1992.
15.
Vgl. Jürgen Nöldner, Hohe Kunst in Rot-Gelb. Alles begann in Leipzig, in: Horst Friedemann (Hrsg.), Sparwasser und Mauerblümchen. Die Geschichte des Fußballs in der DDR 1949 - 1991, Essen 1991, S. 62.
16.
Vgl. zum Einfluss des MfS auf den DDR-Fußball am Beispiel Dynamo Dresden: Ingolf Pleil, Mielke, Macht und Meisterschaft. Die "Bearbeitung" der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden durch das MfS 1978 - 1989, Berlin 2001.
17.
SAPMO-BArch, DY 30/JIV2/3/854. Dokumentiert bei H. J. Teichler (Anm. 1), S. 430.
18.
Vgl. dazu das Kapitel "DDR-Fußball: Fehler im System" in: Jutta Braun/René Wiese, DDR-Fußball und gesamtdeutsche Identität im Kalten Krieg, in: Historische Sozialforschung, 30 (2005) 4, S. 191 - 210.
19.
Bericht der Abteilung Leitende Organe der Partei und der Massenorganisationen - Sektor Jugend und Sport - über die Situation in den Sportklubs der DDR vom 8. 7. 1955, SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/18/19, zit. in: Bodo Stegemann, Fußball im Leistungssportsystem der SBZ/DDR 1945 - 1965, in: Wolfgang Buss, Aktionsfelder des DDR-Sports in der Frühzeit 1945 - 1965, Köln 2001, S. 351 - 397.
20.
Beschluss des Sekretariats des ZK der SED vom 23. 2. 1955, SAPMO-BArch, DY 30/IV2/3/A449. Dokumentiert bei: H. J. Teichler (Anm. 1), S. 304 - 309.
21.
Bericht des Sektor Sport des ZK der SED vom 9. 2. 1956, SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/18/4, zit. in: B.Stegemann (Anm. 19), S. 389.
22.
Vgl. SAPMO-BArch, DC 1/5072.
23.
Manfred Ewald, Ich war der Sport, Berlin 1994, S. 199.
24.
SAPMO-BArch, DY 30/JIV/2/3/1101.
25.
Vgl. Giselher Spitzer, Die Sonderrolle des Fußballs, in: ders./Klaus Reinartz/Hans Joachim Teichler (Hrsg.), Schlüsseldokumente zum DDR-Sport, Aachen 1998, S. 223 - 246.
26.
H. J. Teichler (Anm. 1), S. 580.
27.
FAZ vom 18. 9. 1986.
28.
Vgl. Uta Klaedtke, "Stahl Feuer!!!" - Die Fußballer des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg zwischen politischer Anpassung und betrieblichem Eigensinn, in: Hans Joachim Teichler (Hrsg.), Sport in der DDR. Eigensinn, Konflikte, Trends, Köln 2003, S. 237 - 270.