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9.11.2007 | Von:
Stefan Rahmstorf

Klimawandel - einige Fakten

Projektionen

Zur Berechnung von Klimaszenarien benötigt man Emissionsszenarien, also Annahmen über den Verlauf der menschlichen Emissionen von CO2, anderen Treibhausgasen und Aerosolen. Zwischen 1996 und 2000 hat eine Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern für den IPCC 40 solcher Szenarien entwickelt und im Special Report on Emission Scenarios beschrieben (SRES-Szenarien).[15] Sie decken die Bandbreite von ökonomisch plausiblen Entwicklungen ab. Am pessimistischen Ende findet man eine Vervierfachung der CO2-Emissionen bis zum Jahre 2100; die optimistische Variante ist ein moderater weiterer Anstieg, gefolgt von einer allmählichen Abnahme auf einen Bruchteil der heutigen Werte. (Explizite Klimaschutzmaßnahmen wurden nicht berücksichtigt.)

Die CO2-Konzentration steigt in diesen Szenarien bis 2100 auf 540 bis 970ppm (ein Anstieg von bis zu 250 Prozent über den vorindustriellen Normalwert von 280ppm), wenn man annimmt, dass Ozeane und Biosphäre einen unveränderten Anteil unserer Emissionen aufnehmen. Berücksichtigt man noch, dass der Klimawandel auch diese Kohlenstoffaufnahme verändern kann (Rückkopplung des Kohlenstoffkreislaufes), dann vergrößert sich diese Spanne auf 490 bis 1260ppm. Der gesamte anthropogene Strahlungsantrieb im Jahr 2100 (alle Treibhausgase und Aerosole) variiert in diesen Szenarien zwischen vier und neun Watt/m2.

Um die denkbaren Auswirkungen dieser Szenarien auf die globale Mitteltemperatur zu berechnen, wurden für den vorletzten IPCC-Bericht Klimamodelle damit angetrieben, die weitgehend die Spanne der Unsicherheit in der Klimasensitivität erfassen. Im Ergebnis ergab sich eine Erwärmung um 1,14 bis 6,4 Grad für den Zeitraum 1990 bis 2095. Selbst bei sehr optimistischen Annahmen sowohl über die künftigen Emissionen als auch über die Klimasensitivität wird die Erwärmung insgesamt mindestens das Zweieinhalbfache dessen betragen, was wir bislang erlebt haben. Unser Klima wird Temperaturen erreichen, wie es sie wahrscheinlich seit mindestens 100 000 Jahren nicht mehr auf der Erde gegeben hat. Im pessimistischen Fall werden wir die mittlere Temperatur der Erde von ca. 15 Grad Celsius auf über 20 Grad erhöhen - eine Erwärmung, die wohl selbst über viele Jahrmillionen einzigartig wäre. Neuere Studien deuten auf die Gefahr einer größeren Freisetzung von CO2 aus der Biosphäre infolge der Erwärmung hin. Dadurch würde die Konzentration auf noch höhere Werte steigen, und sogar eine globale Erwärmung um sieben oder acht Grad wäre möglich.[16] Könnte es auch glimpflicher ausgehen? Nichts spricht dafür, dass die Natur uns einen noch größeren Anteil unserer Emissionen abnehmen wird als bislang. Alles spricht gegen eine Klimasensitivität, die noch geringer ist als zwei Grad. Auch auf eine rasche und ungewöhnlich starke Abnahme der Sonnenaktivität oder auf kühlende Vulkaneruptionen können wir kaum hoffen.

Fußnoten

15.
Vgl. IPCC (ed.), Special Report on Emissions Scenarios, Cambridge 2000.
16.
Vgl. P.M. Cox u.a., Acceleration of global warming due to carbon-cycle feedbacks in a coupled climate model, in: Nature, 408 (2000), S. 184 - 187.