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2.11.2007 | Von:
Dirk Klose

"Berliner Klassik" - ein Projekt der Akademien der Wissenschaften

In Deutschland gab es um 1800 zwei Klassik-Zentren: Die Weimarer Klassik war auf die Welt der kleinen Residenz und des traditionellen Hoflebens beschränkt, die Berliner Klassik Beginn einer modernen bürgerlichen Kultur in Deutschland, deren stilbildende Folgen gar nicht zu überschätzen sind.

Einleitung

Nach der Niederlage der preußischen Armee gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 schien Preußen am Ende zu sein. Zu offenkundig für jedermann war, dass das vom Sieger zutiefst gedemütigte, in seinem Territorium nahezu halbierte Land nur durch grundlegende Reformen wieder auf die Beine kommen konnte.

Und in der Tat erstaunt bis heute, mit welcher Energie diese in den folgenden Jahren eingeleitet wurden - mit einer Energie, die sich abseits der starren Systeme des Hofes und der Armee aufgestaut hatte, sei es in Staat und Verwaltung (Heinrich Friedrich Karl vom Stein/Karl August von Hardenberg), im Militärwesen (Gerhard von Scharnhorst/August Neidhardt von Gneisenau) oder im Bildungsbereich (Wilhelm von Humboldt).

"Als Poesie gut" - unter diesem Titel hatte der Schriftsteller Günter de Bruyn im vergangenen Jahr ein umfangreiches Buch veröffentlicht, in dem er rund 50 "Schicksale aus Berlins Kunstepoche 1786 bis 1807" - so der Untertitel - schilderte. Neben jenen von Johann Gottfried Schadow, Carl Gotthard Langhans, Friedrich Gilly, Wilhelm von Humboldt, Henriette Herz und Rahel Varnhagen beleuchtet de Bruyn zahlreiche weniger bekannte Biographien aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. In der Summe zeigen diese, in welch ungewöhnlich intensiver Aufbruchstimmung sich die Stadt um die Jahrhundertwende befand und welche außerordentlichen kulturellen Leistungen diesem damals in Deutschland einzigartigen Milieu entsprangen.

Was der seit langem zur preußischen Kulturgeschichte arbeitende Schriftsteller gewissermaßen als "Einzelkämpfer" mit großem Einfühlungsvermögen zusammengetragen hat, das versucht die Wissenschaft - ebenfalls in Berlin - nun schon seit mehreren Jahren systematisch zu erforschen. Seit dem Jahre 2003 gibt es an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) das Projekt "Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800". Es soll Quellen und Archivalien zu eben dieser Zeit erschließen, vor allem aber in geschichtskritischer Absicht anschaulich machen, dass es um 1800 nicht nur ein herausragendes kulturelles Zentrum in Deutschland - Weimar - gegeben hat, sondern eben zwei, die natürlich teils ähnlich, teils aber auch ganz unterschiedlich strukturiert waren.

Angeregt hat das Projekt der Literaturwissenschaftler Conrad Wiedemann, Emeritus der Technischen Universität Berlin. Nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase wurde das Vorhaben im Jahre 2003 formal institutionalisiert, und zwar als Langzeitprojekt der Union der Wissenschaftsakademien in Deutschland, in der alle sieben Akademien (Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, Mainz und München) zusammengefasst sind. Derzeit arbeiten drei Wissenschaftler zu unterschiedlichen Themen; für weitere zehn Untersuchungen wurden Forschungsaufträge vergeben. Bis zum Jahr 2011 soll das Projekt laufen, möglicherweise sogar bis 2014.

