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5.7.2007 | Von:
Susanne Böhler
Daniel Bongardt

Sorgenkind Verkehr - Maßnahmen zum Klimaschutz

Schwellen- und Entwicklungsländer

Das Thema Verkehr und Klimaschutz kann nicht ohne Bezug auf die so genannten Schwellen- und Entwicklungsländer behandelt werden. Während in den Industriestaaten der bereits hohe Ausstoß an CO2Emissionen aus dem Verkehrssektor nur noch leicht ansteigen wird, sind für die Schwellen- und Entwicklungsländer Zuwächse von fast 3,6 Prozent jährlich prognostiziert worden (IEA 2004).

Geht man von den verkehrsbedingten Pro-Kopf-Emissionen aus, die in Europa (EU-25) Realität sind, wären die Gesamtemissionen in China um ein Achtfaches und in Indien um das 22-fache höher als heute. Insgesamt würde in diesen beiden Ländern fünfmal soviel CO2 emittiert wie 2004 im Europa der 25.[21] An dieser Beispielrechnung wird deutlich, dass Verkehrspolitik in den Schwellen- und Entwicklungsländern kaum von der in den Industriestaaten zu trennen ist. Solange im Norden eine Verkehrspolitik verfolgt wird, die sich am Wirtschaftswachstum ausrichtet und hohe Emissionen verursacht, kann kaum sinnvoll argumentiert werden, dass in den Ländern des Südens ein anderer Weg eingeschlagen werden müsste. Grund für die dramatischen Zuwächse in den Schwellenländern ist vor allem die nachholende Motorisierung. Besonders kritisch ist die Situation in China, denn der Pkw-Besitz korreliert mit dem in einigen Regionen rasch steigenden Einkommen der Menschen.[22] In Asien dominieren noch die nicht-motorisierten Verkehrsmittel Rad und Fuß, in Indien sind es die motorisierten Zweiräder und in Südamerika die öffentlichen Verkehrsmittel. Allen Ländern gemein ist der Trend weg von nachhaltigen Verkehrsmitteln hin zum motorisierten Individualverkehr.

In Schwellenländern mit hohen Motorisierungsraten ist das Problem Verkehr zumeist erkannt. Es sind aber weniger Sorgen um den Klimawandel als vielmehr lokale Probleme, die Problembewusstsein schaffen. Instrumente des internationalen Klimaregimes unterstützen diese Entwicklung, insbesondere der Global Environmental Fund (GEF) und der Clean Development Mechanism (CDM) im Rahmen des Kyoto Protokolls. Mit dem CDM ist es möglich, dass ein Industrieland Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in einem Entwicklungsland durchführt und gegen eine Vergütung Carbon Credits erwirbt, die auf die Emissionsminderungsziele des Landes angerechnet werden können. Damit soll Industrieländern das Erreichen ihrer Reduktionsziele erleichtert und gleichzeitig ein Technologietransfer in Entwicklungsländer gefördert werden. Die strengen Vorschriften zur Messung von Emissionseinsparungen beim CDM haben dazu geführt, dass bislang kaum Verkehrsprojekte realisiert worden sind.[23] Der GEF fördert derzeit 29 Verkehrsprojekte, die sowohl auf effiziente Technologien als auch auf die Verlagerung auf umweltverträgliche Verkehrsträger setzen. In Managua etwa, der Hauptstadt Nicaraguas, werden der öffentliche Nahverkehr gestärkt und zusätzlicher Raum für den nicht-motorisierten Verkehr geschaffen, indem staatliche, kommunale und privatwirtschaftliche Institutionen kooperieren. Dadurch sollen bis 2030 jährlich rund 146 000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.

Fußnoten

21.
Vgl. IEA, CO2-Emissions from Fuel Combustion 1971 - 2004, Paris 2006. In den USA liegen die verkehrsbedingten CO2 Emissionen mit sechs Tonnen pro Kopf ungefähr dreimal so hoch wie in Europa.
22.
Vgl. Daniel Sperling/Eileen Clausen, The Developing World's Motorization Challenge. UCTC Research Papers, Berkeley 2003.
23.
Vgl. Daniel Bongardt/Holger Dalkmann/Wolfgang Sterk/Bettina Wittneben, Sustainable Transport and the Clean Development Mechanism - Can there be a juncture? Paper Berlin Conference 2006 on the Human Dimensions of Global Environmental Change, Berlin 2006; http://web.fu-berlin.de/ffu/akumwelt/bc2006/papers/ (20.5. 2007).