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14.9.2007 | Von:
Conrad Schetter

Lokale Macht- und Gewaltstrukturen in Afghanistan

Das Fehlen von Staatlichkeit bedingt, dass in Afghanistan lokale Macht- und Gewaltkonstellationen dominieren, die in der Regel als Kriegsfürstentum umschrieben werden.

Einleitung

Die militärische Intervention der von den USA geführten Coalition against Terrorism im Herbst 2001 sollte nicht nur das Taliban-Regime hinwegfegen und die Horte des Terrorismus beseitigen, sondern gleichzeitig die Befriedung und den Wiederaufbau Afghanistans einleiten.

Sechs Jahre später scheint Afghanistan von dieser Zielsetzung weit entfernt. Nicht nur erleben die Taliban ein Revival und kontrollieren bereits ganze Distrikte in Südafghanistan, sondern auch andernorts stellen die lokalen Gegebenheiten eine enorme Herausforderung für den Wiederaufbau und eine Modernisierung Afghanistans dar. So dominieren gegenwärtig lokale Macht- und Gewaltstrukturen das Land, die Analytiker gern als "Kriegsfürstentum" umschreiben.[1] Diese lokalen Herrschaftsstrukturen sind hochdynamisch, folgen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und stehen modernen, auf Staatlichkeit basierenden Herrschaftsvorstellungen entgegen. Die wesentliche Ursache für die starke lokale Verortung von Macht und Gewalt in Afghanistan liegt darin begründet, dass eine staatliche Durchdringung Afghanistans niemals stattfand, ein staatliches Gewaltmonopol fehlt und der Staat im besten Falle eine Ressource für lokale Eliten darstellt.

Fußnoten

1.
Mark Sedra, Challenging the Warlord Culture, Security Sector Reform in Post-Taliban Afghanistan, Bonn International Center for Conversion (BICC Paper 25), 2002, in: http://www.bicc.de/publications/ papers/paper25/paper25.pdf (17. 8. 2007); Conrad Schetter, Kriegsfürstentum und Bürgerkriegsökonomien in Afghanistan. Köln (Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Außenpolitik 4), 2004, in: http://www.politik.uni-koeln.de/jaeger/downloads/aipa030 4.pdf (17. 8. 2007).