Die genaue "Geburtsstunde" des Vorhabens vermag Wiedemann gar nicht mehr genau zu nennen. Möglicherweise war es um das Jahr 1999, als die Feiern zum 250. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes für das wieder vereinte Deutschland auch so etwas wie eine Selbstvergewisserung seines klassischen, in Weimar repräsentierten Erbes wurden. Es war ja längst bekannt, welche große Anzahl geistreicher Persönlichkeiten und welche Fülle kultureller Einrichtungen die preußische Residenzstadt um 1800 beherbergte. Nirgends war die Zahl intelligenter Köpfe größer als hier, wovon ein kurzes Nachdenken zugleich überzeugt:

Gelehrte: die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, der Altertumswissenschaftler Reinhold Niebuhr, der Jurist Friedrich Carl von Savigny, der Gymnasialdirektor und Schulreformer Friedrich Gedike;

Politiker und Militärs: Heinrich Friedrich Carl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Karl August Fürst von Hardenberg, August Neidhardt von Gneisenau, Gerhardt von Scharnhorst und Carl von Clausewitz;

Philosophen: Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schleiermacher;

Bildende Künstler: Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Vater und Sohn Gilly, Carl Gotthard Langhans (Erbauer des Brandenburger Tores), Karl Friedrich Schinkel; Schriftsteller: Karl Philipp Moritz, Ludwig Tieck, Wilhelm Wackenroder, Heinrich von Kleist, Achim von Arnim, E.T.A. Hoffmann;

Theater und Musik: August Wilhelm Iffland, Karl Friedrich Zelter, Johann Friedrich Reichardt;

Bedeutende Frauen: Henriette Herz, Rahel Levin-Varnhagen, Caroline von Humboldt, Bettina von Arnim, Königin Luise.

Sie alle sind längst keine Unbekannten mehr, über fast jede und jeden gibt es eine umfangreiche Literatur und sorgfältige Werkausgaben. Aber auffallend ist, so sagt Conrad Wiedemann, dass dies fast immer Einzelforschung geblieben ist, so wie auch Günter de Bruyns großes Buch die Personen eher aneinander reiht als dass Querverbindungen und Zusammenhänge sichtbar würden. Das aber sei doch der entscheidende Punkt: Die außerordentliche kulturelle Vielfalt, die Quantität von Personen, Ideen und Einrichtungen schlug ganz offensichtlich in Qualität um. Wiedemann: "Realiter ist das klassische Berlin das erste deutsche Versuchslabor urbaner Modernisierung." Anders gesagt: Im Berlin um 1800 zeigt sich die erste großstädtische Bürgerkultur in Deutschland.

Immer wieder müssen sich die Berliner Wissenschaftler die Frage gefallen lassen, ob es ihre Intention sei, Weimar und damit die Weimarer Klassik mit ihren großen Namen zu relativieren. Und ebenso beharrlich weisen sie diesen Verdacht immer wieder zurück. "Goethe ist konkurrenzlos", sagt Wiedemann, "das ist gar keine Frage." Im Rechenschaftsbericht 2007 der Berliner Akademie, der dieser Tage erschienen ist, schreibt er dazu:

"Weimars soziokulturelle Einzigartigkeit verdankt sich zweifellos der Entscheidung Goethes, sein künstlerisches Schicksal nicht an eine der größeren Bürger- oder Residenzstädte des Reiches, sondern eines der landestypischen und politisch unbedeutenden Kleinfürstentümer zu binden (...) Alles weist darauf hin, dass Goethe der personellen und machtfernen Intimität der kleinen, dynastisch regierten Landschaft die größte kulturelle und moralische Kraft zugestand, die das in Auflösung begriffene Reich zu bieten hatte. An eine Rückzugsbewegung zu denken, wäre jedenfalls falsch. Zwar gleicht seine Weimar-Vision einem kulturellen Reservat, doch ist von Beginn an eine exemplarische Außenwirkung im Spiel. Ihren Höhepunkt erreichte sie in den nationalen und sogar europäischen Führungsansprüchen, die um 1800 vom klassischen Weimar und idealistischen Jena erhoben wurden... Es ging, wenigstens temporär, um nichts Geringeres als die Ersetzung des Staates durch die Kulturnation. Es zeigt aber auch, dass der Adressat dieser Vision nicht die Zivilgesellschaft, sondern eine sehr spezifische kulturelle Elite war, die sich ihrerseits in Weimar und Jena figuriert sah. Impulse für eine moderne Umbildung der Gesellschaft sind von dort jedenfalls kaum ausgegangen." [1]

