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30.7.2007 | Von:
Reinhard Zedler

Politische Bildung in der dualen Berufsausbildung

Die duale Berufsausbildung hat im öffentlichen Diskurs nicht die gebührende Wertschätzung. Ein innovativer Ansatz für den Politikunterricht an Berufsschulen besteht in der Handlungsorientierung.

Einleitung

Demokratie ist auf Bildung angewiesen, und damit auch auf politische Bildung. Diesen grundlegenden Zusammenhang hat Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Rede "Bildung für alle" am 21. September 2006 herausgestellt: "Unsere freiheitliche Gesellschaft lebt davon, dass mündige Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für sich und für das Gemeinwohl übernehmen. Eine Diktatur kann sich ungebildete Menschen leisten - nein: sie wünscht sich die sogar. Eine Demokratie dagegen braucht wache und interessierte Bürger, die Ideen entwickeln und Fragen stellen. Wo die Staatsgewalt vom Volk ausgeht, da kann es nicht gleichgültig sein, in welcher geistigen Verfassung sich das Volk befindet."[1]




Um politische Themen in ihrem Entstehungs- und Wirkungszusammenhang zu begreifen, müssen Lösungsalternativen beurteilt und politische Aktivitäten entfaltet werden können. Besonders schwierig ist die Förderung solcher Kenntnisse und Fähigkeiten in der Berufsausbildung. Diese steht nicht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Doch nach wie vor stellt die Berufsausbildung im dualen System für 60 Prozent der 16- bis 20-Jährigen den Einstieg in das Berufs- und Arbeitsleben dar. Von Seiten der Regierung, von Verbänden, Kammern und Gewerkschaften wird viel unternommen, um zusätzliche Ausbildungsplätze und neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen. Allerdings reichen die unternommenen Aktivitäten nicht aus; es sind neue Wege zu gehen, um junge Menschen in eine Berufsausbildung zu vermitteln.[2] Diese Bemühungen werden von der Öffentlichkeit seit langem zu wenig gewürdigt.[3]

Aber Demokratie bedarf der politischen Bildung aller Bürger. Deshalb kommt es nicht nur auf die politische Bildung von Schülern an allgemeinbildenden Schulen an, sondern sie ist auch nötig für Auszubildende/Berufsschüler. Im Folgenden werden die Struktur der Berufsausbildung und der Auftrag der Berufsschulen hinsichtlich politischer Bildung skizziert. Sodann geht es um politische Einstellungen und Orientierungen Auszubildender/Berufsschüler, soweit sie sich aus neueren Befragungen und empirischen Untersuchungen ablesen lassen. Am Ende werden Ansatzpunkte für eine bessere politische Bildung in der Berufsausbildung insgesamt und besonders an Berufsschulen vorgestellt.

Fußnoten

1.
Berliner Rede von Bundespräsident Horst Köhler in der Kepler-Oberschule in Berlin-Neukölln, in: www.bundespraesident.de/-,2.633054/ Berliner-Rede-von-Bundespraesi.htm (15.6. 2007).
2.
Vgl. Reinhard Zedler, Neue Wege der Berufsausbildung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, (2004) 28, S. 24ff.
3.
Vgl. Winfried Schlaffke/Reinhold Weiss, Das duale System der Berufsausbildung, Köln 1996, S. 11ff.