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29.11.2007 | Von:
Elke-Vera Kotowski

Der Fall Dreyfus und die Folgen

Der Skandal um den zu Unrecht beschuldigten jüdischen Hauptmann Dreyfus löste eine Staatskrise in Frankreich aus. Die Affäre ist ein Lehrstück in Zivilcourage und bürgerlicher Mitbestimmung.

Einleitung

Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen" - so untertitelte Theodor Herzl, der Begründer der zionistischen Bewegung, seinen 1902 verfassten utopischen Roman Altneuland, in dem er das Ideal einer künftigen "Heimstatt für Juden" darlegte. Es war kein Märchen, was sich Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich ereignete, jene Affäre um den französischen Hauptmann jüdischen Glaubens, Alfred Dreyfus, die Herzl dazu bewog, fortan sein Augenmerk auf die in Europa immer lauter artikulierte "Judenfrage" zu richten und diese durch einen "Judenstaat" (so auch der Titel seines politischen Hauptwerks, das er 1896 verfasste) zu lösen.






Herzl, als Korrespondent für die Wiener "Neue Freie Presse" seit 1891 in Paris tätig, war Augenzeuge und Berichterstatter jener folgenschweren Ereignisse, die einen Wendepunkt in Frankreich und in der Geschichte der Juden in Europa darstellte. L'Affaire, mit der nahezu jeder französische Bürger die nachhaltigste Gesellschaftskrise der Dritten Republik assoziiert, klingt bis heute nach und stellt einen Markstein im kollektiven Gedächtnis dar, der nicht allein in der Grande Nation, sondern in ganz Europa das gesellschaftliche wie politische Bewusstsein schärfte.