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10.3.2006 | Von:
Eva-Maria Auch

Mythos Kaukasus

Vom Klischee zur Fremdheit

Vor dem Hintergrund des ersten Tschetschenienkrieges (1994 bis 1996)[6] riefen Mitte der neunziger Jahre "Personen kaukasischer Nationalität" bei etwa 50 % der russischen Bevölkerung Angst hervor. Auch die soziologischen Umfragen des Instituts für sozial-politische Forschungen der Russländischen Akademie der Wissenschaften für 2004 und 2005 bestätigten diesen Befund - mit einer Ergänzung: Bei 57 % der Befragten riefen Kaukasier ganz allgemein "negative Reaktionen" hervor, wobei 45 % sich besonders gegenüber Tschetschenen skeptisch äußerten. 16 % sprachen sich für eine "längst fällige", 37 % für eine "gemäßigte" Umsetzung der Forderung "Russland den Russen" aus.[7] Wie problematisch sich das Umfeld der Wahrnehmung des "Anderen" gestaltet, zeigt sich daran, dass zwar 47 % aller Bürger antworteten, sie hegten gegenüber den Zugereisten aus südlichen Regionen "keine besonderen Gefühle", aber auch nur 3 bis 4 % von Sympathie und 2 bis 3 % von Achtung sprachen. Dafür empfanden 21 % (2005) Feindseligkeit; 20 % fühlten sich gereizt. Trotz dieser Werte gibt es eine nur geringe selbstkritische Reflexion über die Hintergründe. Nur 2 bis 6 % der Befragten bejahten, dass eine Ursache für das angespannte Verhältnis auch bei den Russen liege könne. Schuld sind (fast) immer die anderen: 18 bis 19 % sahen die Ursache in terroristischen Aktionen, 13 bis 14 % in den schlechten Lebensbedingungen, 12 % im Benehmen nationaler Minderheiten.

Das war nicht immer so. Die Haltung gegenüber dem Kaukasus als Symbol einer Kulturgrenze und gegenüber den Kaukasiern schwankte in der russischen und sowjetischen Geschichte zwischen romantischer Begeisterung für die Kultur und Natur, ja auch für die "freiheitsliebende Wildheit" seiner Bewohner, einem zivilisatorischen Überlegenheitsgefühl und einer höhnischen Feindschaft gegenüber den "kaukasischen Räubern". Nicht zufällig lebte im ersten Tschetschenienkrieg das Klischee vom "bösen Tschetschenen", von "kriminellen Zonen" und "Räuberhöhlen" wieder auf. Politiker und Medien konnten auf Kaukasusbilder zurückgreifen, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts in enger Verbindung mit der klassischen russischen Literatur und der Formierung des russischen Nationalismus entstanden waren. Ohne die kaukasischen Dichtungen eines Puschkin ("Der Gefangene im Kaukasus"), Lermontow ("Dämon"; "Ein Held unserer Zeit") oder Tolstoi ("Kosaken"; "Hadschi Murat"), frühe Reise- bzw. Tätigkeitsberichte von Militärs und die sich darum rankenden Auseinandersetzungen (Belinskij) um einen romantisierenden literarischen Orientalismus[8] und die russische Identität ist die klassische russische Literatur undenkbar[9]; "die Vorstellungen über Nordkaukasien sind eine der Konstanten russischen ethnischen Bewusstseins".[10]

Doch versuchen wir, historische Etappen bei der Herausbildung russischer Zerrbilder von Kaukasien und seinen Bewohner nachzuvollziehen.[11] Auch wenn Kaukasien für die im Auftrag der Russischen Akademie der Wissenschaften reisenden Forscher des 18. Jahrhunderts kein unbekannter Landstrich mehr war, faszinierte sie die Vielfalt historischer Entwicklungszustände bei den dortigen Völkern. Trotz geografischer Trennlinien (Berge) gab es wirtschaftliche und kulturelle Kontakte, die sich in ähnlichen kulturellen und gewohnheitsrechtlichen Institutionen (Blutrache; Rituale der Gastfreundschaft) widerspiegelten. Anders als im Südkaukasus, wo Georgier, Armenier und Aserbaidschaner auf frühe Staatsbildungen zurückblicken, gab es solche, die über engste lokale Grenzen hinausreichten, im Nordkaukasus nicht.

