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26.11.2007 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Wachsender ökonomischer Druck und neue Medien stellen die Museen heute vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig zeigen jüngste geschichtspolitische Debatten, dass das Medium Museum noch immer relevant ist.

Befindet sich das Museum in der Krise? Zwar sorgen spektakuläre Neubauten und "Blockbuster-Ausstellungen" immer wieder für Schlagzeilen und lange Besucherschlangen, doch sehen sich Museen heute zunehmender Konkurrenz durch neue Medien ausgesetzt. Der schnelle Rhythmus, das hohe Tempo der heutigen Zeit scheinen dagegen zu sprechen, dass die klassische Ausstellungshalle für nachwachsende, an das Internet gewöhnte Generationen noch ein zeitgemäßes Medium ist. Auch die Finanzlage vieler Museen ist prekär. Weit über 6 000 Häuser streiten in Deutschland um ein Stück vom öffentlichen "Förderkuchen". Ihr Erfolg wird immer stärker anhand ökonomischer Kriterien beurteilt. So sind Museen heute gut beraten, sich neben den traditionellen Aufgaben auch dem modernen Management zu widmen.

Gleichzeitig scheint die Politik den Museen nach wie vor hohen Stellenwert beizumessen. Die hitzig geführte Debatte um die Errichtung eines "sichtbaren Zeichens" zum Gedenken an die Vertriebenen im 20. Jahrhundert belegt dies ebenso wie die viel diskutierte Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Frage, wie und in welchem Umfang welche Aspekte deutscher Geschichte museal präsentiert werden sollen, bleibt ein Politikum.

Fernab geschichtspolitischer Auseinandersetzungen zeigen indes viele kleinere Museen, dass sie auch mit bescheidenen Budgets "lebensnah" soziale Funktionen übernehmen können. Gerade deswegen wäre es falsch, den Wert kultureller Einrichtungen ausschließlich anhand betriebswirtschaftlicher Kennzahlen messen zu wollen.