Genau diese aber - Visionen für eine bürgerliche Zivilgesellschaft - seien von Berlin ausgegangen; keine weltbürgerliche Absicht habe dahinter gesteckt, sondern einfach die Tatsache, dass nach 1786, nach dem Tod Friedrich des II., das bis dahin gefesselte Emanzipationsbedürfnis der Berliner Intelligenz geradezu "explosionsartig" freigesetzt worden sei. In der Tat gibt es zahlreiche Zeugnisse dafür, wie sehr das Regierungssystem Friedrichs in dessen letzten Lebensjahren mehr und mehr erstarrte. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II öffnete, ohne es wohl dezidiert gewollt zu haben, durch größere Liberalität die Schleusen für eine bis dahin gänzlich unbekannte bürgerliche Geselligkeit, die in den folgenden Jahrzehnten das Bild der Stadt prägte, die ihr Ideal in einer konsequenten Ich-Verwirklichung sah und in ihrer sozialen und intellektuellen Ausstrahlung nichts Vergleichbares hatte.

Nicht irgendwelche Animositäten gegenüber Weimar oder gar "Berliner Großmannssucht" bestimmten also die Überlegungen zu diesem Projekt, sondern eben das Erstaunen, wie wenig die bekannten Einzelphänomene bisher zusammengesehen wurden. In der Vorbereitungsphase hatte sich Wiedemann mit zahlreichen Akademiemitgliedern aus anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Klassen beraten, um die "dem disziplinären Tunnelblick weitgehend verborgene Fülle synchroner innovativer Ideen und Experimente" für die Forschung zu entdecken. Gleichsam als Fazit wird auf der Website der Akademie festgehalten:

"Da es markante ideen- und kunstgeschichtliche Gemeinsamkeiten zwischen Weimar und Berlin gibt, mussten die Kriterien der Berliner Anders- und Eigenwertigkeit zunächst aus dem Vergleich heraus entwickelt werden. Dabei traten in der Tat zwei völlig konträre Kulturtypologien zutage. Während die Weimarer Klassik` sich nur am äußersten Rande der Zeitgeschichte bewegt, bleibt die Berliner Klassik` getreu ihrer friderizianischen Vorgeschichte dramatisch in sie verwickelt. Während in Weimar ein kleiner, relativ homogener und immobiler Personenkreis in einem fast gesellschaftslosen Raum agiert, herrscht in Berlin das Stimmen- und Interessengewirr einer multiplen Kulturlandschaft. Während in Weimar ausschließlich das Medium Literatur und die integrative Gestaltungskraft einer Ausnahmepersönlichkeit (Goethe) bestimmend ist, sind in Berlin mehr oder minder alle Künste, Disziplinen, Stände und Geistesrichtungen der Zeit prominent vertreten und die traditionellen Grenzziehungen, nicht zuletzt die sozialen, weitgehend dispensiert. Weimar stellt sich somit als soziales Kunstgebilde (ein zusammengerufener Musenhof) und als Wunschbild einer machtgeschützten deutschen Provinzialkultur dar, während Berlin aus der gewachsenen Tradition einer höfisch-bürgerlich-deutsch-französisch-jüdischen Aufklärung schöpfen kann und seine auffällig pragmatischen Emanzipationsentwürfe in Kunst, Wissenschaft und Politik im kulturkämpferischen Klima einer vitalen Stadtgesellschaft hervorbringt."[2]