Die direkte Berührung mit Russland begann im 16. Jahrhundert mit der Gründung von Kosakengemeinden am Terek und Kuban. Mit dem russischen Vordringen "an die warmen Gewässer" wurde die Region bald zum Objekt geopolitischer Konkurrenz zwischen dem Russischen, Osmanischen und Persischen Reich. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts konnte Russland seine Herrschaft allmählich direkt nach Südkaukasien ausdehnen. Von Georgien aus wurden bis 1828 die Grenzen an den Arax vorgeschoben. Während die heutigen Gebiete von Georgien, Armenien und Aserbaidschan unter zaristische Herrschaft gelangten, leisteten nordkaukasische Muslime den vehementesten Widerstand, auf den Russland in seiner gesamten Kolonialgeschichte seit dem 16. Jahrhundert gestoßen war. In den Kaukasuskriegen zwischen 1812 und 1864 gingen einige hunderttausend russische Soldaten durch die "kaukasische Gefechtsschule". In Dagestan und Tschetschenien wurde dieser Widerstand von Imamen geleitet und als "Ghazavat" definiert, einer Form des islamischen "Dschihad". Wie heute verfolgte Europa den Widerstand, den Dagestaner und Tschetschenen unter der Führung des Imam Schamil zwischen 1834 und 1859 der russischen Kaukasusarmee entgegensetzten, aufmerksam und nicht ohne Beifall. Im westlichen Teil der Region kämpften die in Europa kollektiv als "Tscherkessen" bezeichneten Volkgruppen mit türkischer und britischer Unterstützung gegen russische Festungen am Schwarzen Meer und hielten den Widerstand auch nach der Kapitulation Schamils noch fünf Jahre lang aufrecht. 1864 gilt als das Datum der Unterwerfung Gesamtkaukasiens. Die Tscherkessen, bis dahin die zahlenmäßig stärkste Volksgruppe im Nordkaukasus, wurden bis auf einen Überrest (1897: 44 000) vertrieben. Mehr als eine Million kaukasische Muslime flohen in Gebiete des Osmanischen Reichs. Die nachfolgende "Befriedungspolitik" war gekennzeichnet teils durch selektive Zusammenarbeit mit den Adelsschichten einiger Völker, teils durch Verdrängung ihrer Bevölkerung und Ansiedlung russischer Kolonisten, teils durch brutale Strafexpeditionen.[12]

Versucht man vor dem Hintergrund dieser historischen Abläufe eine Rekonstruktion des modernen Kaukasusbildes, kann man mehrere Phasen verorten. Bis etwa 1820 wird der Kaukasus als geo-kulturelles Objekt entdeckt. Michail Lomonossow, Gawril Derzawin und Wassili Schukowski beschreiben ihn als "gewaltiges Bergmassiv", "die südliche Stütze Russlands", und es dominieren Attribute wie "wild" und "düster". Unverkennbar ist eine Mythologisierung des Raumes und seiner Bewohner. Die nächste Phase der Formierung eines Kaukasus-Bildes (bis 1840) wird in der russischen Kulturgeschichte als "militärisch-künstlerische Romantik" (voenno-chudozestvennyj romantizm) bezeichnet. Sie ist eng mit der Eroberung Südkaukasiens verknüpft und nutzt (zumindest bis 1828/29) Begriffe wie Freiheit, Würde, Ehrgefühl und Edelmut zur Charakterisierung der Bergbewohner, die eigentlich razbojniki, "Räuber", sind: "Ihr Gott ist die Freiheit, ihr Gesetz - der Krieg". Selbst Armut, Verrat und Müßiggang werden romantisch verklärt, und auch das Bild der stolzen, anmutigen Kaukasierin ("die Schöne Tscherkessin") fehlte nicht.

