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16.11.2007 | Von:
Franz Nuscheler

Wie geht es weiter mit der Entwicklungspolitik?

Bei aller Kritik muss die Entwicklungspolitik schon aus "wohlverstandenem Eigeninteresse" weitergehen. Darüber hinaus ist sie eine Frage internationaler Gerechtigkeit und Solidarität.

Einleitung

Der Titel deutet schon an, dass es skeptische Fragen gibt, was die seit einem halben Jahrhundert organisierte und mit viel Geld ausgestattete internationale Entwicklungspolitik bewirkt hat. Je nach Berechnung - und es ist schon umstritten, was aufgrund welcher Kriterien zur ODA (Official Development Assistance) oder "Entwicklungshilfe" gezählt werden kann - schwanken die Zahlenangaben zwischen 1,5 und 2,3 Billionen US-Dollar. Diese aus unzähligen Erfolgskontrollen erwachsene Skepsis wirft natürlich auch Fragen nach der Zukunft der Entwicklungspolitik auf: Was hat sie falsch gemacht, was soll und kann sie anders und besser machen? Welchen neuen Aufgaben muss sie sich unter den Bedingungen der Globalisierung stellen, die ganz andere sind als die geostrategischen Determinanten des Kalten Krieges, die ihre Entstehungs- und Frühgeschichte geprägt haben?






Es gab immer Kritik an der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit. Es fand geradezu ein Wettbewerb zwischen möglichst deftigen Bankrotterklärungen statt, die vom beliebten Wortspiel "Die Hilfe hilft nicht" bis zu ihrer Verteufelung als "tödliche Hilfe" reichten. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts wurde zwar die Einbettung der Entwicklungspolitik in das geostrategische Instrumentarium dieses globalen Konfliktszenarios überflüssig, aber die neuen entwicklungspolitischen Paradigmen und Imperative - wie die Förderung von Good Governance, partizipativer und nachhaltiger Entwicklung - konnten gewachsene und lange von außen protegierte Herrschafts- und Sozialstrukturen nicht schnell und substantiell verändern. Die strukturellen Hypotheken des Kolonialismus vermengten sich mit den destruktiven Hypotheken des Kalten Krieges.