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29.6.2007 | Von:
Christina Anger
Axel Plünnecke
Susanne Seyda

Bildungsarmut - Auswirkungen, Ursachen, Maßnahmen

Zwischen sozioökonomischer Herkunft und Bildung besteht ein enger Zusammenhan. Um Bildungsarmut zu bekämpfen, müssen die Schüler besser gefördert werden.

Einleitung

In Deutschland besteht in erheblichem Ausmaß Bildungsarmut, deren Entstehung zu einem großen Teil auf Mängel im Bildungssystem zurückzuführen ist. Als bildungsarm kann der Anteil der Personen bezeichnet werden, der keinen höheren Sekundarabschluss (keine abgeschlossene Berufsausbildung) aufweist oder nach dem PISA-Test zur Risikogruppe gehört. Bildungsarmut lässt sich folglich anhand von fehlenden Zertifikaten (als Sammelbegriff für Bescheinigungen formaler Bildungsabschlüsse) oder anhand von geringen Kompetenzen messen.[1]




Aussagen über den Umfang der Bildungsarmut in Deutschland lassen sich damit aus Ergebnissen von Kompetenztests wie etwa dem PISA-Test entnehmen. In Deutschland zählten bei PISA im Jahr 2003 im Bereich Mathematik rund 22 Prozent der Schülerinnen und Schüler zur Risikogruppe.


Sie kamen im Test höchstens auf die unterste Kompetenzstufe: Ihre Kompetenzen reichen für das Erlernen eines Berufs ohne besondere Hilfestellungen nicht aus. International gesehen liegt Deutschland damit innerhalb der OECD-Länder im unteren Drittel (Vgl. Tabelle 1 der PDF-Version).


Werden die Schüler nach Schulformen unterteilt, so gehören 0,5 Prozent der Gymnasiasten, 12 Prozent der Realschüler, 23,4 Prozent der Schüler der Integrierten Gesamtschule und 49,9 Prozent der Hauptschüler zur Risikogruppe.[2] Jeder zweite Hauptschüler ist folglich hinsichtlich seiner mathematischen Kompetenzen als bildungsarm zu bezeichnen.

Einen beruflichen Abschluss erreicht ein Teil dieser Jugendlichen dennoch. Dies ist vor allem auf das duale Ausbildungssystem zurückzuführen, in dem einige Jugendliche die notwendigen Kompetenzen für den Erwerb einer Berufsausbildung nachträglich erwerben können. Die Situation Deutschlands stellt sich im internationalen Vergleich also etwas besser dar, wenn die Bildungsarmut anhand von Zertifikaten gemessen wird. 16 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter zwischen 25 und 64 Jahren besitzen keinen Abschluss der Sekundarstufe II - also beispielsweise keine abgeschlossene Berufsausbildung. In der Altersgruppe der 25- bis 34-jährigen Personen liegt der entsprechende Wert bei 15 Prozent (Vgl. Tabelle 1 der PDF-Version).[3] Damit befindet sich Deutschland deutlich unterhalb des OECD-Durchschnitts von 33 bzw. 23 Prozent. Problematisch ist, dass der Anteil der Personen ohne einen Abschluss der Sekundarstufe II in den vergangenen Jahren stagniert. Ein Abbau der Bildungsarmut erfolgt im Gegensatz zu vielen anderen Staaten in Deutschland demnach nicht.

Insgesamt wird deutlich, dass das Bildungspotenzial in Deutschland gegenwärtig nicht ausreichend genutzt wird.

Im Folgenden werden zunächst die Auswirkungen der Bildungsarmut näher beschrieben. Daran schließt sich eine Ursachenanalyse an. Abschließend werden verschiedene Reformmaßnahmen vorgeschlagen, mit denen die Bildungsarmut reduziert werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Reformüberlegungen für den Bereich der schulischen Bildung, da dort, wie Tabelle 1 (Vgl. PDF-Version) zeigt, die Probleme im internationalen Vergleich am größten zu sein scheinen.

Fußnoten

1.
Vgl. Jutta Allmendinger/Stephan Leibfried, Bildungsarmut, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 53 (2003) 21/22, S. 12 - 18.
2.
Vgl. PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg.), PISA 2003. Der Bildungsstand der Jugendlichen in Deutschland - Ergebnisse des zweiten internationalen Vergleichs, Münster 2004.
3.
Vgl. OECD, Bildung auf einen Blick. OECD- Indikatoren, Paris 2006.