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9.8.2007 | Von:
Ruth Stock-Homburg
Eva-Maria Bauer

Work-Life-Balance im Topmanagement

Risiken einer fehlenden Work-Life-Balance

Die Ergebnisse der Darmstädter Work-Life-Balance Studie zeigen, dass Überarbeitung und mangelnder privater Ausgleich sich insbesondere auf zwei Bereiche - auf den Erfolg des Unternehmens sowie die Befindlichkeit der Manager - auswirken:

Eine mangelnde Work-Life-Balance von Topmanagern kann für den Erfolg der von ihnen geführten Unternehmen eine ernsthafte Bedrohung darstellen. So wurden von den Befragten unter anderem folgende Auswirkungen auf deren Leistungsfähigkeit und damit auf den Erfolg ihres Unternehmens berichtet:
  • Rückgang der Entscheidungsqualität;
  • mangelnde Qualität der Arbeitsergebnisse;
  • Rücknahme des eigenen Engagements für das Unternehmen;
  • Ausstrahlungseffekte über das eigene Führungsverhalten auf die Unternehmenskultur und die Mitarbeiter;
  • Beeinträchtigung der eigenen strategischen Orientierung in Form von "blindem Aktionismus" und Unterordnung strategischer Ziele zugunsten operativer Notwendigkeiten;
  • erhöhte Anfälligkeit für "unsaubere" Geschäftspraktiken als auch
  • zeitweilige und dauerhafte Ausfälle aufgrund von Krankheit.

    Durch eine Reduktion des beruflichen Engagements in Verbindung mit sinkender Leistungsfähigkeit bis hin zur Absicht, die Arbeit ganz aufzugeben, können gerade Topmanager ihren Unternehmen erheblichen Schaden zufügen. Ihr aufgrund solcher Entwicklungen drohender Ausfall kann für Unternehmen mit enormen Kosten einhergehen: "Die Kosten für den Ausfall eines Topmanagers, der unter Burnout oder Workaholismus leidet, gehen pro Jahr schätzungsweise in den sechs- bis siebenstelligen Millionenbereich."[4] Eine langfristige berufliche Überlastung kann also auch für das Unternehmen schwerwiegende Folgen haben.

    Wie kommt der Rückgang der Arbeitsleistung in Verbindung mit fehlender Work-Life-Balance bei Topmanagern zustande? Die Ergebnisse der Darmstädter Work-Life-Balance Studie zeigen, dass sich Überarbeitung und mangelnder Ausgleich zunächst auf die psychische und körperliche Befindlichkeit auswirken. Hierbei fühlt sich der Manager beispielsweise müde, kraftlos und zunehmend unzufrieden mit seiner Lebenssituation.Zudem nimmt durch die Überlastung die mentale Leistungsfähigkeit (Aufmerksamkeit, Konzentration, Kreativität) der Betroffenen ab. Diese Beeinträchtigung der psychischen und körperlichen Gesundheit sowie der mentalen Leistungsfähigkeit führt zu der zuvor beschriebenen reduzierten Arbeitsleistung der Manager und damit zu reduziertem Unternehmenserfolg (vgl. Abbildung 2 der PDF-Version).

    Warum unterliegen Manager in unterschiedlichem Ausmaß dem Risiko der Überforderung? Wieso ist ein Großteil der Manager trotz hoher Arbeitsanforderungen leistungsfähig und erfolgreich? Zunächst ist festzuhalten, dass hohe Arbeitsanforderungen per se nicht problematisch für Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind. Vielmehr gilt es in der Wissenschaft als erwiesen, dass hohe Anforderungen den Aufbau umfassender Kompetenzen ermöglichen und damit auch den Erhalt von Leistungsfähigkeit und Motivation von Personen unterstützen.[5] Auch die Ergebnisse der Darmstädter Work-Life-Balance Studie zeigen, dass sich die meisten der Befragten mit großer Begeisterung und Hingabe für den Beruf engagieren. Häufig tragen die Manager die Verantwortung gerne und ziehen aus Erfolgen an ihrem Arbeitsplatz viel Bestätigung und Kraft für neue Aufgaben. Die positiven Auswirkungen, die sich aus der Kombination einer vorhandenen Work-Life-Balance und hohen Arbeitsanforderungen ergeben, stellt Abbildung 3 im rechten oberen Feld dar (vgl. PDF-Version).

    Risiko eines sehr hohen beruflichen Engagements ist jedoch die Vernachlässigung des Privatlebens. In den Interviews zeigte sich beispielsweise, dass heutige Väter die mangelnde Präsenz zu Hause als Verlust empfinden. Ein Geschäftsführer mit Familie stellt fest: "[...] aufgrund der zeitlichen Inanspruchnahme ist es schon so, dass ich mir als Familienvater überlege: Verbringe ich noch genügend Zeit mit meinen Kindern? [...] Da steht die Familie in direktem Konflikt zur Arbeit." Zu welchen gravierenden Auswirkungen eine mangelnde Work-Life-Balance führen kann, wurde zuvor bereits beschrieben (vgl. auch Abbildung 3 der PDF-Version).

    Die große Herausforderung für das Topmanagement ist es demnach, sich trotz der hohen zeitlichen Einbindung und der auch inhaltlich hohen Anforderungen der Arbeit nicht ganz von dieser vereinnahmen zu lassen. Wichtig für den Erhalt der eigenen Gesundheit und Leistungsfähigkeit jedes Topmanagers ist es, einerseits das berufliche Leben so zu gestalten, dass aus den hohen Anforderungen keine Überlastung resultiert. Andererseits sollten das Leben und die Kontakte außerhalb des Berufs als Erholungsinsel zum Tanken neuer Energie genutzt und so die Work-Life-Balance langfristig gesichert werden.

  • Fußnoten

    4.
    Jutta Witte, Wenn Topmanager ausgebrannt sind, kann der Schaden in die Millionen gehen, in: vdi-nachrichten vom 9. 2. 2007.
    5.
    Vgl. u.a. J. Richard Hackman/Greg R. Oldham, Work redesign, Addison-Wesley 1980.