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24.9.2007 | Von:
Tobias Wunschik

Baader-Meinhof international?

Die RAF, die "Bewegung 2. Juni" und die Revolutionären Zellen verfügten über internationale Verbindungen. Anfang der 1980er Jahre wurde die RAF vom MfS der DDR protegiert.

Einleitung

Lange vor den Terroranschlägen der Al-Qaida in den USA am 11. September 2001 erschütterte in den 1970er und 1980er Jahren ein "hausgemachter" Terrorismus die Bundesrepublik Deutschland. Die internationale Dimension des deutschen Linksterrorismus nimmt sich auf den ersten Blick bescheiden aus, verglichen mit den Anschlägen des islamistischen Terrornetzwerks auf fast allen Kontinenten, seinen weltweit rekrutierten Kadern und seinen Nachrichtenwegen über das World-wide-web.[1] Die Wurzeln der politisch motivierten Gewalt lagen großenteils in der Bundesrepublik, die RAF-Mitglieder waren Deutsche, und nur selten kam es zu Anschlägen jenseits der Landesgrenzen.






Doch auch das Vorgehen von Roter Armee Fraktion (RAF), der "Bewegung 2. Juni" und Revolutionären Zellen (RZ) besaß eine internationale Dimension. Die politisch motivierte Gewalt gilt zumeist weniger den unmittelbar Angegriffenen selbst, sondern dem dahinter vermuteten Gegner[2] - etwa den westlichen Demokratien und der amerikanischen Führungsmacht (dem "Imperialismus").[3] Gerade die RAF betrachtete sich als Teil einer weltweiten Front und pflegte intensive Kontakte zu anderen (links-)terroristischen Organisationen in Westeuropa, was in gemeinsamen Bekennerschreiben und Strategiepapieren zum Ausdruck kam.

Die internationalen Verbindungen nährten Motivation und Selbstverständnis (bzw. Selbstüberschätzung) der Terroristen und waren vor allem von praktischem Nutzen. So wurden gelegentlich knappe Ressourcen wie Waffen, Sprengstoff oder Geld miteinander geteilt. Vielfach wurde im Ausland ein militärisches Training absolviert und verfolgungsfreier Aufenthalt gesucht - meist im Nahen Osten, zeitweilig aber auch in der DDR. Nachfolgend gilt es zu prüfen, wie eng und bedeutsam die internationale "Anbindung" der deutschen "Stadtguerilla" tatsächlich war, wurde darüber doch schon vielfach spekuliert.[4]

Fußnoten

1.
Vgl. Ulrich Schneckener, Transnationaler Terrorismus. Charakter und Hintergründe des "neuen" Terrorismus, Frankfurt/M. 2006, S. 12 - 14.
2.
Vgl. u.a. Peter Waldmann, Terrorismus. Provokation der Macht, München 1998, S. 12 - 13.
3.
Vgl. u.a. Oliver Tolmein, Vom Deutschen Herbst zum 11. September. Die RAF, der Terrorismus und der Staat, Hamburg 2002.
4.
Vgl. die teilweise spekulativen Studien von Michael Müller/Andreas Kanonenberg, Die RAF-Stasi-Connection, Berlin 1992, sowie Claire Sterling, The terror network. The secret war of international terrorism, New York 1981. Vgl. dazu Bob Woodward, Geheimcode Veil. Reagan und die geheimen Kriege der CIA, München 1987, S. 150 - 154.