Zugleich hat die neuere Puschkin-Forschung auf Elemente aufmerksam gemacht, welche die Grundlagen für negative Stereotypen schufen: ewige Gefahr, ewiger Krieg, Bedrohung, Verrat wurden zu charakteristischen Merkmalen, die Natur und Menschen gleichsam verbanden. Persönliche Schicksale, reales Erleben Kaukasiens und literarische Reflexionen wurden eng miteinander verflochten: Der Kaukasus war eine fremde Welt, in der sich der russische Offizier als Mann "beweisen" wollte oder musste, deren Geheimnisse lockten und zu entschlüsseln waren - ob durch Kampf oder Gastfreundschaft. Eine Welt, in der alles anders war, Normen der russischen Gesellschaft nicht mehr zählten, jedoch ritterliche Ideale einer Frühzeit scheinbar existierten: natürliche Schönheit, Ehrgefühl, Risikobereitschaft, Kameradschaft. Während die Schar freier Reiter auf den verschlungenen Pfaden der Berge die Strategien der Armeen des Zaren zum Scheitern brachte, wurde die "Wildheit" zur Herausforderung für den Aristokraten. Was zählte, war der Kampf Mann gegen Mann, was dahinterstand, waren zwei grundsätzlich verschiedene Lebensweisen, aber nicht grundsätzlich verschiedene Werte. Die Lebensprinzipien des Kaukasiers besaßen magische Anziehungskraft für den jungen russischen "Helden", der eigentlich eine Mission erfüllen wollte, aber vor dem Erfahrungshintergrund der russischen Gesellschaft von einer Rückkehr zu archaischen Werten träumte. Dieser Kontrast barg das Element einer "Hass-Liebe" in sich, die sich von der Andersartigkeit angezogen und abgestoßen fühlte. Sie führte von der Frage "Wer bin ich eigentlich?" zur Frage "Wer sind wir?", von der Wahrnehmung der Andersartigkeit der kaukasischen Welt zum Problem "Was charakterisiert uns eigentlich als Russen?" Diese Herausforderung gab entscheidende Impulse für die russische Identitätsbildung des 19. Jahrhunderts. Auch wenn das Bild des Kosaken, der zwischen Russland und den "Bergen der Wilden", am Terek, stand, kaukasische und russische Elemente (die "russische Seele" mit Mut, Ehre und Freiheitsdrang, Kleidung) in sich vereinte, als eine Art Symbiose beider Elemente zur "Entschärfung" dieser Frage beitrug und er selbst zu dieser Zeit noch als Vermittler zwischen den Kulturen angesehen wurde, blieb die Welt der Kaukasier für das russische Selbstbewusstsein eine Herausforderung bis zum heutigen Tag.[13] Sie sollte sich von den Auseinandersetzungen zwischen Westlern und Slawophilen um die "russische Seele" (Berdjajew) bis zur heutigen Diskussion um das "Eurasiertum" fortsetzen.

Die koloniale Durchdringung der Gebiete jenseits des Großen Kaukasus, der anhaltende Kaukasuskrieg mit seinen Niederlagen und die zunehmende ethnografische Erforschung und Beschreibung der neu eroberten Gebiete leitete ein weitere Phase ein, die parallel zur Annäherung zwischen Russland und Westeuropa und der Aufnahme Russlands in die Gemeinschaft der europäischen Großmächte verlief. Das bevorzugte Medium zur Prägung von Klischees war nun nicht mehr allein die Dichtung. Das Spektrum der Autoren und Konsumenten wurde breiter. Einerseits wurden negativ besetzte Stereotype, die in der westlichen Wahrnehmung ursprünglich die Russen charakterisierten, nun von diesen auf die Völkerschaften in den eroberten Gebieten übertragen,[14] andererseits wurde zunehmend über die russische Kolonisation reflektiert. Aus den exotischen "Anderen", die noch Bewunderung hervorgerufen hatten, wurden rückständige "Eingeborene" (tuzemcy), deren Verhältnisse der Korrektur bedurften, die kontrolliert, ja beherrscht werden mussten. Aus den Offizieren, die in den Kaukasuskrieg zogen, um sich "als Männer zu beweisen",[15] sich auch nach ihrer aktiven Zeit noch über "den durchlebten wilden Kaukasus" definierten und als besondere Kaste von "durch den Kaukasus gestählten Militärs" betrachteten, wurden cinovniki, in den Kaukasus (zwangs-) abgeordnete Beamte. Diese lebten nicht nur in einer künstlichen Parallelwelt, sie betrachteten die Kaukasier durch das Prisma ihres Herkunftsmilieus, des persönlichen Vorteils und/oder der Pflichterfüllung vor dem Staat. Sie bezogen ihre Identität vor allem über ihre Funktion als Vertreter der Staatsmacht, die keinerlei Solidarisierung mehr zulassen konnte. Infolge der "Befriedung" Kaukasiens verloren auch die frühen Mittler im Grenzland ihre Funktion. Als militärische Gehilfen der Zivilverwaltung wurden die vom russischen Staat teilweise privilegierten Kosaken[16] zum primären feindlichen Element der Eingeborenen, während die Kaukasier von (zunächst bewunderten, dann zweifelhaften) "Rittern der Berge" zu Objekten russischer Willkür oder zivilisatorischer Mission je nach Standpunkt des Betrachters degradierten. Der Kaukasus wurde zum Experimentierfeld für eine zivilisatorische Mission gegenüber den Kaukasiern und damit zur Prüfung für die russische Kultur und Staatlichkeit.[17]

