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5.7.2007 | Von:
Michael Schreckenberg

Stau und Panik

Stau und Panik haben miteinander zu tun. Sie können alleine auftreten, aber auch gemeinsam. Fakten legen die Verbindungen des Systems Verkehr mit Stau und Panik nahe.

Einleitung

"Alles Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben können."
Blaise Pascal (1623 - 1662)


Stau und Panik - die beiden Worte erzeugen Unbehagen, wenn nicht Furcht. Für sich allein genommen werden sie ständig verwendet, obwohl sie auch als Paar in Erscheinung treten. In einem Fahrzeug im Stau auf der Autobahn ist man gefangen, man kann es nicht einfach verlassen und sich entfernen. Und eine gewisse Perspektivlosigkeit schwingt auch mit, denn man weiß nicht, wie lange der Zustand noch andauern wird. Dies sind die wesentlichen Ingredienzen für das Auftreten eines psychologischen Zustands, den man gemeinhin und eher salopp als "panisch" bezeichnet.






Doch auch umgekehrt betrachtet ergibt sich ein Zusammenhang. Menschen in Panik, zumal in einer großen Masse, handeln egoistisch, ohne Rücksicht auf andere. Das Gedränge an Engstellen vermindert den Durchsatz enorm und erzeugt schließlich: Stau. Häufig mit unabsehbaren Folgen, denn am Ende wird "panisch" gedrückt, geleitet von der irrigen physikalischen Annahme, mehr Druck erzeuge mehr Durchfluss. Menschen sind transporttechnisch aber eher als "sperrig" einzustufen, so dass das Gegenteil eintritt: Verstopfung, und damit Stau.

Von beidem soll hier die Rede sein, von Stau und von Panik, von Menschen in Fahrzeugen und als Fußgänger. Stau und Panik haben miteinander zu tun. Sie können alleine auftreten, aber auch gemeinsam. Fakten und Zusammenhänge legen die Verbindungen des Systems Verkehr mit Stau und Panik nahe.[1]

Fußnoten

1.
Für diesen Text wurde folgende Literatur verwendet: Hermann Engl/Frank Lämmel, Highway Deutschland, Holzkirchen 1996; Sigmund Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse, Leipzig 1924; Clauss-Siegfried Grommek (Hrsg.), Panik - Ein vernachlässigtes Phänomen?, Rothenburg/Oberlausitz 2005; Hans Hitzer, Die Straße. Vom Trampelpfad zur Autobahn, München 1971; Dietmar Klenke, "Freier Stau für freie Bürger" - Die Geschichte der bundesdeutschen Verkehrspolitik, Darmstadt 1995; Tobias Kretz, Pedestrian Traffic - Simulation and Experiments, Diss., Universität Duisburg-Essen 2006; Maxwell G. Lay, Die Geschichte der Straße, Frankfurt/M.-New York 1994; Michael Schreckenberg/Som Deo Sharma, Pedestrian and Evacuation Dynamics, Heidelberg 2002; Rainer Stommer (Hrsg.), C.G. Philipp, Reichsautobahn - Pyramiden des Dritten Reiches, Marburg 1982; Walter Tiedemann, Panik - Erkennen-verhüten-abwehren, Lübeck 1968; Nathalie Waldau, Massenpanik in Gebäuden, Diplomarbeit, TU Wien 2002; dies./Peter Gattermann/Hermann Knoflacher/Michael Schreckenberg, Pedestrian and Evacuation Dynamics 2005, Heidelberg 2007. Vgl. auch www.rimea.de; www.ped-net.org und www.autobahn.nrw.de.