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20.8.2007 | Von:
Hubert Kleinert

Abstieg der Parteiendemokratie

Die Glanzzeit der Parteiendemokratie

Bei allen Schattenseiten, welche die Politisierungswelle dieser Zeit auch hatte und die sich in einer starken Reideologisierung und Polarisierung niederschlug, von der besonders die Sozialdemokraten betroffen waren, wo jetzt viele Junge von "antikapitalistischen Systemreformen" träumten: In jener Zeit ist die Politik in der Bundesrepublik dem parteiendemokratischen Idealbild, nach dem Parteien die verschiedenen Strömungen einer aktiven und partizipationsgeneigten Bürgerschaft bündeln und im Angebot alternativer Politikkonzepte der Wählerschaft zur Entscheidung vorlegen, wohl am nächsten gekommen, zumal das Innenleben dieser Parteien selbst in hohem Maße von öffentlich nachvollziehbaren Debatten über Grundorientierungen geprägt war. Das galt besonders für die SPD.

Natürlich ist der überragende Wahlsieg der Sozialdemokraten 1972 auch der persönliche Erfolg von Willy Brandt gewesen; fraglos aber war diese Wahl vor allem ein Plebiszit über die Ostpolitik und den innenpolitischen Reformkurs. (Fast) jeder wusste, worum es ging. Die beispiellose Identifikation und Gegenidentifikation in der bundesdeutschen Gesellschaft von damals, die zu einer bis heute nie wieder erreichten Wahlbeteiligung von 92 Prozent führte, verlief ziemlich genau entlang der voneinander unterscheidbaren politischen Angebote. Kein hochgejazztes Kandidatenduell war dazu nötig - und nur wenige Spin-Doctors.