Mit der Abschaffung der Leibeigenschaft, der Durchsetzung der Agrarreformen in Kaukasien und der Durchführung von Um- und Ansiedlungsprojekten Anfang des 20. Jahrhunderts kam ein neues Element hinzu: russische Siedler (West-, Nordkaukasus, Mugansteppe) und Arbeiter (Ölfelder von Baku und Grozny). Auf der Suche nach einem besseren Leben gerieten diese in eine doppelte Isolation: Sie waren Abgewanderte, auch Ausgestoßene der russischen Gesellschaft und nun Fremdlinge in einer Mehrheitskultur. Im Unterschied zu den Einheimischen waren sie auf sich allein gestellt, bezogen ihre Identität lediglich aus ihrer ethnischen Abstammung und Religionszugehörigkeit und erfuhren bedingten Schutz nur durch die Staatsgewalt, die jedoch ebenfalls fremd in der Region war. Das soziale Umfeld ihrer althergebrachten Normen und Bräuche hatten sie verlassen (Freiwilligkeit war für einen Kaukasier unvorstellbar, da der Ausstoß aus einer Gemeinschaft nach traditionellem Recht einer Todesstrafe gleichkam; Russen waren nach diesem Verständnis "vogelfrei"), und sie konnten sich in der Regel weder auf Sippen oder Dorfgemeinschaften stützen noch Autorität aus einer staatlichen Funktion beziehen. Sie machten sich nicht die Mühe, die neue Umgebung zu erkunden geschweige die Welt der Kaukasier[18] zu verstehen. Sie erlebten Fremdheit, die sie nicht mehr hinterfragten. Sie hörten von oder erduldeten Extreme kaukasischen Benehmens, sie begannen, die Fremden zu fürchten, sich weiter abzuschotten von den "Wilden", "Kulturlosen", "Faulen", "Schmutzigen", "Käuflichen", und letztlich wurde aus Feindseligkeit Feindschaft. Die in der Frühphase des direkten Kulturkontaktes konstatierten ritterlichen Eigenschaften der Kaukasier wurden als oberflächliche Beobachtung, als irreführend abgetan und in ein Negativbild verkehrt.

Sowohl Russen als auch Kaukasier bezogen nicht nur einen Großteil ihres Selbstwertgefühls aus der negativen Sicht der jeweiligen Fremdgruppe; in einer Zeit allgemeiner Identitätskrisen im Russischen Reich verhärteten sich Stereotype zu Vorurteilen und Feindbildern,[19] zu nationalistischen Ressentiments. In der Staatspolitik entbrannte heftiger Streit um die Frage des "richtigen Umgangs" mit den Kaukasiern: Nachsicht und Milde würde als Schwäche interpretiert und führe zu Hochmut, zu starker Druck würde sie jedoch noch weiter entfremden und verärgern, sodass hartes Durchgreifen zu Widerstand und Exzessen führe. Man versuchte es mit einem Wechselspiel sowohl hinsichtlich der Methoden als auch der differenzierten Behandlung einzelner kaukasischer Völkerschaften im Sinne von "Teile und herrsche!" und "Zuckerbrot und Peitsche".


