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30.7.2007 | Von:
Dirk Loerwald

Ökonomische Bildung für bildungsferne Milieus

Auch die Bildungsfernen können von Grundwissen über wirtschaftliche Zusammenhänge profitieren, da "ökonomischer Analphabetismus" nicht selten zu der prekären Lage beiträgt, in der sie sich befinden.

Einleitung

Einem möglichst hohen Maß an Bildung kommt in modernen, marktwirtschaftlich orientierten Demokratien große Bedeutung zu.[1] Bildung ist aus individueller Perspektive ein "demokratisches Bürgerrecht"[2] und Grundlage für selbstbestimmtes Handeln. Aus gesellschaftlicher Perspektive ist Bildung eine soziale, kulturelle, politische und ökonomische Notwendigkeit. Dementsprechend ist die hohe Bildungsbeteiligung aller gesellschaftlicher Gruppen ein wichtiges gesellschaftliches Ziel.[3] Dieses Ziel hat das deutsche Bildungssystem noch nicht erreicht. Es kann zwar - gemessen an der Zahl der höheren Bildungsabschlüsse - in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Bildungsexpansion verzeichnet werden,[4] aber die Bildungschancen sind weiterhin ungleich verteilt.






Die Zusammenhänge zwischen einem schwachen sozialen Hintergrund und einem niedrigen Bildungsniveau sind in Deutschland auffallend hoch. Es existiert eine bildungsferne Schicht, deren Bildungsmängel so gravierend sind, dass daraus individuell prekäre Lebenslagen und gesellschaftliche Probleme erwachsen. Zur Entschärfung dieser Probleme sind geeignete Bildungsmaßnahmen zu entwickeln, die dieser bisher hochgradig vernachlässigten Zielgruppe ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung ermöglichen. Dazu sind zwei Fragen zu beantworten. Erstens: Wie können die Bildungsfernen erreicht werden? Und zweitens: Was ist der elementare und unverzichtbare Kern der bildungsrelevanten Fächer?

Die zweite Frage ist sachlogisch vorgelagert. Im Folgenden soll ein Versuch unternommen werden, sich dieser Frage aus Sicht der ökonomischen Bildung zu nähern. Dazu soll zunächst die Zielgruppe der Bildungsfernen beschrieben werden. Darauf aufbauend soll der Beitrag einer auf Allgemeinbildung zielenden ökonomischen Bildung für diese Zielgruppe skizziert werden.

Fußnoten

1.
Die Überlegungen zu diesem Beitrag sind im Rahmen der Mitarbeit in einer Projektgruppe der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem Titel "Politikferne Zielgruppen" gereift. Mein Dank gilt den Beteiligten dieses Projektes für Anregungen und konstruktive Kritik.
2.
Wolfgang Klafki, Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik - Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik, Weinheim 19965.
3.
Vgl. Aktionsrat Bildung, Bildungsgerechtigkeit. Jahresgutachten 2007, Wiesbaden 2007.
4.
Vgl. Klaus Klemm, Chancengleichheit - Chancenungleichheit. Wohin steuern wir? Vortrag auf der AFB-Wahlkonferenz am 20. 3. 1999 in Krefeld; www.ggg-nrw.de/Lager/Klemm.1999 - 03 - 20.html (8.6. 2007).