Die Berliner Wissenschaftler ziehen daraus die Schlussfolgerung: "Berlin ist um 1800 eine genuine Parallele und Alternative zum Geist von Weimar/Jena, in vielem verwandt, in vielem konträr. Im Hinblick auf seine Institutionen und normenbildende Kraft (Universität, Salon, Kunst- und Wissenschaftsautonomie), seine praktizierte Toleranz, seine juden- und frauenemanzipatorischen Erfolge und seine experimentelle Kunstpraxis ist es zweifellos moderner."[3] Welches könnten nun die soeben erwähnten "Ideen", vor allem aber die konkreten "Experimente" sein, die sich an dieser kulturellen Gemengelage festmachen lassen? Im Akademiebericht werden als Beispiele genannt:
  • der Philosoph (und Lessingfreund) Moses Mendelssohn für die beginnende Emanzipation der Juden in Berlin, was sich in den Salons oder besser: in den Personen der Henriette Herz und Rahel Levin-Varnhagens fortsetzt und am deutlichsten manifestiert. Der Schlusspunkt war dann das Gleichstellungsgesetz für die Juden von 1812.
  • die Herleitung der bürgerlichen Selbstbestimmung aus der athenischen polis`, wie sie im Bildungsbereich von Wilhelm von Humboldt für ein humanistisches Gymnasium und 1810 in der Gründung der selbstbestimmten Berliner Universität verwirklicht und wie sie in der Bildenden Kunst durch Langhans' und Schadows Umdeutung der höfischen in einen bürgerlichen Klassizismus (Brandenburger Tor, Prinzessinnenpaar) erreicht wurde;
  • die Grundlegung der deutschen Romantik durch Ludwig Tieck (Geistergeschichten) und Wilhelm Wackenroder ("Herzensergießungen") schon ab 1793, was auch und gerade in einer Stadt, die in ihrer Verehrung der - klassischen - Dichtung Goethes und Schillers keine Grenzen kannte, möglich war;
  • moderne Verfassungskonzepte wie das Allgemeine Preußische Landrecht von 1794 und später die Stein-Hardenbergischen Reformen (Aufhebung der Stände und Bauernbefreiung) sowie die Militärreformen von Scharnhorst und Gneisenau (allgemeine Wehrpflicht, Offizierslaufbahnen auch für Bürgerliche, Abschaffung der Prügelstrafe);
  • Alexander von Humboldts wissenschaftliche Forschungsreisen nach Südamerika in weltbeschreibender und damit kosmopolitischer Absicht: eine Naturwissenschaft mit idealistischem Anspruch;
  • die Herausbildung einer modernen Autonomieästhetik und eine Psychologisierung des Unbewussten durch den Schriftsteller Karl Philipp Moritz, der - nicht zuletzt durch das Editionsvorhaben aller Moritz'schen Werke an der Akademie - inzwischen als einer der großen Autoren dieser Zeit wiederentdeckt worden ist;
  • die radikalliberalen Salons der Henriette Herz und Rahel Levin-Varnhagens als Beispiele einer neuen bürgerlichen Gesellschaftsform;
  • Schleiermachers philosophische Neubegründung der Religion aus dem Gefühl kosmischer Unendlichkeit, ferner seine Begründung der modernen Hermeneutik;
  • Ifflands Konzept eines deutschen Nationaltheaters für alle Schichten. Das Publikum "zog mit", Theateraufführungen, aber auch Klatsch und Tratsch waren Themen der ganzen Stadt, was auch zur Folge hatte, dass die Zeitungen (Vossische, Haude- und Spenersche) viel stärker als früher auf das Theatergeschehen eingingen und - ein Novum in der deutschen Pressegeschichte - fast täglich (!) Theaterkritiken brachten;
  • Anfänge einer bürgerlichen Konzertkultur durch die von Karl Friedrich Fasch gegründete und dann von Karl Friedrich Zelters endgültig etablierte Singakademie, die schon bald nach ihrer Gründung annähernd 200 Mitglieder aus allen Berliner Bevölkerungsschichten zählte;
  • Niebuhrs Begründung der Historischen Schule aus dem Geist der Quellenkritik, womit die vielgerühmte preußische Alter- tumsforschung ihren Anfang nahm. Die Antike war ohnehin schon durch Humboldts Reformen allgemeines Bildungsgut geworden, Berlin hatte sich zum sprichwörtlichen "Spree-Athen" entwickelt.
  • die bahnbrechende Begründung der vergleichenden Sprachwissenschaft durch den "alten" Wilhelm von Humboldt, die besonders die Kulturen Vorder- und Südasiens den Europäern näherbrachte.
Wie sah die städtische Infrastruktur aus, die eine solch erstaunliche "Klassik" hervorbrachte? Berlin hatte um 1800 knapp 200 000 Einwohner und stand damit an neunter Stelle in Europa. Größte Stadt war London mit über eine Million Einwohnern, gefolgt von Paris (580 000) und Neapel (440 000), dann Wien, St. Petersburg, Moskau, Amsterdam und Lissabon. Berlin bestand aus fünf Städten (Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt, Friedrichstadt) und fünf Vorstädten (Königstadt, Spandauer-, Stralauer-, Köpenicker- und Rosenthaler Vorstadt). 85 Prozent der Bevölkerung waren Zivilpersonen, 15 Prozent Militärs.

