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9.11.2007 | Von:
Hans von Storch
Nico Stehr

Anpassung an den Klimawandel

In der Annahme, dass Natur beherrschbar sei, werden Abweichungen von der Normalität als schuldhaftes Verhalten interpretiert. Viel seltener wird in die Vorsorge investiert.

Einleitung

Anpassung an die Klimagefahren, Vorsorge vor den Risiken des Klimas sind historisch gesehen normale Vorgehensweisen, die wir alle irgendwie praktizieren. Diese Praxis richtet sich nach einer wahrgenommenen Normalität, die aber oft den Rahmen der tatsächlichen Risiken nicht ausschöpft. In der Annahme, dass die Natur in begrenzter Weise praktisch beherrschbar sei, werden Abweichungen von dieser Normalität als Beweis der Veränderung der Natur und als Wirkung schuldhaften Verhaltens interpretiert. Dieses Verhalten ist zu überwinden, und wir sind auch bereit, unsere eigenen kleinen Beiträge zu leisten. Die alternative Reaktion, nämlich auf eine Unterschätzung des gegenwärtigen Risikos zu schließen und daher mehr in die Strategie der Vorsorge zu investieren, wird sehr viel seltener gewählt.










Diese Einstellungen und Verhaltensweisen lassen sich auch im öffentlich-politischen Raum in Bezug auf Reaktionen auf den anthropogenen Klimawandel beobachten. Im Vordergrund stehen überzogene Abstrafungen der "Skeptiker" sowie gebetsmühlenartig wiederholte Versicherungen, dass sich alles zum Guten entwickelt werde, die Katastrophe abgewendet werden könne, sofern wir nur alle fest genug daran arbeiten. Nur am Rande, wenn überhaupt, wird erwähnt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten nur zu vermindern, aber nicht mehr zu vermeiden ist. Wie die erforderlichen Anpassungs- und Vorsorgemaßnahmen aussehen können, wird ebenso selten öffentlich thematisiert wie die Frage der nationalen und internationalen Verteilung der Lasten oder die Frage nach gesellschaftlichen Entscheidungsmechanismen des Klimafolgenmanagements.

Solange die Frage der Vorsorge trotz erster, aber weitgehend unbeachteter Forschungsbemühungen nicht ernsthaft öffentlich erörtert wird, solange die natürlichen Klimagefahren als beherrscht abgetan und die möglichen zukünftig wachsenden Risiken vor allem als Warnung vor den verheerenden Folgen der herrschenden gesellschaftlichen Praxis instrumentalisiert werden und so die Klimafrage weitgehend als Mittel zum Zweck, als mahnender Aufruf zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen degradiert oder als Motivation zum umweltgerechteren Leben verstanden wird, lässt sich absehen, dass keine praktischen Antworten auf die unmittelbaren Gefahren des Klimas und des Klimawandels gefunden werden.