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9.8.2007 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

Die ehemals klaren Grenzen zwischen den Bereichen Arbeit und Privatleben verwischen sich. Einerseits erlaubt es diese Entwicklung den Menschen, ihre Persönlichkeit stärker in den Arbeitsprozess einzubringen, andererseits werden sie nun mit allen ihren Ressourcen immer stärker ökonomischen Zielen unterworfen.

Die ehemals klaren Grenzen zwischen den Bereichen Arbeit und Privatleben verwischen sich; Sozialwissenschaftler sprechen von "Entgrenzung". Einerseits erlaubt es diese Entwicklung den Menschen, ihre Persönlichkeit stärker in den Arbeitsprozess einzubringen; auch wird eine räumliche und zeitliche Vermischung beider Lebensbereiche möglich. Andererseits wird nun der Mensch mit allen seinen Ressourcen immer stärker ökonomischen Zielen unterworfen. Damit sind für den Einzelnen sowohl Chancen als auch Risiken verbunden.

Dem Prozess der Entgrenzung kann sich heute kaum jemand mehr entziehen. Auch private Raum-Zeit-Inseln wie die Wohnung verlieren tendenziell ihre bisherige Bedeutung. Die modernen Kommunikationstechnologien erlauben Einbrüche in den bislang durch natürliche und soziale Rhythmen klar strukturierten sozialen Alltag - so werden Übergriffe aus dem Bereich der Arbeit in den des Privatlebens möglich. Davon bleiben auch die sozialen Beziehungen nicht unberührt, erst recht dann nicht, wenn Kinder im Spiel sind.

Unter den neuen Bedingungen müssen die Individuen selbst für Abgrenzung sorgen, in verstärktem Maße selbst zeitliche und räumliche Grenzen ziehen. Nur so kann überbordenden Ansprüchen aus dem Erwerbsbereich begegnet werden. Wer dazu aus objektiven wie subjektiven Gründen nicht oder weniger gut in der Lage ist, wird stärker als andere dem wachsenden Zugriff des Arbeitgebers ausgesetzt sein. Zugleich ist absehbar, dass bei der Vergabe von Arbeitsplätzen diejenigen besser zum Zuge kommen werden, die sich mit "Haut und Haaren" zur Verfügung stellen.