Zu den wichtigsten kulturellen und sozialen Einrichtungen zählten die Akademie der Wissenschaften, die Akademie der Künste, ein Botanischer Garten (ab 1715), die Charité (ab 1710), eine Bergakademie (ab 1770), eine Tierarzneischule (ab 1790) und eine Bauakademie. Es gab fünf Gymnasien (Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster, Französisches Gymnasium, Friedrich-Werdersches-Gymnasium, Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Königlich Joachimsthalsches Gymnasium). Um 1800 war Berlin nach Leipzig die zweitgrößte Verlagsstadt: 27 Buchhändler, 20 Buchdrucker und 52 Buchbindereien, von denen die größten bis zu 90 Beschäftigte hatten, zeugen davon.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig war die Textilherstellung und -verarbeitung, in der jeder achte erwachsene Berliner arbeitete. Ferner hatten Manufakturen für Metallwaren und Leder und die Königliche Porzellanmanufaktur große Bedeutung. Um 1800 waren ein Drittel aller Beschäftigten Kinder und Jugendliche. Die Niederlage Preußens gegen Napoleon und die folgende französische Besetzung bedeuteten für die Stadt eine wirtschaftliche Katastrophe; mit der Abtragung der Kriegskontributionen war sie bis 1861(!) belastet.

Bei dem Versuch, das Geschilderte zusammenzufassen, wird man gleichermaßen Aufklärung und Klassizismus, Romantik, Idealismus und erste Spuren von Biedermeier in einem anregenden Miteinander sehen können. Entsprechend der Intention, das Berliner Geschehen in Ergänzung und Abgrenzung zur Weimarer Klassik zu interpretieren, gründet das Vorhaben auf geisteswissenschaftlichen Disziplinen wie Philosophie, Literatur-, Theater- und Musikwissenschaft. Bisher wurden drei Forschungsprojekte zu den Themen "Nationaltheater", "Geselliges Leben" und "Geschmackspolitik" eingerichtet. Ferner sind zehn Werkverträge vergeben worden, in denen teils Persönlichkeiten wie Carl Gotthard Langhans, der Fabrikant und Architekt Louis Catel oder einige Minister unter Friedrich Wilhelm II. vorgestellt, teils bestimmte Sachthemen wie das Berliner Verlagswesen, Bibliographien und Zeitschriften oder die Protokolle der Akademie der Künste behandelt werden. Es sind vor allem archivalische Forschungsprojekte und Dokumentationen, die bislang eine Fülle von Quellen und Texten erschlossen und diese zum Teil nach jahrhundertelangem "Dornröschenschlaf" wieder in die Erinnerung zurückgerufen haben.

Dabei will man ganz bewusst nicht im Elfenbeinturm geisteswissenschaftlicher Forschung bleiben. Das Projekt ist vielmehr als "work in progress" angelegt; interessierte Wissenschaftler, ja überhaupt eine interessierte Öffentlichkeit sollen laufend über den Stand der Forschung informiert werden und Zugriff auf bisher Geleistetes erhalten. Dem dient die Website der Akademie (www.berliner-klassik.de ), die inzwischen eine Fülle von Daten aufweist und ständig ergänzt wird. Deren wichtigste Angebote sollen kurz dargestellt werden.

Fußnoten

1.
Die Akademie am Gendarmenmarkt 2007, hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2007, S. 112.
2.
www.berliner-klassik.de
3.
Ebd.