Greta Thunberg wird während eines Interviews gefilmt.

15.11.2019 | Von:
Heike Göbel

Der Markt als Verbündeter im Klimaschutz - Essay

Wirtschaftswachstum und CO2

Klimaökonom Nordhaus hat bereits 1975 empfohlen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Dazu brauche es Wirtschaftswachstum. Er hält Forderungen für schädlich, das Wachstum zu stoppen. In den vergangenen 30 Jahren hätten sich die Lebensbedingungen in der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sehr verbessert, aber noch immer lebten viele Menschen in der Welt nicht so komfortabel wie US-Amerikaner oder Deutsche. Allerdings koste das Einsparen von CO2 Geld, sodass das Wachstum etwas geringer ausfallen könnte: "Sie könnten die Hälfte des CO2-Ausstoßes einsparen, und das würde nur ein Prozent der Wirtschaftsleistung kosten."[8]

Dass sich Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß entkoppeln lassen, ist belegt. Seit 1990 hat Deutschland seinen Ausstoß an Treibhausgasen um 31 Prozent reduziert, während die Wirtschaftsleistung wesentlich stärker gestiegen ist. Auch Schweden hat sein Steuersystem unter Klimaschutzaspekten umgebaut, und seine Wirtschaft ist seit 1995 um 75 Prozent gewachsen, während die Emissionen um 25 Prozent gesunken sind.[9]

Dieses "Wunder" basiert auf technologischem Fortschritt. Vieles mehr ist denkbar. Deutschland möchte 2050 CO2-neutral wirtschaften und leben. Das bedeutet nicht, dass dann gar keine Treibhausgase mehr verursacht werden dürfen. Neutral heißt: Es darf nicht mehr ausgestoßen werden, als sich anderweitig binden lässt. Steigende Kosten für die Vermeidung von CO2 werden dafür sorgen, dass Unternehmen neue Technologien entwickeln, um CO2 abzuscheiden und es in Produkte einzubauen oder sicher im Boden zu verwahren. Die Beratungsfirma Boston Consulting hält das Potenzial für enorm. Derzeit würden über solche Projekte erst 30 Millionen Tonnen CO2 "unschädlich" gemacht, langfristig könnten es zweistellige Milliarden Tonnen sein.[10]

Ein Problem sieht der Ökonom Björn Lomborg darin, dass Unternehmen ihren Blick auf die nächsten zwei bis fünf Jahre richten, während der Horizont für Klimaschutz 20 bis 40 Jahre umfassen muss. Private Forschungsausgaben für Klimaschutz orientierten sich daher eher an kurzfristigen Erträgen, etwa durch Ausschöpfen vorhandener Einsparpotenziale. Die für eine klimaneutrale Welt nötigen Technologiesprünge seien darüber allein nicht zu erwarten, sondern kämen nur, wenn die Staaten viel größere Summen als heute in die Erforschung grüner Technologien steckten.[11]

Fußnoten

8.
Patrick Bernau/Winand von Petersdorff-Campen, William Nordhaus: "Klimaschutz ist nicht sehr teuer", in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3.3.2019, S. 18.
9.
Vgl. Lanz (Anm. 7).
10.
Vgl. Niklas Záboji, Studie: Wiederverwertung von CO2 hat großes Potential, in: FAZ, 8.10.2019, S. 16.
11.
Vgl. Klaus Stratmann/Björn Lomborg, Der Schlüssel sind Innovationen, in: Handelsblatt, 6.9.2019, S. 18.
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