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20.8.2007 | Von:
Paul Lucardie

Populismus im Parteiensystem in Deutschland und den Niederlanden

Populismus

Eine knappe und brauchbare Definition gibt die britische Politologin Margaret Canovan: Populismus sei "an appeal to ,the people` against both the established structure of power and the dominant ideas and values of the society".[1] Populisten appellieren also an das Volk, das oft als eine homogene Masse mit identischen Interessen und Werten dargestellt wird. Die etablierten Parteien würden die Interessen der Elite und nicht die des Volkes vertreten. Nur die populistischen Parteien seien bereit und imstande, die Macht dem Volke zurückzugeben, besonders durch ihr Bestreben, eine Direktwahl der politischen Führer zu ermöglichen und Volksentscheide und -begehren zu erleichtern.

In dieser Betrachtungsweise ist Populismus weder ein Politikstil noch eine vollständige Ideologie, sondern eine "partielle" oder "dünne" Ideologie, die leicht mit Bruchstücken von anderen Ideologien wie Sozialismus, Nationalismus, Liberalismus oder Konservatismus kombiniert werden kann.[2] In der Theorie ist Populismus demokratisch, in der Praxis können Populisten genausogut antidemokratisch handeln. Der neuere oder Neo-Populismus, der am Ende des 20. Jahrhunderts überall in Westeuropa aufkam, verband sich meist mit Nationalismus, Wertkonservatismus und manchmal mit Wirtschaftsliberalismus. Dieser wird oft, nicht immer zu Recht, als rechtsextrem abqualifiziert - auch in den beiden Ländern. Hier soll nun versucht werden, Populismus ohne Werturteil zu analysieren.

Fußnoten

1.
Die Forschung für diesen Beitrag wurde teilweise finanziert von der Niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO). Außerdem möchte ich mich bei Dr. Barbara Wasner (Universität Passau) für ihre Hilfe bedanken.

Margaret Canovan, Trust the People! Populism and the Two Faces of Democracy, in: Political Studies, 47 (1999) 1, S. 2 - 16.
2.
Vgl. Hans-Jürgen Puhle, Zwischen Protest und Politikstil: Populismus, Neo-Populismus und Demokratie, in: Nikolaus Werz (Hrsg.), Populismus. Populisten in Übersee und Europa, Opladen 2003.