Fußnoten

6.
Zu den Ereignissen in Tschetschenien siehe vor allem die zahlreichen Arbeiten von Uwe Halbach (Stiftung Wissenschaft und Politik), z.B.: Rußlands Auseinandersetzung mit Tschetschenien, Köln 1994; Tschetschenien und das "innere Ausland" Russlands, in: Kurt R. Spillmann (Hrsg.), Zeitgeschichtliche Hintergründe aktueller Konflikte, Bd. V, Zürich 1995, S. 121 - 136; Der Weg in den zweiten Tschetschenien-Krieg, in: Osteuropa, 50 (2000), S. 11 - 30. Mit Blick auf die Wahrnehmungsproblematik einschließlich zweiter Tschetschenienkrieg: Florian Hassel, Der Krieg im Schatten. Russland und Tschetschenien, Frankfurt/M. 2003.
7.
Vgl. Russkij nacionalizm v svete statistiki, in: www.rustrana.ru (4.11. 2004); A. Golov, Massovoe vosprijatie nacional'nych men'sinstv: peremeny za god, in: www.levada.ru (14.12. 2005).
8.
Vgl. Edward Said, Orientalism, New York 1978; Jörg Osterhammel, Wissen als Macht: Deutungen interkulturellen Nichtverstehens bei Tzvetan Todorov und Edward Said, in: Eva-Maria Auch/Stig Förster (Hrsg.), "Barbaren" und "Weiße Teufel". Kulturkonflikte und Imperialismus in Asien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, Paderborn 1997, S. 145 - 169.
9.
Vgl. Susan Layton, Russian Literature and Empire: Conquest of the Caucasus from Pushkin to Tolstoi, Cambridge 1994; dies., Nineteenth-Century. Russian Mythologies of Caucasian Savagery, in: Daniel R. Brower/Edward J. Lazzerini (Hrsg.), Russia's Orient. Imperial Borderlands and Peoples, 1700 - 1917, Bloomington 1997, S. 80 - 99; Susi Frank, Gefangen in der russischen Kultur: Zur Spezifik der Aneignung des Kaukasus in der russischen Literatur, in: Die Welt der Slaven, Bd. XLIII (1998), S. 61 - 84.
10.
V. P. Ulanov, Severnyj Kavkaz v russkom etniceskom soznanii, in: www.rustrana.ru/article.php (25.1. 2005).
11.
Die Fakten zur Territorialgeschichte folgen den Ausführungen in: Eva-Maria Auch/Uwe Halbach, Kaukasus-Region (Informationen zur politischen Bildung aktuell), Bonn (bpb) 2004.
12.
Zum Charakter der russischen Kolonialpolitik vgl. Eva-Maria Auch, Muslim-Untertan-Bürger. Identitätswandel in gesellschaftlichen Transformationsprozessen der muslimischen Ostprovinzen Südkaukasiens, Wiesbaden 2004.
13.
Vgl. A. A. Cuciev, Russkie i kavkazcy. Ocerk nezerkal'noj neprijazni, in: www.inci.ru/verstniki/vest26.html (Referat einer Tagung 1998 in Wladikawkas).
14.
Vgl. Eva-Maria Auch, Zum Muslimbild deutscher Kaukasusreisender, in: dies./S. Förster (Anm. 8), S. 99.
15.
Vgl. Uwe Halbach, Die Bergvölker (gorcy) als Gegner und Opfer: Der Kaukasus in der Wahrnehmung Rußlands (Ende des 18. Jh. bis 1864), in: Manfred Alexander u.a. (Hrsg.), Kleine Völker in der Geschichte Osteuropas, Stuttgart 1991, S. 52 - 65.
16.
Vgl. Thomas M.Barret, Crossing Boundaries: The Trading Frontiers of the Terek Cossacks, in: D. R. Brower/E. J. Lazzerini (Anm. 9), S. 227 - 248.
17.
Im Zusammenhang mit neu aufgelebten Modernisierungsdiskussionen stellt sich die Frage, ob sich Russland mit seinem Expansionsdrang nicht bereits erschöpft hatte. Konnte die zu spät und staatlich verordnete Modernisierung die Rückständigkeit im Zentrum nur partiell überwinden, blieb es in den Peripherien eher beim Modernisierungsversuch, für dessen Umsetzung die Kräfte Russlands nicht ausreichten. Die Anziehungskraft Russlands für die unterworfenen Völker blieb so begrenzt.
18.
Eine Welt, die sich inzwischen auch von der Puschkins unterschied: Begrenzte Karriere konnte ein Kaukasier nur durch weitgehende Anpassung, also Russifizierung machen. Auf der anderen Seite waren traditionelle Strukturen aufgebrochen, alte Bewährungsfelder für "wahre Männlichkeit" reduziert.
19.
Der Kaukasier sah den Russen zur gleichen Zeit nicht nur als "Un- oder Andersgläubigen", sondern als "Träger einer zerstörten Kultur" (nichts anderes konnte das Verlassen der Herkunftsgemeinschaft bedeuten), als "Schwächling" und "Säufer". Vgl. Z. Sikevic, Nacional'nyj charakter russkich, in: Vestnik StPGU, serija 6 (1995) 4; Ch. Dzucev/A. Cuciev, Strichi k portretu regional'nych ideologij na Severnom Kavkaze, Vladikavkaz 1997.

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Von Osteuropa bis in den äußersten Osten Asiens: So weit sich Russland erstreckt, so vielfältig ist auch das Land. Ein Überblick über Geschichte, Politik, Gesellschaft, Kultur und Geografie eines Landes zwischen Autokratie und Modernisierung.

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