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30.7.2007 | Von:
Dirk Loerwald

Ökonomische Bildung für bildungsferne Milieus

Was bedeutet "bildungsfern"?

Bildung kann pragmatisch definiert werden als "Ergebnis von Lernerfahrungen".[5] Nicht allen können Lernerfahrungen in gleicher Qualität oder in gleichem Ausmaß zuteil werden bzw. nicht alle sind gleichermaßen in der Lage, die ihnen zuteil werdenden Lernerfahrungen bildungswirksam zu nutzen. In jeder Gesellschaft gibt es bildungsnahe und bildungsferne Individuen.

Ein statistisch leicht zu erhebendes quantitatives Maß für Bildungsdefizite ist das Fehlen eines Schulabschlusses. Im Bildungsmonitor des Institutes der deutschen Wirtschaft und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wird der Begriff "Bildungsarmut" wie folgt definiert: "Eine Person gilt dann als bildungsarm, wenn sie in den Frühphasen ihrer Bildungsbiographie nicht erfolgreich ist und keinen Abschluss auf Sek.-II-Niveau erlangt oder noch innerhalb der Schullaufbahn nicht die erforderliche Ausbildungs- und Beschäftigungsreife aufweist."[6] Ein vielfach verwendetes qualitatives Maß für elementare Bildungsmängel sind grundlegende Defizite in den drei traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und elementares Rechnen, die sich darin äußern, dass selbst einfache schriftliche, sprachliche oder rechnerische Aufgaben des Alltags nicht eigenständig bewältigt werden können.

Das Problem der Bildungsfernen beschränkt sich aber nicht darauf. Eine demokratische und marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaft ist angewiesen auf Individuen, die in der Lage sind, selbstbestimmt und sozial verantwortet zu handeln. Umgekehrt können auch nur diejenigen das Leben in einer solchen Gesellschaft bewältigen und gestalten, die die typischen Herausforderungen des Alltags durchschauen und die es verstehen, die Chancen zur Teilhabe an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu nutzen. Dies verlangt ein Mindestmaß an Bildung, welches über die Beherrschung von Kulturtechniken hinausgeht, und es ist eine zentrale Aufgabe aller Bereiche der modernen Allgemeinbildung, zu bestimmen, was das Mindestmaß an bereichsspezifischem Wissen und Können ist.

Fußnoten

5.
Werner Wiater, Bildung und Erziehung als Aufgabe der Schule, in: Hans-Jürgen Apel/Werner Sacher (Hrsg.), Studienbuch Schulpädagogik, Bad Heilbrunn 20052, S. 301 - 326, hier: S. 310.
6.
Axel Plünnecke/Oliver Stettes, Der Bildungsmonitor. Das Benchmarking der Bildungssysteme in den Bundesländern aus bildungsökonomischer Perspektive, Köln 2006, S. 31.